Back home …

20150824_073929Back home… nach wundervollen Urlaubstagen in Südfrankreich. Neben der Erholung kam auch das Schreiben nicht zu kurz. Ich war fleißig, habe die ersten 180 Seiten des neuen Projektes Korrekturgelesen und mehrere zehntausend neue Worte geschrieben.

Das entstandene Naturschutzgebiet des Gartens ist wieder einer Wohflühloase gewichen und die letzten Taschen werden heute noch ausgepackt.

Zuhause erwartete mich die Kurzgeschichte für die Anthologie per Mail aus dem Lektorat. Johanna Nagl, hat wundervolle Arbeit geleistet und ich danke dir sehr dafür. Bin ich doch nach der Korrektur heute Morgen damit wieder einen großen Schritt weiter.

Die Veröffentlichung der Anthologie des Autorennetzwerkes ist für Ende des Jahres geplant und der Erlös geht nach der Abstimmung an den Verein „BrotundBücher“. Ichh freue mich sehr dabei sein zu dürfen und wünsche euch allen Kreativen heute einen wundervollen Tag!

Liebe Grüße, eure Nadin

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Samis Taxi – aus Speckby, Sami oder eine Form von Schizophrenie – Part 2

Er sah seinen eilig zugestiegenen Fahrgast im Rückspiegel an. Dunkle Augenringe umrahmten die fahle Haut in dem Gesicht des Fünfzigjährigen.

Das gleiche Ziel wie die Fahrgäste zuvor : Theater des Nordens, zur Premierenfeier.

Der Mann auf der Rückbank richtete die schiefsitzende Fliege, die er ganz offensichtlich in Eile um den Kragen gelegt hatte.

„So ein Mist!“ Er zupfte und zerrte an dem viel zu engen Band.

„Alles in Ordnung bei ihnen?“ Natürlich war es das nicht. Das hatte Sami schon beim Einsteigen des fahrig wirkenden Mannes bemerkt.

Seine Erfahrung als Taxifahrer in den letzten 40 Jahren hatte ihm jedoch gezeigt, dass er einige Menschen regelrecht erschreckte, wenn Sami ihnen gleich beim Einsteigen einen passenden Ratschlag fürs Leben erteilte.

Also hatte er irgendwann die Strategie gewechselt und beschränkte sich seither erst einmal auf diese unverfängliche Nachfrage.  Was dann kam, überhörte er in der Regel bald automatisch geflissentlich. Waren es doch die bekannten und zu oft gehörten Worte über den Stress, das Wetter oder noch schlimmer die pure Verleugnung mit den Worten: „Es sei alles okay!“

Natürlich war das eine nachvollziehbare und erklärbare Reaktion. Sami sah es ja ein. Er wollte auch nicht mit jedem x-Beliebigen seine Probleme besprechen. Und schon gar nicht mit einem tickenden Tachometer im Nacken, das unbarmherzig die Kosten dieser ungefragten Therapieminuten anzeigte.

Also ließ Sami sie gern in dem Glauben, er nähme ihre ausweichende Antwort ernsthaft annehmend zur Kenntnis.  Er fragte für diesen Moment einfach nicht weiter nach.

In der Regel schaltete Sami anschließend das Radio etwas lauter. Gerade soviel, um seinem Fahrgast damit auf die sowieso schon angespannten Nerven zu gehen, aber leise genug, um dessen bald kommende Bitte, es auszumachen nicht zu überhören.

„Können sie das bitte ausmachen?“ Diesmal kam es noch schneller als erwartet. Sami hatte in Gedanken erst bis acht gezählt. Der Durchschnitt heute Abend lag bisher bei 12. Er würde es nachher korrigieren müssen, bevor der neue Fahrgast einstieg.

„Natürlich!“

„Wie lange ist es noch?“ – “ Zwölf Minuten, etwa.“

„Präziser geht´s wohl nicht?!“ Sami schluckte diese eindeutige Provokation. Wohlwissend, dass sie eigentlich nicht ihm persönlich galt.

„Entschuldigen Sie…“

Aha, im Durchschnitt liegend. Sami war mit dem Zählen gerade bei zwei angekommen.

„Ein furchtbarer Tag, heute?“, begann Sami schließlich leise nachfragend.

Jetzt hatten sie die „notwendige persönliche Bindung“ aufgebaut. Der fünfzigjährige Fahrgast hatte wegen seiner forschen Art kurz zuvor ein schlechtes Gewissen und würde daher diese erneute Nachfrage nicht wieder abweisen.

