On the air…

Erinnerung: Nicht vergessen, heute Abend 🙂 Lyriknacht von Autoren_Netzwerk und Radioplanet Berlin – Autoren Lesen ihre Gedichte Mit dabei: Doreen Malinka, Ellen Wolff, Andrea Riemer Susi Menzel, Walter Zeis, Jens Müller, Paul G. Recke, Helga Götze, Ragnar Guba, Antje Schmidt, Nadin Brunkau, Skye Silva, Chrissy Kromp, Louise Bourbon, Ralf Maul Wer sich das anhören möchte […]

Der Akrobat

Es geht darum, mit der Sprache zu jonglieren, ihrer Herr zu werden, und gleichzeitig mit ihr zusammenarbeiten. 

Mit Worten Bilder zu malen, die im Geist längst existieren, und die wir versuchen, auf dem Papier mit Silben und Wörtern nachzustellen. Je nachdem wie gut uns das gelingt, so zufrieden oder unzufrieden sind wir als Autoren am Ende mit der Geschichte, einem Gedicht oder einem Buch.

Wie vielfältig unsere Sprache ist, wird uns vielleicht in dem Moment des Schreibens erst wieder richtig bewusst. Im Alltag kommen wir mit, übertrieben gesprochen, einer handvoll Wörtern aus, die wir zusätzlich mit unnötigen Füllwörtern strecken. Ungeachtet der Satzanfänge, die sich beliebig wiederholen, legen wir los und beginnen zu berichten.

Aufgeschrieben dagegen, wirkt das alles eher simpel, unattraktiv, vielleicht gar primitiv.

Also jonglieren wir als Schreibende mit den Buchstaben, Silben und Wörtern auf dem imaginären Seil und schaukeln mit den Sätzen kopfüber am Trapez. Welch ein Balanceakt, der Übung braucht, um bald ohne Sicherheitsnetz zu agieren.

Doch wenn es uns gelingt, ist uns der angehaltene Atem der Zuschauer, in diesem Fall der Leser, sicher, die mit offenem Mund unsere Bewegungen beobachten und uns am Ende der gelungenen Vorstellung tosenden Beifall schenken. 

Stadt der Bücher 

Es sind Fahnen, Poster, Banner die nach dem Eintreten in die Messe Frankfurt den langen Weg durch die Gänge und über Rollbänder schmücken. Es sind Bestsellerautoren, die von den überdimensionalen Postern lächeln. Mit ihren neuen Buchtiteln, von denen wir uns fragen, wie sie es schaffen, ein Highlight nach dem anderen in der kurzen Zeit zu schreiben. Darunter der Hinweis auf den Termin der Signierstunde, und während ich bewegungslos auf dem Rollband unter ihnen vorbeigleite, sehe ich vor meinem geistigen Auge die Schlange der Leser die am Autogrammtag auf sie warten. 

Als ich endlich die Halle 3.0, Ziel Selfpublisher Area, erreiche, ruft aus Vernunft das stille Örtchen vor Schichtbeginn. Beidseitige Zugänge zu dieser „Hall of Pipi“ und die langen Schlangen der tippelnden Frauen lassen mir genügend Zeit mich auch hier umzuschauen. Bastei Lübbe hat die Werbeflächen in diesem Separe erworben. Drei neue Buchtitel machen während des Wartens Lust auf mehr und dann keimt er auf, der Wunschgedanke, einmal eines meiner Cover auf einem solchen Banner zu sehen. Er verdrängt den Gedanken daran, wie verpönt es früher war, seinen Namen auf irgendeiner öffentlichen Toilette zu finden. Hier auf der FbM 2016 gäbe es neben mir noch mehr als 1000 Freiwillige für diese Fläche.

Anschließend betrete ich die Halle 3.0. Auf der  Suche nach unserem eigenen Stand der Herzblutwelten, schweifen meine Augen unruhig zwischen den Ständen , Buchcovern, Titeln und Worten hin und her. Es ist faszinierend, eine eigene Welt. 

