Da ist einfach die Luft raus …

…bei diesen Temperaturen.

Es ist einer dieser Tage an denen der schwitzende Kopf mit dem Körper eins zu werden droht. Sich Männlein und Weiblein jedweden Alters fühlen, als steckten sie mittendrin im Klimaterium. Meint man doch, dass mit all den fließenden unangenehmen Schweißperlen auch ein Stück der körpergebenden Marterie ihren angestammten Platz verläßt.

Jetzt um knapp 17.42 Uhr schaue ich dankbar den am Himmel aufziehenden Wolken entgegen. Erscheinen sie doch als Retter in der Not. Meine letzte Rettung, um mich nicht gänzlich aufzulösen und in ein bis zwei Stunden nur noch ein 42 Zentimeter hoher nasser Haufen zu sein.

Die Tinte auf dem Block trocknet aus Verzweiflung auch gar nicht mehr. Der feuchte, über das Blatt gleitende Handrücken hinterläßt, gepaart mit der schwarzen Tinte unansehnliche Flecken auf dem Papier. Ein Seufzen, ein Fluchen, ein säuberndes Wischen macht alles nur noch schlimmer an diesem schier nicht aushaltbaren Sommertag.

Der Kreislauf schwächelt. Hin und wieder geraten wir in Versuchung einfach umzufallen. Lediglich die zahllosen Wespen an diesem Tag halten unseren Geist und Körper auf Trab. Sie fordern mit ihrem Summen, ihrem kamikazegleichen Flug direkt auf uns unsere volle Aufmerksamkeit. Allzeit bereit hektisch und laut kreischend aufzuspringen, ignorieren wir die anderen körperlichen Ausfallerscheinungen.

Die Sonne scheint noch immer unnachgiebig. Die vorbeigezogene Wolke war auf jeden Fall viel zu klein. Die zarten Tropfen auf der Stirn rinnen unaufhaltsam tiefer bis sie sich mit einem unangenehmen Brennen in den Augen und ihrer schützenden Höhle sammeln.

Der Block liegt angefangen, leer auf dem Tisch. Unmöglich bei den knapp 40 Grad Celsius auch nur einen geeigneten und sinnvollen Gedanken zu fassen.  Entschieden werden neue Ideen aus Mangel an klaren, formulierbaren Sätzen beiseite geschoben. Ist doch das einzige, was grammatikalisch und stilistisch richtig aus unserem Kopf und den Mündern dringt: „HEIß!“

Also hole ich eine angefangene Kurzgeschichte für die kommende Anthologie des Netzwerkes heraus. Für Korrekturen, meine ich, sollte das schmelzende Hirn unter dem Haar doch noch reichen.

Weit gefehlt! Selbst die bereits geschriebenen Worte bleiben nicht hängen. Hängen in dem Kopf, aus dem sie selbst einmal kamen. Sie wirken falsch, bald zusammenhanglos. Auch die Druckertinte scheint sich, nach kurzer Zeit auf dem Gartentisch, auf dem umweltschonenden Papier wieder zu verflüssigen.

Wieder eine Wespe – die 124. in dieser Stunde. Nach dem erneuten Aufspringen, lasse ich den Tintenfüller bei diesen deprimierenden Aussichten zu.

Der nächste Blog folgt wieder in den frühen Morgenstunden, idealerweise bevor die Sonne aufgeht. So wird das hier heute auf jeden Fall nichts.

Ich wünsche euch heute an diesem unsagbar heißen Mittwoch eine erfrischende, kühle Brise für Körper und Geist. Eine Bademöglichkeit gleich in der Nähe und ein prickelndes, kühlendes Getränk nur eine Handlänge von euch entfernt!

Fühlt euch gegrüßt, eure Nadin

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Juni im Juli … oder der gerippte Brachkäfer

2015-07-08 19.12.50Es sind diese milden, warmen Sommerabende auf die wir seit Monaten, eigentlich seit  dem Frühlingsbeginn, sehnsüchtig warten. Nach der Hitze des Tages fiebern wir nun dem Untergang der immer noch gnadenlos brennenden Sonne entgegen.

Wir haben die Augen zusammengenkiffen, wohlwissend, dass wir damit unsere wachsenden Augenfältchen unnachgiebig nähren und beneiden die Freunde um ihren entspannten Gesichtsausdruck hinter den dunklen Sonnenbrillengläsern, in denen wir uns bei jedem Wort selbst spiegeln.  Wir blinzeln unter dem, wie immer dem falschen Platz Schatten spendenden Sonnenschirm hindurch und wägen zaghaft ab, wie viele Minuten der Blindheit es noch sind, ehe die Abendsonne hinter den letzten Häusern versinkt.

Die Eiswürfel tanzen in dem handgeschliffenen kristallenen Weißweinschorleglas, und die beiden weißen Schmetterlinge tun es ihnen, in der Luft umeinander werbend, gleich. Zwei mutige, unermüdliche Spatzen freuen sich über das am Terrassenboden reichhaltig gedeckte Buffet aus Kekskrümeln, Grillresten und sonstigen Leckereien. Sie atmen mit vollem Bauch nach einer Erfrischung in dem mit frischem Wasser gefüllten Hundenapf beseelt auf.

