Dienstag, 3.Oktober

Im Rückblick werden wir schon das ein oder andere Mal gedacht haben: Hätte es diesen oder jenen Moment nicht gegeben, wäre heute einiges anders. Ohne Umschweife, ohne Wenn und Aber, vermag ich am heutigen Tag zu sagen: Ohne die Deutsche Einheit 1989/ 1990 wäre für mich definitiv heute ALLES anders.  Bei allen Diskussionen um das […]

Samis Taxi – aus Speckby, Sami oder eine Form von Schizophrenie – Part 2

Er sah seinen eilig zugestiegenen Fahrgast im Rückspiegel an. Dunkle Augenringe umrahmten die fahle Haut in dem Gesicht des Fünfzigjährigen.

Das gleiche Ziel wie die Fahrgäste zuvor : Theater des Nordens, zur Premierenfeier.

Der Mann auf der Rückbank richtete die schiefsitzende Fliege, die er ganz offensichtlich in Eile um den Kragen gelegt hatte.

„So ein Mist!“ Er zupfte und zerrte an dem viel zu engen Band.

„Alles in Ordnung bei ihnen?“ Natürlich war es das nicht. Das hatte Sami schon beim Einsteigen des fahrig wirkenden Mannes bemerkt.

Seine Erfahrung als Taxifahrer in den letzten 40 Jahren hatte ihm jedoch gezeigt, dass er einige Menschen regelrecht erschreckte, wenn Sami ihnen gleich beim Einsteigen einen passenden Ratschlag fürs Leben erteilte.

Also hatte er irgendwann die Strategie gewechselt und beschränkte sich seither erst einmal auf diese unverfängliche Nachfrage.  Was dann kam, überhörte er in der Regel bald automatisch geflissentlich. Waren es doch die bekannten und zu oft gehörten Worte über den Stress, das Wetter oder noch schlimmer die pure Verleugnung mit den Worten: „Es sei alles okay!“

Natürlich war das eine nachvollziehbare und erklärbare Reaktion. Sami sah es ja ein. Er wollte auch nicht mit jedem x-Beliebigen seine Probleme besprechen. Und schon gar nicht mit einem tickenden Tachometer im Nacken, das unbarmherzig die Kosten dieser ungefragten Therapieminuten anzeigte.

Also ließ Sami sie gern in dem Glauben, er nähme ihre ausweichende Antwort ernsthaft annehmend zur Kenntnis.  Er fragte für diesen Moment einfach nicht weiter nach.

In der Regel schaltete Sami anschließend das Radio etwas lauter. Gerade soviel, um seinem Fahrgast damit auf die sowieso schon angespannten Nerven zu gehen, aber leise genug, um dessen bald kommende Bitte, es auszumachen nicht zu überhören.

„Können sie das bitte ausmachen?“ Diesmal kam es noch schneller als erwartet. Sami hatte in Gedanken erst bis acht gezählt. Der Durchschnitt heute Abend lag bisher bei 12. Er würde es nachher korrigieren müssen, bevor der neue Fahrgast einstieg.

„Natürlich!“

„Wie lange ist es noch?“ – “ Zwölf Minuten, etwa.“

„Präziser geht´s wohl nicht?!“ Sami schluckte diese eindeutige Provokation. Wohlwissend, dass sie eigentlich nicht ihm persönlich galt.

„Entschuldigen Sie…“

Aha, im Durchschnitt liegend. Sami war mit dem Zählen gerade bei zwei angekommen.

„Ein furchtbarer Tag, heute?“, begann Sami schließlich leise nachfragend.

Jetzt hatten sie die „notwendige persönliche Bindung“ aufgebaut. Der fünfzigjährige Fahrgast hatte wegen seiner forschen Art kurz zuvor ein schlechtes Gewissen und würde daher diese erneute Nachfrage nicht wieder abweisen.