Hat man manchmal das Gefühl zuhause an seinem Schreibtisch über den eigenen Projekten quasi in einem schalldichten Keller zu sitzen, so tritt man hier quasi das erste mal hinaus und auf die Straße . Hinaus in die Metropole, in der das Leben pulsiert .  In der Wolkenkratzer aus Buchregalen, bestückt mit den Bestsellern und Neuerscheinungen dieses Jahres fast bis an den Hallenhimmel  reichen. Den Kopf in den Nacken gelegt gleitet mein Blick an dieser Bücherfassade empor, während der Mund vor Staunen offensteht. Ich stehe mitten auf der Straße dieser Bücherstadt, mittendrin in dem Rush Hour Verkehr aus Autoren, Verlegern , Vertrieblern, Lektoren, Bloggern, Lesern  und Co., die an mir vorbeirauschen, ein jeder von ihnen mit einem eigenen Ziel.  Stand an Stand reiht sich Haus an Haus in dieser Metropole des Buches in der ich einen Moment fast orientierungslos, unschlüssig stehe.  Anschließend folge ich der grünen Welle, dem Strom der anderen,  von Gang zu Gang, nicht ohne von dieser ambivalenten Faszination ergriffen zu sein: Sie schwankt zwischen Bewunderung, Motivation und dem Gefühl so unscheinbar zu sein.  Dem Wunsch, es eines Tages auch einmal auf so einen Wolkenkratzer zu schaffen , folgt die bange Frage :“ Wie soll mein Buch unter all den Massen an Neuerscheinungen je auffallen?“

Es sind diese Eindrücke , unzählige so schwankend wie wertvoll,  so emotional, die neben den fachlichen und sachlichen Informationen meinen Besuch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zu etwas ganz Besonderem machen. 

Es ist mein Ausflug raus aus dem Keller in die Welt der Literatur. Hinaus aus der einsamen Schreibzelle, die ich ganz selten mit jemandem teile und hinein in die Welt in der Menschen von und mit Büchern leben, direkt an den Punkt an dem die Literatur selbst lebt! 

Ich freue mich über jeden den ich dort getroffen habe und wünsche euch nur das Allerbeste!

Eure Nadin 

Kopflos

„Wie fühlst du dich? “

„Wie ein Vogel der kopfüber in der Regenrinne feststeckt!“

Diese Antwort tatsächlich vor ein paar Tagen von mir ganz semi-altmodisch per SMS versandt, war noch nicht einmal gelogen. Wie der Vogel in die Rinne kam weiss ich nicht mehr, glichen doch die letzten beiden Wochen eher Tagen auf einem vielbefahrenen Bahnhof. Ein Zug fährt ein, ein anderer verlässt den Halt am gegenüberliegenden Gleis, während ich tatenlos auf dem Bahnsteig stehe und ihrem Kommen und Gehen mit geöffnetem Mund folge.

Was sind das für Züge? 

Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse, neben dem Job, Kindern und Haushalt, Messevorbereitungen treffen, Flyer erstellen und drucken lassen sowie die letzten Buchdrucke prüfen. Ein teurer Kampf mit PayPal und 9flats,  weil die erste Zahlung für das Messeappartement mittlerweile in Singapur oder auf den Cayman Island einen neuen Eigentümer hat, während der Vermieter in Frankfurt nach wie vor darauf wartet…

Die wahnwitzige Idee in der nun verbleibenden Woche noch alles Geplante zu schaffen, weicht nach und nach der Gewissheit , dass es unmöglich ist. Der anschließend gekommene Gedanke, dann eben nur die Dinge fertig zumachen die ich schaffe und andere Projekte eben einfach zu vertagen, schafft kurz Linderung ehe er in Verzweiflung kippt.

Für heute stehen trockene Korrektur arbeiten an, die auch unausweichlich HEUTE erledigt werden müssen um das schmale Zeitfenster bis zum Druck und der Bestellung auf den letzten Drücker noch zu erwischen, ehe es sich dann mit einem lauten Zischen für immer schließt. 

Nun mag man sich manchmal im Nachgang fragen, warum denn immer alles so hektisch und im letzten Moment geschieht. Zu sagen „ich weiss es nicht“, wäre ehrlich und gleichzeitig gelogen, immerhin kenne ich das von früheren Situationen zur Genüge.  (Auch vor dem Abitur habe ich quasi jahrelang gewusst, dass der Zeitpunkt irgendwann kommt und doch war es mit dem Lernen am Ende eng;):))

Num wusste ich auch seit dem Sommer von meiner Teilnahme an der Fbm . Am Anfang haben mich die Fertigstellung des Romans und zwei weitere ehrgeizige Objekte regelrecht in eine Art Lethargie gestürzt. Vielleicht kennt ihr dieses Phänomen,  das mit dem Wachsen der ToDu Liste eine gewisse Art von Unfähigkeit, Lethargie einhergeht? Fast war ich manche Tage gar nicht in der Lage, mich an den Schreibtisch zu setzen, sondern habe Küchenschränke sortiert oder die mehreren hundert Bücher umfassenden Regale im Wohnzimmer von a nach b verschoben. Diese „Ausweichaktivitäten“, zu neudeutsch „Übersprungshandlungen“ haben dem viel zu vollen Kopf kurzfristig Linderung versprochen. Wie absurd, immerhin ist doch durch das Erfüllen dieser Arbeit nicht ein Punkt auf der drängenden „für die Messe noch zu erledigenden “ Liste gewichen. 

