Kopflos

„Wie fühlst du dich? “

„Wie ein Vogel der kopfüber in der Regenrinne feststeckt!“

Diese Antwort tatsächlich vor ein paar Tagen von mir ganz semi-altmodisch per SMS versandt, war noch nicht einmal gelogen. Wie der Vogel in die Rinne kam weiss ich nicht mehr, glichen doch die letzten beiden Wochen eher Tagen auf einem vielbefahrenen Bahnhof. Ein Zug fährt ein, ein anderer verlässt den Halt am gegenüberliegenden Gleis, während ich tatenlos auf dem Bahnsteig stehe und ihrem Kommen und Gehen mit geöffnetem Mund folge.

Was sind das für Züge? 

Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse, neben dem Job, Kindern und Haushalt, Messevorbereitungen treffen, Flyer erstellen und drucken lassen sowie die letzten Buchdrucke prüfen. Ein teurer Kampf mit PayPal und 9flats,  weil die erste Zahlung für das Messeappartement mittlerweile in Singapur oder auf den Cayman Island einen neuen Eigentümer hat, während der Vermieter in Frankfurt nach wie vor darauf wartet…

Die wahnwitzige Idee in der nun verbleibenden Woche noch alles Geplante zu schaffen, weicht nach und nach der Gewissheit , dass es unmöglich ist. Der anschließend gekommene Gedanke, dann eben nur die Dinge fertig zumachen die ich schaffe und andere Projekte eben einfach zu vertagen, schafft kurz Linderung ehe er in Verzweiflung kippt.

Für heute stehen trockene Korrektur arbeiten an, die auch unausweichlich HEUTE erledigt werden müssen um das schmale Zeitfenster bis zum Druck und der Bestellung auf den letzten Drücker noch zu erwischen, ehe es sich dann mit einem lauten Zischen für immer schließt. 

Nun mag man sich manchmal im Nachgang fragen, warum denn immer alles so hektisch und im letzten Moment geschieht. Zu sagen „ich weiss es nicht“, wäre ehrlich und gleichzeitig gelogen, immerhin kenne ich das von früheren Situationen zur Genüge.  (Auch vor dem Abitur habe ich quasi jahrelang gewusst, dass der Zeitpunkt irgendwann kommt und doch war es mit dem Lernen am Ende eng;):))

Num wusste ich auch seit dem Sommer von meiner Teilnahme an der Fbm . Am Anfang haben mich die Fertigstellung des Romans und zwei weitere ehrgeizige Objekte regelrecht in eine Art Lethargie gestürzt. Vielleicht kennt ihr dieses Phänomen,  das mit dem Wachsen der ToDu Liste eine gewisse Art von Unfähigkeit, Lethargie einhergeht? Fast war ich manche Tage gar nicht in der Lage, mich an den Schreibtisch zu setzen, sondern habe Küchenschränke sortiert oder die mehreren hundert Bücher umfassenden Regale im Wohnzimmer von a nach b verschoben. Diese „Ausweichaktivitäten“, zu neudeutsch „Übersprungshandlungen“ haben dem viel zu vollen Kopf kurzfristig Linderung versprochen. Wie absurd, immerhin ist doch durch das Erfüllen dieser Arbeit nicht ein Punkt auf der drängenden „für die Messe noch zu erledigenden “ Liste gewichen. 

So ist es auch heute Morgen, kurz nach vier, und ich kämpfe gegen den Impuls heute die 42qm große Holzdecke im Wohnzimmer zu streichen, nur um nicht an den Schreibtisch zu gehen. Wohlweislich habe ich die Kellertür zur Werkbank bereits geschlossen und den Powerknopf am PC bereits gedrückt. 

In diesem Sinne wünsche ich euch gutes Gelingen bei all euren Vorhaben heute und grüße euch ganz herzlich aus der Regenrinne, eure Nadin 

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