„Der Schlimmste überhaupt, glaube ich.“

Die Ampel war rot, und Sami stoppte den Wagen langsam und gewissenhaft an der durchgestrichenen Linie. Was nun noch fehlte war ein mitfühlender, nachfragender, und den Fahrgast zum Weitersprechen ermutigender Blick. Der Hintensitzende würde ihn sehen, da er bereits jetzt in den vorn hängenden Rückspiegel schaute und darin nach einer Reaktion des Fahrers auf sein Leidensbekenntnis suchte.  Samis Blick traf den des Fünfzigjährigen, als er nun in den kleinen Spiegel und zu ihm nach hinten sah. Er korrigierte die eigentlich optimal passende Einstellung mit einem winzigen Griff an das Glas und signalisierte damit die Bereitschaft, gern zuzuhören.

„Ich bin ganz Ohr!“ , sagten diese Geste und Samis beruhigende dunkle Augen. Noch bevor die Ampel umschaltete, begann der Fünfzigjährige zu erzählen …

Wen würdet ihr gern einmal in Samis Taxi sehen, und in wessen Geschichten als Beobachter und Zuhörer abtauchen?  Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurem kerativen Schaffen heute und den ein oder anderen Fahrgast in Samis Taxi.

Eure Nadin

Speckby, Sami oder eine Form von Schizophrenie – Part 1

Vielleicht hat jeder von uns Schreiberlingen so einen einmaligen Freund namens Sami. Für mich ist Sami mein unerlässlicher Retter in der Not.

Manchmal und das nicht zu selten, lache ich herzhaft, kopfschüttelnd über mich selbst. Vergleichbar mit dem 4-Jährigen, der morgens müde mit dem vernautschten Kuscheltier unter dem Arm den Frühstückstisch gemeinsam mit mir deckt, sind wir als Autoren ganz selten allein.

Der Kleine ist emsig bei der Sache : ein Teller für sich, einen für den Teddy, der auch ganz fürchterlich Hunger hat, und einen für Speckby, den imaginären Freund. Kritisch, bald ängstlich habe ich beim ersten Kind diesen Prozeß beobachtet. Heute bei Kind Nummer drei bin ich deutlich entspannter. Durch ihn angespornt stelle ich noch zwei, drei Teller für die Hauptakteure in meinem neuen Projekt auf dem Tisch dazu. Manchmal reicht der für 8 ausgelegte große Holztisch nicht und wir ziehen ihn kurzerhand gemeinsam für die noch fehlenden, gerade „im Bad zähneputzenden „Freunde““ aus.

Ein einmaliges Schauspiel am Morgen um acht, wenn der Pimpf und ich am vollgedeckten Tisch zu zweit frühstücken. „Was macht Speckby jetzt?“ – „Er trinkt Kakao. Oh, jetzt hat er ganz viel davon verkleckert!“ Der Kleine ist entsetzt. Ich springe auf, hole eilig ein Tuch, bevor das imaginäre Getränk bis auf den braunen Laminatboden tropft.

Speckby, der Freund des Vierjährigen ist in unserem Haus seit zwei Jahren bereits Dauergast. Meine Kaffeetrinker und eingeladenen Gäste wechseln hingegen häufiger. Je nach Projekt bleiben sie eine Weile zur unbezahlten Untermiete, oder stoppen am Abend nur rasch zu einer kurzfristigen Grilleinladung vorbei.

Die einen von uns mögen spätestens an diesem Punkt über Schizophrenie nachdenken, die anderen gratulieren sich zu diesem unerschöpflichen Pool in ihrer Phantasie.

Manchmal, wenn es mir schwerfällt, einen neuen Gast an unserer Tafel zu entdecken, begebe ich mich mit meinem Kumpel Sami auf die Suche nach ihm. Sami ist mein Speckby. Der Retter in der Not. Der Sorgenfresser, stets hilfsbereit und mit unerlässlicher Menschenkenntnis und einem wachsamen Auge gesegnet. Wenn ich die manchmal leeren Gänge meines Kopfes schon unzählige Male erfolglos hinauf und hinab gestiegen bin, steige ich gern ein in sein Taxi und begebe mich mit ihm auf die nächtliche beruhigende Fahrt. Dann steigen sie ein, die Jungen und Alten, die Männer und Frauen, die Kranken und Gesunden. Die Glücklichen, die Traurigen, die Verzweifelten und die Jubelnden.

