Tageslichtdisplay, Winterfellwuchs oder der Herbst beginnt

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Es ist einer dieser Tage an denen das Wohnzimmer trotz der auf der Uhr empirisch bewiesenen Uhrzeit von 10.00 h im Dunkeln liegt. Die Stehlampen erhellen mit ihrem stimmungsvollen Licht den großen Raum mehr mit Stimmung denn wirklich mit Licht.
Unserem Körper wird zu dieser grauen Stunde vorgegaukelt, wir hätten uns grandios in der Uhrzeit vertan und es folgt prompt ein fast den Kiefer ausränkendes Gähnen.
Der Cursor auf dem Laptop blinkt erwartungsvoll auf die kommende Bewegung, während wir mit dem leeren Geist aus dem großen Fenster auf das einheitliche Grau draußen starren.
Wir, das bin ich und der alle Symptome eines Vitamin-D Mangels zeigende Körper an mir.
Noch eine Tasse Kaffee, als könnten wir das meteorologisch ausgelöste Tief damit wegtrinken.
Selbst der lange Spaziergang mit dem Hund heute Morgen hat nur kurzfristig die Lebensgeister angeschubst. Erschreckt stellen wir fest, dass sie sich schon wieder in die kuschelig  warme Ecke, gleich neben den brennenden Kamin zurückgezogen haben. In Decken eingekuschelt haben sie die Augen geschlossen und dösen schläfrig vor sich hin.
Ein Seufzen. Es hilft ja nichts dem vergangenen Sommer hinterherzujammern,  zumal die richtig dunklen Monate erst noch vor uns liegen.
Auch meine Gedanken schweifen ab von dem eintönigen Korrekturthema am neuen Manuskript, und ich wundere mich warum, bei all diesen klugen Köpfen in diesem Land , noch niemand erschwinglich käuflich ein Display mit Tageslicht-Therapie entwickelt hat.  Für all die vielen von uns, die Stunden am Tag oder bei Nacht immer müder werdend vor den erleuchteten Bildschirmen sitzen. Vielleicht gäbe es dann beim Erwerb eines Pc’s oder Laptops mit Tageslichtdisplay sogar einen Zuschuss der knausrigen Krankenkassen.  Immerhin würden teure  rezeptpflichtige  Stunden der Lichttherapie damit der Vergangenheit angehören.
Leider fehlt mir das nötige technische know how und ich dachte der Platz des Schreibtisches am Fenster könnte sie ersetzen…Doch außen grau, macht innen grau und selbst der Versuch der Einbildung, dass die Strahlung aus meinem Laptop belebend wirkt, wird mit einem weiteren Gähnen abgeschmettert.
Ein Griff an den zerzausten Kopf, als die Gedanken an den Siebenschläfer mich in die Realität zurückholen. Gestern im Radio haben sie gesagt, dass das gute Tier bis zu 11,4 Monate des Jahres verschläft!
Ich gähne erneut und beneide es in dem Moment, wohlwissend, dass mir nicht ein Bruchteil davon vergönnt sein wird.
Dafür scheinen die  kurzen Haare seit den dunklen Tagen schneller zu wachsen. Von einem Besuch beim Friseur kann schon seit Wochen oder Monaten keine Rede mehr sein.
Ein Überbleibsel der Evolution, wie ich mir nun denke, und schiebe die Strähnen unkontrolliert von rechts nach links und wieder zurück. Als ein Relikt aus der Zeit, als wir alle noch Tiere waren scheint sich mein Haarwuchs an die dunklen, kalten Tage anzupassen.  Winterfellähnlich werden sie dichter und unbändig, während sie wachsen und wachsen, an Frisur verlieren.
Der Gedanke an den Friseur weicht den dann frierenden Ohren: Über den Winter wird nichts, was nicht zwingend notwendig ist, freigelegt.
Notwendig sind und bleiben nur die Augen während sie müde auf den immer noch blinkenden Cursor starren.
Die Hände kramen sich aus dem Winterfell auf dem Kopf und legen sich erschöpft von der Bewegung neben die Tastatur.
Ein Schubser von innen, noch ein Schluck vom warmen Kaffee.
Als der PC in den Ruhemodus gleitet ein sehnsüchtiger Gedanke an den Siebenschläfer.
Ein Seufzen, ein Aufsetzen, auf dem Display wird wieder Licht. Die Korrektur kann nicht warten- also, frisch ans Werk.

