Wortlos

Geschichte des Tages für das Autorennetzwerk auf fb Nadin Brunkau WORTLOS Sie sah ihn an. Er sah sie an. Es war diese Art von Schweigen, das so viel mehr sagte, als Worte je könnten. Ihre Augen erzählten ihm eine Geschichte, der er schweigend mit seinem ganzen Körper lauschte. Er hörte sie. Er fühlte es, jedes […]

Stolpern

Stolpern Stolpern ist wie gehen, nur nicht so gleichmäßig, grazil oder elegant. Und dennoch treibt und bringt es uns immer nur in eine Richtung: Vorwärts. Wie oft haben wir das Gefühl, beim Straucheln rückwärts zu gehen und dabei zurückgeworfen zu werden. So sehen wir nun, dass diese Wahrnehmung, ganz einfach eine optische oder gefühlte Täuschung […]

Da ist einfach die Luft raus …

…bei diesen Temperaturen.

Es ist einer dieser Tage an denen der schwitzende Kopf mit dem Körper eins zu werden droht. Sich Männlein und Weiblein jedweden Alters fühlen, als steckten sie mittendrin im Klimaterium. Meint man doch, dass mit all den fließenden unangenehmen Schweißperlen auch ein Stück der körpergebenden Marterie ihren angestammten Platz verläßt.

Jetzt um knapp 17.42 Uhr schaue ich dankbar den am Himmel aufziehenden Wolken entgegen. Erscheinen sie doch als Retter in der Not. Meine letzte Rettung, um mich nicht gänzlich aufzulösen und in ein bis zwei Stunden nur noch ein 42 Zentimeter hoher nasser Haufen zu sein.

Die Tinte auf dem Block trocknet aus Verzweiflung auch gar nicht mehr. Der feuchte, über das Blatt gleitende Handrücken hinterläßt, gepaart mit der schwarzen Tinte unansehnliche Flecken auf dem Papier. Ein Seufzen, ein Fluchen, ein säuberndes Wischen macht alles nur noch schlimmer an diesem schier nicht aushaltbaren Sommertag.

Der Kreislauf schwächelt. Hin und wieder geraten wir in Versuchung einfach umzufallen. Lediglich die zahllosen Wespen an diesem Tag halten unseren Geist und Körper auf Trab. Sie fordern mit ihrem Summen, ihrem kamikazegleichen Flug direkt auf uns unsere volle Aufmerksamkeit. Allzeit bereit hektisch und laut kreischend aufzuspringen, ignorieren wir die anderen körperlichen Ausfallerscheinungen.

Die Sonne scheint noch immer unnachgiebig. Die vorbeigezogene Wolke war auf jeden Fall viel zu klein. Die zarten Tropfen auf der Stirn rinnen unaufhaltsam tiefer bis sie sich mit einem unangenehmen Brennen in den Augen und ihrer schützenden Höhle sammeln.

Der Block liegt angefangen, leer auf dem Tisch. Unmöglich bei den knapp 40 Grad Celsius auch nur einen geeigneten und sinnvollen Gedanken zu fassen.  Entschieden werden neue Ideen aus Mangel an klaren, formulierbaren Sätzen beiseite geschoben. Ist doch das einzige, was grammatikalisch und stilistisch richtig aus unserem Kopf und den Mündern dringt: „HEIß!“

Also hole ich eine angefangene Kurzgeschichte für die kommende Anthologie des Netzwerkes heraus. Für Korrekturen, meine ich, sollte das schmelzende Hirn unter dem Haar doch noch reichen.

Weit gefehlt! Selbst die bereits geschriebenen Worte bleiben nicht hängen. Hängen in dem Kopf, aus dem sie selbst einmal kamen. Sie wirken falsch, bald zusammenhanglos. Auch die Druckertinte scheint sich, nach kurzer Zeit auf dem Gartentisch, auf dem umweltschonenden Papier wieder zu verflüssigen.

Wieder eine Wespe – die 124. in dieser Stunde. Nach dem erneuten Aufspringen, lasse ich den Tintenfüller bei diesen deprimierenden Aussichten zu.

Der nächste Blog folgt wieder in den frühen Morgenstunden, idealerweise bevor die Sonne aufgeht. So wird das hier heute auf jeden Fall nichts.

Ich wünsche euch heute an diesem unsagbar heißen Mittwoch eine erfrischende, kühle Brise für Körper und Geist. Eine Bademöglichkeit gleich in der Nähe und ein prickelndes, kühlendes Getränk nur eine Handlänge von euch entfernt!

Fühlt euch gegrüßt, eure Nadin

Samis Taxi – aus Speckby, Sami oder eine Form von Schizophrenie – Part 2

Er sah seinen eilig zugestiegenen Fahrgast im Rückspiegel an. Dunkle Augenringe umrahmten die fahle Haut in dem Gesicht des Fünfzigjährigen.

Das gleiche Ziel wie die Fahrgäste zuvor : Theater des Nordens, zur Premierenfeier.