Während ich schweigend auf dem Beifahrersitz sitze und gebannt zuhörend erfahre, was sie Sami über ihr Leben, ihre Geschichten und ihre Höhen und Tiefen verraten.  Ich bin gespannt, als Zuhörer lauschend, nehme es und ihre Geschichten dankbar in mir auf. Wenn sie dann ankommen am genannten Ziel und ihre Tür sich auf nimmer Wiedersehen öffnet, lade ich sie manchmal auf einen Kaffee mit Speckby zu uns ein. Immer dann, wenn ich glaube und zu wissend bald fühle, dass in ihnen noch mehr steckt, als diese kurze Fahrt bisher verriet.

Wenn ihr grad zweifelt, neue Impulse sucht, einen Anstoss braucht, steigt gern ein mit mir in Samis Taxi und begegnet den vielen wunderbaren Menschen dieser Welt …

… to be continued

Die Reise, ich und Es

„Wo willst du denn hin?“
„Ich weiß es nicht.“
„Wie soll das denn gehen? Ohne Ziel?“
„Ich hab doch eines.“
„Und wie soll das heißen? “
„Weg.“
„Weg ist kein Ziel. Nur der Anstoß zur Abfahrt! “
„Weg ist weg. Und weg ist weit!“
„Weg von was oder von wem denn?“
„Weg von mir.“
„Wie soll das denn gehen? Eine Reise weg von dir? “
Schweigen.
„Gehst du nicht mit auf deine eigene Reise?“
Schweigen.
„Ich denke du solltest dein Ziel ein bisschen genauer definieren!“
„Das mache ich dann auf dem Weg.“
„Auf dem Weg nach wo? Und jetzt sag nicht wieder „weg“!“
„Ich weiß es doch nicht. Nur hier geht’s nicht weiter!“
„Geht „es“ oder „du“ nicht weiter?“
„Ist das nicht dasselbe?“
„Nein.“
Ein fragender  Blick.
“ Du kannst „es“ aber hinter dir lassen und alleine weitergehen.“
„Du meinst, ich soll lieber „es“ auf die Reise schicken? “
Ein Nicken.
“ Nur  „es“ auf die Reise nach „weg“?“
„Ja.“
„Aber was ist, wenn „es“ ein so großer Teil von mir ist?“
„Dann solltest du „es“ nachher zum Bahnhof begleiten und dich gebührend von ihm verabschieden bevor „es“ auf Reisen geht!“

Juni im Juli … oder der gerippte Brachkäfer

2015-07-08 19.12.50Es sind diese milden, warmen Sommerabende auf die wir seit Monaten, eigentlich seit  dem Frühlingsbeginn, sehnsüchtig warten. Nach der Hitze des Tages fiebern wir nun dem Untergang der immer noch gnadenlos brennenden Sonne entgegen.

Wir haben die Augen zusammengenkiffen, wohlwissend, dass wir damit unsere wachsenden Augenfältchen unnachgiebig nähren und beneiden die Freunde um ihren entspannten Gesichtsausdruck hinter den dunklen Sonnenbrillengläsern, in denen wir uns bei jedem Wort selbst spiegeln.  Wir blinzeln unter dem, wie immer dem falschen Platz Schatten spendenden Sonnenschirm hindurch und wägen zaghaft ab, wie viele Minuten der Blindheit es noch sind, ehe die Abendsonne hinter den letzten Häusern versinkt.