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Der wortlose Abschied vom Abschied

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Fast ist es ein wenig wie sich vor dem Abschied drücken. Den Zeitpunkt des Aufbruchs und des „Adieu“-Sagens immer wieder aufzuschieben.

So oft hatte ich heute Morgen schon den Block mit der Überschrift „Teil 3“ in der Hand. Lange darauf geschaut und mich dann doch für etwas Anderes entschieden.
Es ist bald so, als käme ich an das Finale für mein Manuskript nicht heran. Was nicht daran liegt, dass ich nicht wüsste, wie es weitergehen soll.
Dieser letzte Teil so glaube ich, ist wohl der einzige Teil von dem ich schon im Vorfeld weiß,  was geschehen soll und wie das Ende aussieht.
An die anderen beiden,  die bisher noch ein gemeinsamer Teil 1 sind , bin ich eher improvisierend  ans Werk gegangen. Bis auf eine grobe Richtung im Kopf, wohin die Reise der Protagonisten gehen soll, habe ich ihnen viel Freiraum gelassen um sich zu entwickeln. Sie hin und wieder eingefangen, wenn ich das Gefühl hatte es geht mit ihnen durch. Sie dann auf die „Bank der Ruhe“ gesetzt und die „Bühne“ mit jemand anderem gefüllt, bis ich wusste, wie es mit ihnen weitergeht.

Nun liegt es an mir, ihnen ein Ende zuzuschreiben. Ihre Entwicklung an diesem Punkt zu unterbrechen und zu manifestieren.
Vielleicht ist das auch einer der Gründe,  weshalb es so viele Fortsetzungsromane gibt: weil der Autor sich von seinen Figuren einfach nicht trennen kann oder will.
Vielleicht sollte ich mein Ende auch offen gestalten, und ihnen und mir damit die Möglichkeit geben, weiter zu gehen und an sich zu arbeiten.
Allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher,  ob das zum Verlauf der bisher 80.000 Worte passt oder ein „richtiges “ Ende unausweichlich, da realistischer erscheint.

Womöglich ist das auch der Grund, weshalb ich so um den Block herumschleiche. 
Es verbindet sich die Angst vor dem Abschied mit jener Angst, den acht Personen das für sie passende Ende zuzuweisen.
Mich hier jetzt nicht zu irren, ihnen in ihrer Entwicklung treu zu bleiben, und mich dabei ganz langsam aber sicher persönlich von ihnen zu entfernen.

Die „Rum-Fort-Methode“

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Das Schreiben über das Schreiben  entspannt förmlich meinen Geist. Ich habe das immer wieder zwischendurch bei einem kräfteraubenden Projekt. Immer dann, wenn es mir schwerfällt wieder Bezug zu meinem eigenen Manuskript zu bekommen, schiebe ich ein paar Tage des gedankenlosen Schreibens ein.
Gar nichts zu schreiben ist in solchen Phasen keine Option für mich. Juckt es mich doch in den Fingern, wenn ich einen Block und den Stift nur sehe.
Oft lasse ich dann den Gedanken einfach fließen und schreibe all das lose, manchmal unzusammenhängende und sich häufig wiederholende Wortgetümmel in meinem Kopf einfach auf.
Ein bisschen ist es, wie Luft ablassen aus dem viel zu vollen und überfüllten Kopf.
Manch anderer mag dann Joggen,  Musik hören oder bei der Figur des „Hundes“ im Yoga ganz bewusst atmen.
Mein „Sonnengruß“ ist dieses fließende Schreibritual, dass ich sicher aus Ermangelung an Ausdauer fürs Laufen und Ungelenkigkeit für Yoga viel leichter hinbekomme.
Es ist der Moment, in dem „m“s  wieder zu „m“s werden, weil der Kugelschreiber keinem schnellen, allzuflüchtigen Gedanken folgen muss. Der Moment, wenn ich mit einem kurzen Blick auf die Seiten feststelle, das mein Schriftbild , wie bisher angenommen, doch nicht das Allerschlechte ist.