Der Mann auf der Rückbank richtete die schiefsitzende Fliege, die er ganz offensichtlich in Eile um den Kragen gelegt hatte.

„So ein Mist!“ Er zupfte und zerrte an dem viel zu engen Band.

„Alles in Ordnung bei ihnen?“ Natürlich war es das nicht. Das hatte Sami schon beim Einsteigen des fahrig wirkenden Mannes bemerkt.

Seine Erfahrung als Taxifahrer in den letzten 40 Jahren hatte ihm jedoch gezeigt, dass er einige Menschen regelrecht erschreckte, wenn Sami ihnen gleich beim Einsteigen einen passenden Ratschlag fürs Leben erteilte.

Also hatte er irgendwann die Strategie gewechselt und beschränkte sich seither erst einmal auf diese unverfängliche Nachfrage.  Was dann kam, überhörte er in der Regel bald automatisch geflissentlich. Waren es doch die bekannten und zu oft gehörten Worte über den Stress, das Wetter oder noch schlimmer die pure Verleugnung mit den Worten: „Es sei alles okay!“

Natürlich war das eine nachvollziehbare und erklärbare Reaktion. Sami sah es ja ein. Er wollte auch nicht mit jedem x-Beliebigen seine Probleme besprechen. Und schon gar nicht mit einem tickenden Tachometer im Nacken, das unbarmherzig die Kosten dieser ungefragten Therapieminuten anzeigte.

Also ließ Sami sie gern in dem Glauben, er nähme ihre ausweichende Antwort ernsthaft annehmend zur Kenntnis.  Er fragte für diesen Moment einfach nicht weiter nach.

In der Regel schaltete Sami anschließend das Radio etwas lauter. Gerade soviel, um seinem Fahrgast damit auf die sowieso schon angespannten Nerven zu gehen, aber leise genug, um dessen bald kommende Bitte, es auszumachen nicht zu überhören.

„Können sie das bitte ausmachen?“ Diesmal kam es noch schneller als erwartet. Sami hatte in Gedanken erst bis acht gezählt. Der Durchschnitt heute Abend lag bisher bei 12. Er würde es nachher korrigieren müssen, bevor der neue Fahrgast einstieg.

„Natürlich!“

„Wie lange ist es noch?“ – “ Zwölf Minuten, etwa.“

„Präziser geht´s wohl nicht?!“ Sami schluckte diese eindeutige Provokation. Wohlwissend, dass sie eigentlich nicht ihm persönlich galt.

„Entschuldigen Sie…“

Aha, im Durchschnitt liegend. Sami war mit dem Zählen gerade bei zwei angekommen.

„Ein furchtbarer Tag, heute?“, begann Sami schließlich leise nachfragend.

Jetzt hatten sie die „notwendige persönliche Bindung“ aufgebaut. Der fünfzigjährige Fahrgast hatte wegen seiner forschen Art kurz zuvor ein schlechtes Gewissen und würde daher diese erneute Nachfrage nicht wieder abweisen.

„Der Schlimmste überhaupt, glaube ich.“

Die Ampel war rot, und Sami stoppte den Wagen langsam und gewissenhaft an der durchgestrichenen Linie. Was nun noch fehlte war ein mitfühlender, nachfragender, und den Fahrgast zum Weitersprechen ermutigender Blick. Der Hintensitzende würde ihn sehen, da er bereits jetzt in den vorn hängenden Rückspiegel schaute und darin nach einer Reaktion des Fahrers auf sein Leidensbekenntnis suchte.  Samis Blick traf den des Fünfzigjährigen, als er nun in den kleinen Spiegel und zu ihm nach hinten sah. Er korrigierte die eigentlich optimal passende Einstellung mit einem winzigen Griff an das Glas und signalisierte damit die Bereitschaft, gern zuzuhören.

„Ich bin ganz Ohr!“ , sagten diese Geste und Samis beruhigende dunkle Augen. Noch bevor die Ampel umschaltete, begann der Fünfzigjährige zu erzählen …

Wen würdet ihr gern einmal in Samis Taxi sehen, und in wessen Geschichten als Beobachter und Zuhörer abtauchen?  Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurem kerativen Schaffen heute und den ein oder anderen Fahrgast in Samis Taxi.

Eure Nadin

Speckby, Sami oder eine Form von Schizophrenie – Part 1

Vielleicht hat jeder von uns Schreiberlingen so einen einmaligen Freund namens Sami. Für mich ist Sami mein unerlässlicher Retter in der Not.

Manchmal und das nicht zu selten, lache ich herzhaft, kopfschüttelnd über mich selbst. Vergleichbar mit dem 4-Jährigen, der morgens müde mit dem vernautschten Kuscheltier unter dem Arm den Frühstückstisch gemeinsam mit mir deckt, sind wir als Autoren ganz selten allein.