Die Eiswürfel tanzen in dem handgeschliffenen kristallenen Weißweinschorleglas, und die beiden weißen Schmetterlinge tun es ihnen, in der Luft umeinander werbend, gleich. Zwei mutige, unermüdliche Spatzen freuen sich über das am Terrassenboden reichhaltig gedeckte Buffet aus Kekskrümeln, Grillresten und sonstigen Leckereien. Sie atmen mit vollem Bauch nach einer Erfrischung in dem mit frischem Wasser gefüllten Hundenapf beseelt auf.

Wir sitzen entspannt, die leicht gebräunten Arme und Beine weit von uns gestreckt und schauen uns in der kleinen Runde und dem wilden Garten um. Das blaue Planschbecken steht verwaist, vor Erschöpfung japsend, nach der Invasion der freudig quietschenden Kinder auf dem von der Sonne angesenkten Rasen. Die danebenstehende Hortensie hält die schweren lilablühenden Köpfe, leicht wippend vom letzten heruntertropfenden Planschwasser, mühsam aber erfolgreich und stolz in die Höhe gereckt.

Dann ein wiziges kleines, dennoch kühlendes und belebendes Lüftchen. Ein Aufatmen -Luft- das grüne hohe Schilfgras stimmt entspannt mit einem beruhigenden Rascheln ein.

Fast hätten wir es verpasst, doch bei einem Aufschauen sehen wir die Sonne hinter dem letzten roten Giebeldach versinken. Die zusammengekniffenen müden Augen können sich entspannen, als die der Helligkeit geschuldeten Tränen endlich aus ihnen weichen.

Ein Farbenspiel am Himmel aus blau, weiß mit rot und gelb. Wir tauchen hinab oder fliegen hinauf. Lassen uns mitnehmen auf diese einmalige Reise. Zu den unendlichen Formen dort oben am Rande des Abendhimmels. Aufgetürmt zu Bergen, andere wiederum klein und zaghaft fließend, ziehen die Wolken vor uns und am dunkler werdenden Horizont vorbei.

Ein Blick in die Runde, ein Prosit, ein Lächeln. Ein wunderbarer Tag neigt sich dem entspannenden Ende.

Der Abend schreitet weiter voran, der Tag wird unaufhaltsam zum „Gestern“, während wir uns zurücklehnen und die Unzulänglichkeiten des vergangenen Tages verbannen.  „Das hat nicht geklappt – … das war die Mühe nicht wert – … das dauert zu lange- … der Aufwand ist dieses Ergebnis nicht wert- …“   Wer kennt sie nicht, diese quälenden Gedanken danach, wenn es uns schwerfällt, manchmal in allem etwas Positives zu sehen. Dann wenn wir so sitzen und den Tag, die Gedanken gemeinsam mit den vorbeiziehenden Wolken am Himmel Revue passieren lassen.

Wir schmieden neue, ambitionierte, uns auf Morgen freuende Pläne.  Einmal im Gespräch verstummt spüren wir sie. Die Dunkelheit mit all unseren SInnen. Die eben noch regen, zwitschernden Vögel waren uns schon lange voraus, sie schweigen in der meterhohen grünen Hecke. Im Garten herrscht jetzt mit Einbruch der Dunkelheit tierische Stille.

Dann kommen sie. Erst einer, dann zwei und bald immer mehr. Ein unzähliges Brummen, Summen und Flattern erfüllt voranschreitende Dämmerung. Wir hören sie noch ehe wir sie am dunkler werdenden Abendhimmel sehen. Diese, unsere abendlichen Besucher, die uns vom endlich gekommenen Sommer künden: die zahlreichen Junikäfer, heute Abend im Juli.

Wir beobachten sie, ihren kleinen hektischen Flügelschlag. Wie sie fliegen, mancheiner scheinbar orientierungslos, wirken sie bald ziellos wenn sie sich uns viel zu schnell und beinahe furchtlos nähern.

