Reisen

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“ Schreib doch mal wieder etwas über das Leben!“
Diese Bitte, die Aufforderung dringt an mein Ohr von den Lesern meines blogs, die es vermissen.
Während bei dem ersten Gedanken daran, das Thema „Leben“ zu groß und weitläufig erscheint und meine wohlgemeinte Nachfrage: „Worüber denn genau?“ noch überdacht wird, bleiben meine Augen an dem ersten Wort der Bitte hängen: “ SCHREIB!“

„Schreib!“- MACH! – ist manchmal gar nicht so einfach. Das kennt ein jeder mit seinem eigenen Hobby, einem Vorhaben oder einer Idee.
„Mach doch mal!“ – wie oft hören wir diese Worte und sehen dabei als einziger die 1000 Hürden im Kopf.

Warum fällt es einem Außenstehenden (mich selbst eingeschlossen , wenn ich auf der anderen Seite sitze) so leicht, diese anspornenden Worte auszusprechen und die vermeintlich vorgebrachten Einwände allenfalls still zu belächeln?
Sie still zu belächeln , da sie höchstens als Ministufe erscheinen, während der Zweifelnde sie als unüberwindbares Hindernis, als Hürde wahrnimmt? Als Stolpersteine, Zwangspausen überall auf dem Weg hin zu der Burg, dessen Zugbrücke ohnehin hochgezogen und damit unbetretbar erscheint?

„Schreib doch mal wieder was über das Leben!“

Über das Leben, dieses schöne, häufig unplanbare und ebenso alltägliche wie überraschendes Konstrukt…

Vielleicht stocken wir nur, weil wie in meinem Fall hier bei diesem Schreibthema das Ziel viel zu weit entfernt, zu allgemein und schwammig erscheint?
Wie oft ist es im Leben so, das ein Ziel nur ganz klein am Horizont zu erahnen ist? Meistens unklar, unscharf und nicht deutlich umrissen, fällt es uns dann schwer, zielgerichtet darauf zuzugehen.
Und selbst wenn wir den richtigen Weg eingeschlagen haben , erkennen wir vielleicht, das dieses Ziel mit jedem Schritt den wir uns ihm nähern, größer und größer und die Festung bald uneinnehmbarer denn je erscheint.

Vielleicht hadern wir dann einen weiteren Moment noch damit, ob uns die Kraft und Energie reicht, um nach diesem langen Kräfte zehrenden Marsch die letzte entscheidende Schlacht auch noch zu schlagen?

Doch was ist es denn, was die anderen und uns selbst auch dazu verleitet, einen jeden zu diesem Aufbruch zu motivieren?
Pläne zu schmieden und sie in die Tat umzusetzen? Und nicht schon vorher zu verzweifeln, sondern langsam Schritt für Schritt einen Fuß vor den anderen zu setzen?

Es sind die Etappen, die Teilschritte die wir bei dem vorherigen Szenario völlig außer Acht gelassen haben. Die kleinen Erfolgserlebnisse, die schönen Momente, die Augenblicke, die uns erwarten, wenn wir diese Reise als großes Ganzes betrachten und nicht nur als eine Mammutaufgabe, die auf uns wartet.

„Schreib doch was über das Leben!“ Über dieses Leben, das jede Minute passiert und über all die kleinen Dinge hin auf dem Weg zu dem großen Ganzen, welches wir am Horizont vielleicht noch gar nicht sehen. Tag für Tag setzen wir mutig einen Schritt vor den anderen und nähern uns dem vielleicht noch unsichtbaren, einzigen Ziel.
Manchmal drehen wir uns im Kreis oder hadern mit dem Gefühl uns verlaufen zu haben und doch bleibt die Richtung stetig gleich: Vorwärts.
Immer vorwärts- so spornen uns die kleinen Augenblicke an, die schönen Momente – diese Teiletappen. Die kleinen Strecken die wir bestreiten, während wir von einem Meilenstein zum nächsten laufen. Den Steinen, auf die wir nach ihrem Erreichen stolz blicken und ähnlich aufrecht neben ihnen stehen. Dann wenn wir den buckligen Gang der Etappe vor Glück vergessen und uns neben ihnen für einen Moment glücklich stehend in den wolkenlosen Himmel recken. Dann spüren wir, wie wir wachsen, mit und neben ihnen; wie wir größer werden bis wir das Ziel am Horizont endlich erkennen: Es ist diese Reise, das Leben an sich, das uns nicht in ferne Welten entsendet , sondern stetig weiter und voran auf diesem Weg hin zu uns selbst!

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Stationen

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„Der Zug ist längst abgefahren!“

Sie sah ihn bei diesen maulenden Worten an. Nein, vielmehr sah sie durch ihn hindurch auf die imaginäre Anzeigetafel hinter ihm. Auf den digitalen Fahrplan der ihr verriet, dass auf jedem der sieben Gleise in der nächsten halben Stunde ein neuer Zug einfahren würde. Sah er sie denn nicht?
Zwischen den Abfahrtszeiten fand sie zurück zu seinen Augen und zu der darin liegenden Trauer , Resignation und dem Wehmut über den verpassten Zug.
Der Lautsprecher auf dem Bahnsteig knackte laut, ehe die montagsmüde Dame die Einfahrt eines neuen Zuges ankündigte und um Vorsicht dabei bat.

Sie sah ihn an.
„Ja, DER Zug ist vielleicht weg. Aber im fünf-Minuten-Takt kommen neue.“

Jetzt sah er es auch:  das Gewimmel auf den Bahnsteigen. Das Ein- , Aus- und Umsteigen der Reisenden mit einem Ziel. Sie schoben sich mal mit leichtem, mal mit schwerem Gepäck an ihm vorbei, während er unschlüssig auf der Rolltreppe lief nur um nirgendwo anzukommen.

