Vom Schreiben schreiben – Part 1

Ich habe schon immer gern und viel geschrieben. Geschichten, Gedichte… ich bin ein Freund der Zitate und Aphorismen. Ich wühle mich gern durch meine Bücherwand, heute auch durchs virtuelle Netz um immer wieder an, auf verschiedene Lebenssituationen passenden, Sprüchen hängenzubleiben. Ich mag den Gedanken, der ganz oft wie von selbst dann in mir entspringt. Eine Idee, die nach dem Lesen der Worte in meinem Kopf wächst und die förmlich danach schreit, aufgeschrieben zu werden.

In den letzten Jahren blieb es häufig bei der Idee im Kopf. Fand ich gerade zwischen dem Beschäftigen und Erziehen von drei wilden Kerlen keinen gespitzen Bleistift oder war aus den letzten literarischen und nicht rechtzeitig weggeräumten Ergüssen bereits von einem der Jungs ein Papierflieger gebastelt…

Jetzt werden die wilden Kerle größer. Der kleinste ist zum Basteln eines Fliegers gerade allein noch nicht in der Lage und die beiden Größeren haben mittlerweile andere elektronische Hobbies, so dass Origami nicht mehr ganz oben auf der Spiel-Bestseller-Liste steht.

Die ideale Ausgangssituation, die gute Aussicht, das  meine Ideen, die dann überall im Haus verteilt liegen, da mir hier und da etwas Wichtiges einfällt, nicht gen Himmel in Form eines Segelfliegers oder Kampfjets starten.

So war es denn auch dieses Mal. Ausgelöst durch ein Zitat von Thomas Mann: „Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt“, kramte ich in meinen alten Aufzeichnungen. War ich doch sicher, dass sich dazu in meiner chaotischen Stoffsammlung schoneinmal begonnene Essays befanden. Ich holte sie hervor. Vergleichbar mit einem Kind, dass zu Weihnachten die lang ersehnten Geschenke auspackte, spürte ich förmlich diese neugierige, fast aufgeregte Anspannung. Dieses Gefühl, dass der Zeitpunkt gekommen war.

„Du bist eine gute Mutter, eine gute Ehefrau –  jetzt wird es Zeit, dass du mal wieder etwas für dich tust!“

Die Worte meiner Freundin hallten bei dem Blättern in den Aufzeichnungen, den hastig notierten Anmerkungen in meinem Kopf.

Hatte sie womöglich recht, und ich den den vergangenen Jahren das ein oder andere – nein, eigentlich viel zu viele Projekte, schon vor Beginn abgelehnt bei dem Gedanken an die Zeit, die es mich vermutlich in Anspruch nehmen würde?

Zeit, dieser kostbare Faktor, von dem man ständig und unweigerlich viel zu oft das Gefühl hatte, immer zu wenig zu haben!

Ich hatte irgendwann begonnen, den Umstand „Zeit“  als wirkliches Luxusgut un meinem Leben zu betrachten. Ich träumte nicht von materiellen Luxusgütern. Uns geht es, vergleichbar mit den meisten fünfköpfigen Familien weitestgehend gut. Mal steht das Wassser bis zum Hals, mal kann man in der seichten Brühe fast schwimmen.

Nein Luxus in meinem Leben bedeutet:  Zeit zu haben.

War nun die Idee gereift, teilte sie sich gleichzeitig den Gedanken mit der Umsetzbarkeit. War mir doch völlig bewußt, dass ich zu der Idee nicht auch noch fünf Bonusstunden am Tag geschenkt bekam…hieß es im Umkehrschluss, dass ich sie mir nehmen mußte. Nehmen aus einem vollen Tag, von dem ich bisher oft genug schon das Gefühl hatte, dass er sowieso viel zu kurz sei. Ich mußte sie mir zwangsläufig nehmen, die „Wohlstandverwahrlosung“ meiner Kinder durchbrechen, mein Kümmer-Gen etwas herunterschrauben. Eine neue Erfahrung für mich und meine Familie ringsherum. Ich konnte nicht mehr bei jedem nicht-lebensnotwenigen „MAMA?!“ aufspringen und war auch mal gezwungen zu sagen: „Ich kann gerade nicht – ich schreibe“

„Benutze doch etwas von diesen Armen und Beinen an deinem Körper, die dir der liebe Gott nicht nur zum Controllerhalten und Fußballspielen gegeben hat… man kommt mit ihnen auch bis in die Küche zur Wasserflasche und kann sie sogar greifen, um sich etwas einzuschenken…“   😉

Ein Prozeß, der nun aufgeschrieben fast lächerlich wirkt, der aber – zumindest in unserem Haus-  für einige Umstellung, Neuordnung und komische Blicke sorgte.

Einmal ausgesessen, den kritischen Blicken von Mann und Kindern ausgesetzt, gab es sie plötzlich : Die Zeit.

Dieses Luxsgut, das es mir ermöglichte meine Idee reifen zu lassen, den Bleistift zu spitzen und mit dem Schreiben zu beginnen….

to be continued….2015-06-06 09.10.39

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