Ein Aufschrei der Frauen, eines der aufgeregt brummenden Tierchen hängt erbarmungslos verheddert im offenen blonden Haar. Sein Freund fliegt ungebremst und fast kamikazegleich immer wieder an die gleiche Stelle der Hauswand, wenige Meter über der Brünetten. Wir beobachten sie, versuchen sie alle mit unseren, zugegeben wachsamen und aufsprungbereiten Augen zu erfassen, während sie diesen Flug genießen, nach diesem Tag im verborgenen Dunkeln. Sie summen, sie tanzen, sie schwirren aus. Auf der Suche nach dem Leben, erlöst von ihrer bald unendlichen Zeit des Wachsens. Zwei lange Jahre lagen die Eier untdeckt im Boden vergraben, erst im dritten Jahr verpuppten sie sich.

Wir neigen den müden, mittlerweile schweren Kopf und beobachten diesen lebensbejahenden Flug, auf den die brummenden Bräunlinge vier endlose Jahre gewartet haben. Sie schwirren wohlwissend, dass sie nur diese ein oder zwei Monate haben, ehe sie ihrerseits die Eier ablegen und damit der Kreislauf des Junikäferlebens von Neuem beginnt.

Spätestens jetzt sollten wir nicht länger über Vergangenes hadern, über „hätte- wäre- wenn- und – kann“, und darüber, wie lange etwas dauert oder eben auch nicht.

Ein Prosit auf das Leben, ein Lächeln im Brummen und Summen, mit Freunden im sanften Kerzenlicht. Prosten wir uns zu auf das Leben. Auf das „Gestern“ , das vorhin noch „heute“ war und auf das „Morgen“, das in ein paar Stunden schon „Heute“ ist, versprechend und wohlgemut, jeden einzelnen Augenblick davon zu genießen.

Auf den zweiten Blick

Drei Körper, fünf Augen. Gelb, blau, weiß und schwarz. Reduziert auf die wenigen Farben, im Einheitslook, getreu dem Corporate Identity Motto gekleidet, schauen Sie mich von der Rückseite des Nachrichtenblattes an. Die kleine Werbeanzeige für den neuesten Streifen der Minions. Unwissend von deren Existenz noch vor Jahren, nach dem ersten Teil des Erfolgsfilmes, komme auch ich nun, ob im Spielzeugladen, im Bekleidungsgeschäft, im Fastfoodrestaurant oder sonst irgendwo an ihnen nicht mehr vorbei.

Diese kleinen gelben, lustigen am Pc oder Mac eines nachts von kreativen Köpfen erfundenen Kreaturen, über die und mit denen man selbst in den katastrophalsten und ausweglosesten Situationen des Lebens noch lacht.

Diese Menge der unzähligen Gelblinge im Labor zusammengetrommelt, die auf einen Haufen versammelt fast wie eine zappelnde homogene Masse, bald wie ein großes Eins, auf uns wirken. Äußerlich für mich als zur Zeit brillenlose Brillenträgerin unmöglich zu unterscheiden. Aussichtslos auch nur einen von ihnen mit Namen benennen zu können.  So gleichartig wirken sie auf den ersten Blick.

Erst beim genaueren Betrachten, beim Näherkommen, wenn wir bereits sind unsere Sinne darauf zu schärfen, entdecken wir die Einzigartigkeit eines jeden einzelnen von ihnen.

Der eine ist kleiner, größer,  dicker oder dünner.  Mit Haar oder ohne, davon viel oder wenig, nach oben stehend oder glatt nach unten fallend. Es gibt sie einäugig, zweiäugig mit lachendem, staunendem oder fragendem Gesichtsausdruck. Gesegnet mit einer Sprache von der wir kein Wort verstehen, fühlen wir doch so schnell mit ihnen mit. Sie sind uns sympathisch, wenn auch namenlos und wir verstehen sie bald auch wortlos…

Ich wünsche uns allen diesen aufmerksamen die- einheitlichen- Minions – unterscheidenden- geschulten- reifen Blick.