Diese Aufschriebe, die dann zugegeben  ungelesen in einen dicken roten Ordner wandern, von denen ich nicht weiß, ob ich sie je wieder daraus hervorholen werde.

Es gleicht diesem „Rum-Fort-Topf“ in der Küche, in dem alle Reste die Rumstanden an einem Tag Fortmussten.

So ist es auch mit diesen fliegenden Gedanken, während der gleichmäßige Atem beim Aufschreiben mich zur Ruhe kommen läßt. So wandern die Gedanken,  die vorher unbewusst herumspukten und so viel Platz im Kopf einnahmen auf das geduldig auf sie wartende weiße Papier.
Nach diesen paar Tagen wirkt der Kopf wieder freier und neue kreative Ideen beginnen sich zu bilden. Sie lassen sich bündeln,  bearbeiten und verwirken bis der Speicherplatz irgendwann wieder an seine Grenzen stößt. 
Dann wenn ich weiß,  es ist wieder Zeit für einige dieser „Rum-Fort-Blätter“.

In dem roten, sie beherbergenden Ordner ist noch Platz und vielleicht sind sie einmal sogar die Rettung, wenn sich irgendwann einmal weder ein „Rum-Fort“,  noch ein brauchbarer Gedanke in meinem Kopf zeigen.
Ich weiss es nicht, denn ich habe sie nie wieder gelesen: diese „Rum-Fort-Blätter“, vielleicht aus Angst , sie seien wie ein Boomerang.

Zwischen den Zeilen lesen

20150824_074349Immer dann, wenn die Worte die wir selbst einmal aufgeschrieben haben uns plötzlich wirr und zusammenhanglos erscheinen, fangen wir an zwischen den eigenen Zeilen zu lesen. Ich habe nicht geglaubt, dass es sowas wirklich gibt… aber es passiert tatsächlich, und das nicht mal so selten.

Irgendwo war er doch, der Gedanke, der uns antrieb das Alles aufzuschreiben. Eine Botschaft in uns, die wir versuchten zu bannen.

Vielleicht kam der zu schnelle Gedanke zu schnell für die, den Kugelschreiber haltende Hand?

Vielleicht war er aber auch noch gar nicht zu Ende gedacht und das nun entstandenene Wirrwarr auf dem Blatt, nur der Zeuge von den vielen rastlosen Gedankensprüngen in unserem Kopf?

Wenn wir dann beim Schreiben meinen, etwas gut Gelungenes festgehalten zu haben und uns dann stolz die Leseprobe laut selbst präsentieren, straucheln wir nicht nur über die fehlenden notwendigen Satzglieder im Text. Nichts ist mehr da, von der Idee die uns ursprünglich trieb, obwohl die massenhaften Wörter auf dem weißen Papier etwas anderes suggerieren.

Dann versuchen wir uns vielleicht mit etwas Abstand dem Text erneut zu nähern und blenden das eigene anhaltende Kopfschütteln über dieses Ergebnis mutig aus…

Früher landeten solche Ergüsse regelmäßig im Mülleimer. Wenn gar nichts mehr zu retten ist, tut es der ein oder andere heute auch. Immer dann wenn ich mich auf die Spurensuche begeben habe – auf die Suche, Indianer Jones gleich- nach dem ursprünglichen Gedanken darin.

Ein Gedanke, der sich manchmal zwischen den Zeilen wieder zeigt. Manchmal schwach, nur kurz – den ich dann aber fasse. Ihn krampfhaft halte, versuche ihn nicht mehr zu verlieren und mit neuen Worten ein weiteres Mal zu bannen.

Manchmal gelingt dieses Kunststück – aber manchmal eben auch nicht.

Dann fühle ich mich in die Deutschstunden meiner Jugendtage zurückversetzt, zurück zu den immer wieder aufgetretenen dringenden Fragen : „Was will uns der Autor denn damit sagen?“

Um die Erkenntnis von heute reicher geworden,bin ich mir fast sicher, dass ich damals nicht immer verkehrt lag, wenn ich manchmal dunkel ahnte : „Das wußte der Schreiberling vielleicht selbst manchmal nicht mehr!“