So ist es auch heute Morgen, kurz nach vier, und ich kämpfe gegen den Impuls heute die 42qm große Holzdecke im Wohnzimmer zu streichen, nur um nicht an den Schreibtisch zu gehen. Wohlweislich habe ich die Kellertür zur Werkbank bereits geschlossen und den Powerknopf am PC bereits gedrückt. 

In diesem Sinne wünsche ich euch gutes Gelingen bei all euren Vorhaben heute und grüße euch ganz herzlich aus der Regenrinne, eure Nadin 

Wie die Zeit vergeht …

​Ein Jahr ist es her … Zeit, Danke zu sagen für all jene, die mich auf diesem Weg des Schreibens begleiten!   Daaanke🌻
7. Oktober 2015

WENN WORTE ZU GESCHICHTEN WERDEN…

Wenn Worte zu Geschichten werden, tauchen wir ab in die fremde und uns doch eigene Welt, in der wir bekannten Wesen begegnen, Schutz suchen vor fremden Mächten oder unbekannten, nie gesehenen Kreaturen.

Mal sind es Erfahrungen, Wünsche oder Träume. Ein anderes Mal vielleicht Ängste,  Gehörtes oder Sorgen die uns beim Schreiben antreiben. Ihnen allen ist gemeinsam, dass wir sie scheinbar objektiv aus der Erzählperspektive betrachten und manchmal sogar noch selbst beim Aufschreiben etwas über sie und uns lernen.

Finden wir morgen einen unserer Protagonisten in einer Situation wieder, in der wir im wahren Leben so oder anders entscheiden würden, lassen wir ihm vielleicht einmal freie Hand und beobachten mit angehalten Atem seinen Gang und seine Erfahrungen, die uns bisher verwehrt blieben .
Manchmal sind es Erfahrungen die wir auch nie teilen möchten, spiegeln sie doch unsere ureigenen Ängste, Verlust oder Schmerz, den wir glauben nicht ertragen zu können.

Dann bleibt uns als Autor nichts anderes übrig als ihnen zu folgen, sie zu begleiten und nicht länger über den anderen, leichteren Weg nachzudenken oder zu hadern.

Wir tragen sie sicher auf den Flügeln unserer Worte und betten  sie nach ihrem Kampf friedvoll und geborgen in der Geschichte.

Wir tragen die Verantwortung für jedes geschriebene Wort. Nicht nur für uns,  die spielenden Personen  sondern auch für den Leser.

Vielleicht spiegelt er doch die eine oder andere Situation für sich, so zeigen ihm unsere Akteure Möglichkeiten oder Wege sie zu bestreiten.

Er hat die Wahl, sie als Feiglinge abzustempeln, den Weg als richtig oder falsch anzusehen oder sie als Vorbild zur Bewältigung manch kommender Krise zu nehmen.

Ein jeder mag die gleiche Person in der Geschichte anders deuten. Kommt es doch auf des Lesers persönliche Situation und seinen Blickwinkel an. So wie wir uns aus einer Handvoll Hauptakteuren immer denjenigen picken, der uns persönlich am nähsten  steht oder der uns mit seiner Handlungsweise anspricht. Das kann für den einen der Held, für jemand anderen der vermeintlich Schwächere sein. Für einen Dritten wieder jemand ganz anderes.

Sie fühlen dann mit ihm, beobachten aufmerksam seine Reise durch das Dickicht der Gefühle und Situationen innerhalb der Geschichte.

Fast werden die beiden beim Lesen eins.  Bald hört man den Leser seinem Protagonisten einen Ratschlag zurufen, dann sieht man sein Kopfschütteln über die vermeintlich falsch getroffene Entscheidung, wenn der Leser entsetzt den schweren Atem anhält.

Wir hören das Aufatmen über den Seiten, wenn es am Ende dann doch noch einmal gut ausgeht.

Dieses Symbiose zwischen dem Akteur und dem Leser ist das, was man gemeinhin als „Lesererlebnis“ bezeichnet.  Das identifizieren,  das Mitfiebern und Mitfühlen des Lesenden,  das die Buchstabenmenschen fast Wirklichkeit werden lässt.

Dann, wenn sie unseren Lesern im Traum erscheinen. Manchmal bei Nacht oder vielleicht auch mit geöffneten Augen am Tag.