„Der Schlimmste überhaupt, glaube ich.“

Die Ampel war rot, und Sami stoppte den Wagen langsam und gewissenhaft an der durchgestrichenen Linie. Was nun noch fehlte war ein mitfühlender, nachfragender, und den Fahrgast zum Weitersprechen ermutigender Blick. Der Hintensitzende würde ihn sehen, da er bereits jetzt in den vorn hängenden Rückspiegel schaute und darin nach einer Reaktion des Fahrers auf sein Leidensbekenntnis suchte.  Samis Blick traf den des Fünfzigjährigen, als er nun in den kleinen Spiegel und zu ihm nach hinten sah. Er korrigierte die eigentlich optimal passende Einstellung mit einem winzigen Griff an das Glas und signalisierte damit die Bereitschaft, gern zuzuhören.

„Ich bin ganz Ohr!“ , sagten diese Geste und Samis beruhigende dunkle Augen. Noch bevor die Ampel umschaltete, begann der Fünfzigjährige zu erzählen …

Wen würdet ihr gern einmal in Samis Taxi sehen, und in wessen Geschichten als Beobachter und Zuhörer abtauchen?  Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurem kerativen Schaffen heute und den ein oder anderen Fahrgast in Samis Taxi.

Eure Nadin

Speckby, Sami oder eine Form von Schizophrenie – Part 1

Vielleicht hat jeder von uns Schreiberlingen so einen einmaligen Freund namens Sami. Für mich ist Sami mein unerlässlicher Retter in der Not.

Manchmal und das nicht zu selten, lache ich herzhaft, kopfschüttelnd über mich selbst. Vergleichbar mit dem 4-Jährigen, der morgens müde mit dem vernautschten Kuscheltier unter dem Arm den Frühstückstisch gemeinsam mit mir deckt, sind wir als Autoren ganz selten allein.

Der Kleine ist emsig bei der Sache : ein Teller für sich, einen für den Teddy, der auch ganz fürchterlich Hunger hat, und einen für Speckby, den imaginären Freund. Kritisch, bald ängstlich habe ich beim ersten Kind diesen Prozeß beobachtet. Heute bei Kind Nummer drei bin ich deutlich entspannter. Durch ihn angespornt stelle ich noch zwei, drei Teller für die Hauptakteure in meinem neuen Projekt auf dem Tisch dazu. Manchmal reicht der für 8 ausgelegte große Holztisch nicht und wir ziehen ihn kurzerhand gemeinsam für die noch fehlenden, gerade „im Bad zähneputzenden „Freunde““ aus.

Ein einmaliges Schauspiel am Morgen um acht, wenn der Pimpf und ich am vollgedeckten Tisch zu zweit frühstücken. „Was macht Speckby jetzt?“ – „Er trinkt Kakao. Oh, jetzt hat er ganz viel davon verkleckert!“ Der Kleine ist entsetzt. Ich springe auf, hole eilig ein Tuch, bevor das imaginäre Getränk bis auf den braunen Laminatboden tropft.

Speckby, der Freund des Vierjährigen ist in unserem Haus seit zwei Jahren bereits Dauergast. Meine Kaffeetrinker und eingeladenen Gäste wechseln hingegen häufiger. Je nach Projekt bleiben sie eine Weile zur unbezahlten Untermiete, oder stoppen am Abend nur rasch zu einer kurzfristigen Grilleinladung vorbei.

Die einen von uns mögen spätestens an diesem Punkt über Schizophrenie nachdenken, die anderen gratulieren sich zu diesem unerschöpflichen Pool in ihrer Phantasie.

Manchmal, wenn es mir schwerfällt, einen neuen Gast an unserer Tafel zu entdecken, begebe ich mich mit meinem Kumpel Sami auf die Suche nach ihm. Sami ist mein Speckby. Der Retter in der Not. Der Sorgenfresser, stets hilfsbereit und mit unerlässlicher Menschenkenntnis und einem wachsamen Auge gesegnet. Wenn ich die manchmal leeren Gänge meines Kopfes schon unzählige Male erfolglos hinauf und hinab gestiegen bin, steige ich gern ein in sein Taxi und begebe mich mit ihm auf die nächtliche beruhigende Fahrt. Dann steigen sie ein, die Jungen und Alten, die Männer und Frauen, die Kranken und Gesunden. Die Glücklichen, die Traurigen, die Verzweifelten und die Jubelnden.

Während ich schweigend auf dem Beifahrersitz sitze und gebannt zuhörend erfahre, was sie Sami über ihr Leben, ihre Geschichten und ihre Höhen und Tiefen verraten.  Ich bin gespannt, als Zuhörer lauschend, nehme es und ihre Geschichten dankbar in mir auf. Wenn sie dann ankommen am genannten Ziel und ihre Tür sich auf nimmer Wiedersehen öffnet, lade ich sie manchmal auf einen Kaffee mit Speckby zu uns ein. Immer dann, wenn ich glaube und zu wissend bald fühle, dass in ihnen noch mehr steckt, als diese kurze Fahrt bisher verriet.

Wenn ihr grad zweifelt, neue Impulse sucht, einen Anstoss braucht, steigt gern ein mit mir in Samis Taxi und begegnet den vielen wunderbaren Menschen dieser Welt …

… to be continued