„Manchmal habe ich das Gefühl, das Leben ist zu schnell für mich. Es rast regelrecht. Mal schaue ich von meinem Sitz hinter den Scheiben heraus und mal spüre ich seinen Fahrtwind, wenn es an mir vorbeirauscht.“

Sie strich über seine Hand in dem Café zwischen all den Reisenden in der ersten Frühlingssonne.
„Jeder Zug wird irgendwo anhalten und dann kannst du selbst entscheiden, ob du zusteigst oder ihn ohne dich weiterfahren lässt.“

Er schwieg. Griff nach dem Bierglas und nahm einen tiefen Schluck.
Plötzlich hörte er den fremden Jungen am Nachbartisch. Er spielte mit einer Holzeisenbahn und fuhr gerade den Bahnhof unter dem Tisch zwischen den Beinen seiner Eltern an.
„Alles Aussteigen- Endstation!“

Wie zur Bestätigung nickte der Biertrinkende seiner Freundin zu.
‚Siehst du!‘ , schienen seine Augen zu sagen. Er verzog dabei die schmalen Lippen zu einem gequälten Lächeln.

„Umsteigemöglichkeiten an den anderen Gleisen!“ , tönte der Sechsjährige durch die Lautsprecherhände.

Nun hob sie die Brauen.
‚Siehst du‘ , sagte ihr Lächeln als sie das Glas zu ihm hob. Leise prostete sie ihm zu.
„Sogar der Kleine weiss es schon: selbst Endstation bedeutet nicht zwangsläufig das Ende einer Reise!“

Mindstyle

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Die Dinge des Lebens passieren täglich aufs Neue.
Ein Schelm, der denkt, es wär nicht so. Auch an den Tagen von denen wir meinen, sie seien so  ereignislos wie ein Blick in den leeren Kühlschrank. Ein ernüchternder Blick bei dem sich lediglich kurz das Licht zeigt, ehe es nach dem Tür schließen wieder in der Einsamkeit der tristen Kälte verschwindet. Selbstverständlich ohne unseren knurrenden Magen befriedigt zu haben, da sich außer den imaginären Pinguinen nichts in ihm befand.
Da fällt es uns leicht neben dem weiter vorherrschenden Hungergefühl zu vergessen, dass das Licht dort drin einen Moment lang NUR für uns gebrannt hat …
So oder sich ähnlich kommen sie manchmal daher, die Lebensratgeber dieser Tage. Sie führen uns an der Hand durch unsere Leben und weisen uns auf diese oder ähnliche kleine Lichtblicke im Alltag hin.
Wobei ich zugeben muss, dass ich für diese Art der Literatur durchaus empfänglich, aber auf dem Pfade der Erleuchtung mitunter noch ein Anfänger bin. So freue ich mich ganz realistisch betrachtet vielmehr über den durchlaufenden Kaffee am morgen als über das rote Signallämpchen der Kaffeemaschine, das mir in der dunklen Küche den Weg zum wachmachenden Getränk zeigte.

Wie Pilze sprießen sie aus dem Boden: die Magazine mit den bunten Mandalas auf dem Titel und einem Sinnspruch neben den angerissenen Lebenskapiteln. So herzerwärmend und farbenfroh, dass wir nach dem Tanken in der Männerdomaine neben der Zapfsäule fast unsere Yogamatte auspacken. TIEF EINATMEN , während wir die Zwei- oder Vierzeiler lesen und den Gedanken:“Ja, so ist es!“ genauso wenig aufhalten können wie den Griff in das Regal.
Die Sehnsucht nach Ruhe und dem Besinnen auf sich selbst und den Geist trifft den Zeitgeist einer neuen Generation.
Was hat sich verändert in den letzten Jahrzehnten, wenn wir mit den mind-spirit-life- Magazinen auf die ältere Generation treffen, die unser beseeltes Lächeln irritiert beobachtet?
Vielleicht gelten wir für sie noch für einen Ableger all jener, die einst als Blumenkinder nach Ibiza oder la Gomera ausgewandert sind, um sich in einem Rausch des Lebens fernab der Welt selbst zu finden?

Sind die Zeiten hektischer geworden so das wir dankbar für diese Momente der Langsamkeit beim Lesen sind oder beobachten wir die Welt nur noch mit angehalten Atem und besinnen uns dann darauf, uns in ihr wiederzufinden?

Tatsächlich ist das schwer in einem Satz zu beantworten, doch die Nachfrage gibt diesen Magazinen recht. Waren es am Anfang ein oder zwei, lassen sich mittlerweile ganze Regalreihen mit ihnen füllen .
Das Wort zum Sonntag kennt fast niemand mehr, wird seltener gehört, als diese quartalsweise erscheinenden Magazine gelesen.

Wo sind wir?  Wo sollten wir sein?  Wer sind wir? Und wer könnten wir sein?
Das sind die Grundfragen, die sich durch die einzelnen Artikel ziehen. MINDSTYLE ist der neue Lifestyle.
Es sind die kurzen Aphorismen, Artikel und Gedichte die uns entspannt bei einer Tasse Kaffee  oder Tee nach einem hektischen Tag beruhigen und uns ein Licht  aufzeigen, wenn wir glauben, alles um uns herum liegt im Dunkeln.

In diesem Sinne wünsche ich euch zu diesem Wochenstart den einen oder anderen Lichtblick.
Herzlichst, eure Nadin