Der Kleine ist emsig bei der Sache : ein Teller für sich, einen für den Teddy, der auch ganz fürchterlich Hunger hat, und einen für Speckby, den imaginären Freund. Kritisch, bald ängstlich habe ich beim ersten Kind diesen Prozeß beobachtet. Heute bei Kind Nummer drei bin ich deutlich entspannter. Durch ihn angespornt stelle ich noch zwei, drei Teller für die Hauptakteure in meinem neuen Projekt auf dem Tisch dazu. Manchmal reicht der für 8 ausgelegte große Holztisch nicht und wir ziehen ihn kurzerhand gemeinsam für die noch fehlenden, gerade „im Bad zähneputzenden „Freunde““ aus.

Ein einmaliges Schauspiel am Morgen um acht, wenn der Pimpf und ich am vollgedeckten Tisch zu zweit frühstücken. „Was macht Speckby jetzt?“ – „Er trinkt Kakao. Oh, jetzt hat er ganz viel davon verkleckert!“ Der Kleine ist entsetzt. Ich springe auf, hole eilig ein Tuch, bevor das imaginäre Getränk bis auf den braunen Laminatboden tropft.

Speckby, der Freund des Vierjährigen ist in unserem Haus seit zwei Jahren bereits Dauergast. Meine Kaffeetrinker und eingeladenen Gäste wechseln hingegen häufiger. Je nach Projekt bleiben sie eine Weile zur unbezahlten Untermiete, oder stoppen am Abend nur rasch zu einer kurzfristigen Grilleinladung vorbei.

Die einen von uns mögen spätestens an diesem Punkt über Schizophrenie nachdenken, die anderen gratulieren sich zu diesem unerschöpflichen Pool in ihrer Phantasie.

Manchmal, wenn es mir schwerfällt, einen neuen Gast an unserer Tafel zu entdecken, begebe ich mich mit meinem Kumpel Sami auf die Suche nach ihm. Sami ist mein Speckby. Der Retter in der Not. Der Sorgenfresser, stets hilfsbereit und mit unerlässlicher Menschenkenntnis und einem wachsamen Auge gesegnet. Wenn ich die manchmal leeren Gänge meines Kopfes schon unzählige Male erfolglos hinauf und hinab gestiegen bin, steige ich gern ein in sein Taxi und begebe mich mit ihm auf die nächtliche beruhigende Fahrt. Dann steigen sie ein, die Jungen und Alten, die Männer und Frauen, die Kranken und Gesunden. Die Glücklichen, die Traurigen, die Verzweifelten und die Jubelnden.

Während ich schweigend auf dem Beifahrersitz sitze und gebannt zuhörend erfahre, was sie Sami über ihr Leben, ihre Geschichten und ihre Höhen und Tiefen verraten.  Ich bin gespannt, als Zuhörer lauschend, nehme es und ihre Geschichten dankbar in mir auf. Wenn sie dann ankommen am genannten Ziel und ihre Tür sich auf nimmer Wiedersehen öffnet, lade ich sie manchmal auf einen Kaffee mit Speckby zu uns ein. Immer dann, wenn ich glaube und zu wissend bald fühle, dass in ihnen noch mehr steckt, als diese kurze Fahrt bisher verriet.

Wenn ihr grad zweifelt, neue Impulse sucht, einen Anstoss braucht, steigt gern ein mit mir in Samis Taxi und begegnet den vielen wunderbaren Menschen dieser Welt …

… to be continued

Die Reise, ich und Es

„Wo willst du denn hin?“
„Ich weiß es nicht.“
„Wie soll das denn gehen? Ohne Ziel?“
„Ich hab doch eines.“
„Und wie soll das heißen? “
„Weg.“
„Weg ist kein Ziel. Nur der Anstoß zur Abfahrt! “
„Weg ist weg. Und weg ist weit!“
„Weg von was oder von wem denn?“
„Weg von mir.“
„Wie soll das denn gehen? Eine Reise weg von dir? “
Schweigen.
„Gehst du nicht mit auf deine eigene Reise?“
Schweigen.
„Ich denke du solltest dein Ziel ein bisschen genauer definieren!“
„Das mache ich dann auf dem Weg.“
„Auf dem Weg nach wo? Und jetzt sag nicht wieder „weg“!“
„Ich weiß es doch nicht. Nur hier geht’s nicht weiter!“
„Geht „es“ oder „du“ nicht weiter?“
„Ist das nicht dasselbe?“
„Nein.“
Ein fragender  Blick.
“ Du kannst „es“ aber hinter dir lassen und alleine weitergehen.“
„Du meinst, ich soll lieber „es“ auf die Reise schicken? “
Ein Nicken.
“ Nur  „es“ auf die Reise nach „weg“?“
„Ja.“
„Aber was ist, wenn „es“ ein so großer Teil von mir ist?“
„Dann solltest du „es“ nachher zum Bahnhof begleiten und dich gebührend von ihm verabschieden bevor „es“ auf Reisen geht!“