Wir sitzen entspannt, die leicht gebräunten Arme und Beine weit von uns gestreckt und schauen uns in der kleinen Runde und dem wilden Garten um. Das blaue Planschbecken steht verwaist, vor Erschöpfung japsend, nach der Invasion der freudig quietschenden Kinder auf dem von der Sonne angesenkten Rasen. Die danebenstehende Hortensie hält die schweren lilablühenden Köpfe, leicht wippend vom letzten heruntertropfenden Planschwasser, mühsam aber erfolgreich und stolz in die Höhe gereckt.

Dann ein wiziges kleines, dennoch kühlendes und belebendes Lüftchen. Ein Aufatmen -Luft- das grüne hohe Schilfgras stimmt entspannt mit einem beruhigenden Rascheln ein.

Fast hätten wir es verpasst, doch bei einem Aufschauen sehen wir die Sonne hinter dem letzten roten Giebeldach versinken. Die zusammengekniffenen müden Augen können sich entspannen, als die der Helligkeit geschuldeten Tränen endlich aus ihnen weichen.

Ein Farbenspiel am Himmel aus blau, weiß mit rot und gelb. Wir tauchen hinab oder fliegen hinauf. Lassen uns mitnehmen auf diese einmalige Reise. Zu den unendlichen Formen dort oben am Rande des Abendhimmels. Aufgetürmt zu Bergen, andere wiederum klein und zaghaft fließend, ziehen die Wolken vor uns und am dunkler werdenden Horizont vorbei.

Ein Blick in die Runde, ein Prosit, ein Lächeln. Ein wunderbarer Tag neigt sich dem entspannenden Ende.

Der Abend schreitet weiter voran, der Tag wird unaufhaltsam zum „Gestern“, während wir uns zurücklehnen und die Unzulänglichkeiten des vergangenen Tages verbannen.  „Das hat nicht geklappt – … das war die Mühe nicht wert – … das dauert zu lange- … der Aufwand ist dieses Ergebnis nicht wert- …“   Wer kennt sie nicht, diese quälenden Gedanken danach, wenn es uns schwerfällt, manchmal in allem etwas Positives zu sehen. Dann wenn wir so sitzen und den Tag, die Gedanken gemeinsam mit den vorbeiziehenden Wolken am Himmel Revue passieren lassen.

Wir schmieden neue, ambitionierte, uns auf Morgen freuende Pläne.  Einmal im Gespräch verstummt spüren wir sie. Die Dunkelheit mit all unseren SInnen. Die eben noch regen, zwitschernden Vögel waren uns schon lange voraus, sie schweigen in der meterhohen grünen Hecke. Im Garten herrscht jetzt mit Einbruch der Dunkelheit tierische Stille.

Dann kommen sie. Erst einer, dann zwei und bald immer mehr. Ein unzähliges Brummen, Summen und Flattern erfüllt voranschreitende Dämmerung. Wir hören sie noch ehe wir sie am dunkler werdenden Abendhimmel sehen. Diese, unsere abendlichen Besucher, die uns vom endlich gekommenen Sommer künden: die zahlreichen Junikäfer, heute Abend im Juli.

Wir beobachten sie, ihren kleinen hektischen Flügelschlag. Wie sie fliegen, mancheiner scheinbar orientierungslos, wirken sie bald ziellos wenn sie sich uns viel zu schnell und beinahe furchtlos nähern.

Ein Aufschrei der Frauen, eines der aufgeregt brummenden Tierchen hängt erbarmungslos verheddert im offenen blonden Haar. Sein Freund fliegt ungebremst und fast kamikazegleich immer wieder an die gleiche Stelle der Hauswand, wenige Meter über der Brünetten. Wir beobachten sie, versuchen sie alle mit unseren, zugegeben wachsamen und aufsprungbereiten Augen zu erfassen, während sie diesen Flug genießen, nach diesem Tag im verborgenen Dunkeln. Sie summen, sie tanzen, sie schwirren aus. Auf der Suche nach dem Leben, erlöst von ihrer bald unendlichen Zeit des Wachsens. Zwei lange Jahre lagen die Eier untdeckt im Boden vergraben, erst im dritten Jahr verpuppten sie sich.

Wir neigen den müden, mittlerweile schweren Kopf und beobachten diesen lebensbejahenden Flug, auf den die brummenden Bräunlinge vier endlose Jahre gewartet haben. Sie schwirren wohlwissend, dass sie nur diese ein oder zwei Monate haben, ehe sie ihrerseits die Eier ablegen und damit der Kreislauf des Junikäferlebens von Neuem beginnt.

Spätestens jetzt sollten wir nicht länger über Vergangenes hadern, über „hätte- wäre- wenn- und – kann“, und darüber, wie lange etwas dauert oder eben auch nicht.

Ein Prosit auf das Leben, ein Lächeln im Brummen und Summen, mit Freunden im sanften Kerzenlicht. Prosten wir uns zu auf das Leben. Auf das „Gestern“ , das vorhin noch „heute“ war und auf das „Morgen“, das in ein paar Stunden schon „Heute“ ist, versprechend und wohlgemut, jeden einzelnen Augenblick davon zu genießen.