Mit etwas Geduld, Zeit und dem wohlwollenden Augenmerk auf die gleichmäßigen und scheinbar konformen Menschen auch in unserer Umgebung. Der Blick, der es uns erlaubt das Einzigartige, liebevolle Gute in jedem von ihnen zu entdecken.

Einfach das Besondere an jedem Einzelnen in dieser Masse aus blau, grau, schwarz und weiß wahrzunehmen und über die Unzulänglichkeiten des Lebens mit dem nötigen Humor zu lachen. 2015-07-06_07.39.49

Coming-out und Coming-in… oder der Regenbogen des Lebens

Coming out – Coming in … oder der Regenbogen des Lebens

Ein Regenbogen leuchtet um die Welt.

Nach dem weißen Haus erstrahlen Facebook-Profile und Twitter-Accounts lebens- und liebesbejahend in den bunten Farben des Regenbogens.               Flagge zeigen, Solidarität bekennen, Freude ausdrücken … darüber, dass die USA nachgezogen haben und die „Homo-Ehe“ nun im ganzen Land gefeiert werden darf.

Selbst im erzkonservativen und prüden Texas dürfen die Nachkommen der Cartwrights und Daltons nun ganz offiziell gemeinsam die Viehherden hüten, ohne sich unter ihren Cowboyhüten und der stählernen, „echten“ Männerfassade zu verstecken, wenn sie sich am Lagerfeuer zur Präriemusik eine Zigarette der roten Marke anstecken.

CONGRATULATION !!!

Sind wir damit aber tatsächlich einen Schritt weitergekommen bei der Frage nach der Akzeptanz und Toleranz der Homosexualität in nicht nur unserem Land?

Wie oft kommt es nach dem jahrelangen, die Menschen prägenden und beängstigenden Kampf bis zum Coming out, tatsächlich erst einmal zu dem nicht minder erschreckenden Coming-In?!

Dem Coming-In in eine Gesellschaft, die mit diesen rechtlichen Regelungen vorgibt tolerant und im 21. Jahrhundert angekommen zu sein?

Das Coming-In in Konfrontationen, Ablehnung bis hin zur Diskriminierung nach dem Coming-out?  Angefangen im Mikrokosmos der Familie und Freunde, im Berufsleben und letztendlich in der namenlosen Masse der Gesellschaft.

Wie schwer haben es doch zum Teil die sich outenden Menschen jedweden Alters, die auf eben diese Toleranz und ein freies Leben, nach dem schon Jahre vorher an und in ihnen zehrenden Prozess, hoffen?

Wenn plötzlich aus den Vermutungen, den Annahmen und dem blöden Geschwätz endlich „Wahrheit“ wird?!

Ich wünsche uns als Gesellschaft, im Mikrokosmos wie im großen Ganzen, zum Tag des Regenbogens, wahre Toleranz.

Toleranz, die dann beginnt, wenn wir uns nicht mehr komisch schauend nach einem gleichgeschlechtlichen händchenhaltenden Pärchen umdrehen.

Wenn die Schlagzeieln über einen sich outenden Fußballspieler nicht mehr tagelang das „andere“ Weltgeschehen auf die Seite zwei verdrängen oder die sexuellen Vorlieben eines Politikers zu seiner Vita gehören : „Das ist doch der Shwule, oder? – Welche Partei? –  Weiß ich nicht!“

Wenn wir im Zwischenmenschlichen, im Berufsleben und im Kennenlernen unvoreingenommen bleiben.

By the way: Bei den meisten (ausgenommen ein oder zwei attraktiver Mitmenschen vielleicht) meiner Freunde, Arbeitskollegen oder sonstiger Begegnungen habe ich mir noch nie die Frage gestellt, ob sie im Schlafzimmer das Licht ausmachen oder anlassen… und to be honest : „es is mir auch völlig wurscht!“

Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens!“   (Friedrich Nietzsche)

In diesem Sinne, viele Grüße und Good Luck !