Dann können wir als Schreiberling stolz behaupten „wir haben alles richtig gemacht und die kalten leeren Seiten mit den Buchstaben und Worten zum Leben erweckt“.

Hesse vs. Eminem

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Wie entspannend ist es heute Morgen endlich einmal wieder zu schreiben nach  mehr als zwei Wochen Abstinenz. Tatsächlich habe ich gar nichts getan, was mit meinem Hobby oder der Leidenschaft dafür einhergeht. Ein wenig hat es sich angefühlt wie amputiert, verkrüppelt,  unfertig, als ob EIN nicht unerheblicher Teil fehlt.

In den wenigen freien Minuten habe ich sehnsüchtig den „Demian“ von H.Hesse noch einmal gelesen. Ich tue das gern, wenn für alles die Zeit oder Muse fehlt; dann nehme ich sie hin und wieder aus dem Bücherregal.  Sie, das sind die sogenannten Klassiker, die ich bereits mehr als einmal gelesen habe. Deren Geschichte mir längst so vertraut ist, dass sie mir keine Überraschungen mehr verspricht. Ich lese dann „nur“ um mich an den Worten, den Sätzen und der Sprache zu erfreuen. Nicht selten verharre ich nach einem Absatz,  und zu neudeutsch würde ein „wow“ durch meinen Kopf hallen, wenn er nicht so sprachlos und gänzlich leer wäre. (Was nebenbei gesagt gar keine schlechte Voraussetzung zum Lesen ist.)

Ich tauche dann ein in die Sprache des Autors. Jetzt ausgesprochen oder aufgeschrieben klingt es fast schwülstig, doch es trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist in diesem Fall tatsächlich so,  dass mich weniger die bekannte Handlung als der Erzählstil durch die Geschichte trägt. Vielleicht bin in gar ein „Wort-Fetischist“:
Ein „Sätze-Liebhaber“, der sich an dem geschriebenen Wort ergötzt. An  der Macht und Magie, die sie haben können, wenn sie Bilder in unserem Kopf malen und unser Herz mitfühlen lassen.

Daneben habe ich in den  letzten Jahren auch so viele Bücher gelesen, die mit vergleichsweise „einfacher Sprache “ die Handlung absolut spannungsbogengetreu vorantreiben. Und doch habe ich für mich gemerkt, dass ich angefangen habe flüchtiger zu lesen. Das Querlesen der Seite reichte gar bei manchen Büchern aus, um den Inhalt der kurzen Sätze zu erfassen.

Ich sage das wirklich ohne Wertung, das ist ganz wichtig!
Denn Literatur ist ähnlich wie alle anderen Künste, Musik und Malerei eingenommen, ganz einfach und schlichtweg: Geschmackssache.

Gehen Sie doch einmal mit vier verschiedenen Menschen in die Kunsthalle und mindestens drei von ihnen bleiben jeder vor einem anderen Bild stehen. Manch einer mag die abstrakte Darstellung,  die ihm viel Spielraum für die eigene Phantasie lässt, wohingegen ein anderer mit offenstehendem Mund vor einem einer Fotografie gleichenden Stilleben innehält. Er bewundert die feinsten Farbnuancen, die minimalen Abstufungen und das Spiel vonLicht und Schatten…

So ist und bleibt die „Literatur“, nicht umsonst im Lexikon als „Kunstform“ bezeichnet, auch immer verbunden mit dem altbekannten Ausspruch: „Kunst liegt im Auge des Betrachters“, oder in unserem Fall: im Auge und Herzen des Lesers .
Die Leser, die so zahlreich und verschieden wie wir Autoren selbst sind; ein Umstand, an dem wir uns erfreuen sollten.
Ein Dürer würde nie malen wie ein Picasso und aus einem Rembrandt wird auch kein van Gogh mehr. Und doch hat ein jeder von ihnen seinen eigenen Platz in der Kunstgeschichte gefunden, deren Vielfältigkeit nur zu bewundern ist.
Ob wir als Schreiberling nun eher zu der einen oder anderen Epoche, Stilrichtung gehören liegt wohl einzig in unserer Natur. Also versuchen wir uns nicht zu verbiegen oder unseren Stil zu ändern, ist er doch das, was unseren Wiedererkennungswert ausmacht.
Wie irritiert wären wir, wenn aus Whitney Houstons Mund Tracy Chapmans Töne kämen oder aus einem Pavarotti plötzlich ein Eminem wird.

In diesem Sinne, ein Hoch auf die Vielfältigkeit der Literatur und schön, dass es jeden einzelnen von euch gibt!