Frohe Ostern …

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Schon als Kind war Ostern mein Lieblingsfest im Reigen der Feiertage unterm Jahr. Ich mochte den Duft der ersten Frühlingsblüher, die bunten Blüten nach dem viel zu langen Winter. Die ersten Sonnenstrahlen, die auf der Nase kitzelten und die Sommersprossen aus dem Winterschlaf erweckten. Die aufgeblasenen Augen und Wangen meiner Mutter, wenn sie die, später für den Osterstrauss anzumalenden Eier ausblies.

Noch heute sehe ich das Tor zu unserem Schrebergarten vor mir. Gusseisern unter dem wohlgeschnittenen Bogen der immergrünen Ligusterhecke.
Den freudestrahlenden Blick meiner Eltern, die wahrscheinlich noch immer innerlich nach Luft japsten, immerhin hatte einer/eine von ihnen den langen Weg mit dem Rad zum Garten in diesen frühen Morgenstunden bereits ein zweites Mal zurückgelegt.
Das geflochtene Körbchen schaukelte leer und aufgeregt in der Hand meiner Mutter. Nein, reinstürmen gab es nicht, gemeinsam schritten wir durch den Heckenbogen. Der Korb wartete gespannt auf den Startschuss wie ich.
„Frohe Ostern“, ein Küsschen, ein Jauchzen und dann endlich die Übergabe des Körbchens an mich. Es war der Startschuss mit der imaginären  Osterpistole. Während des Wartens hatte ich heimlich bereits den Weg und die Beete rechts und links gescannt und lief nun eilig auf die ersten ausgemachten, gefärbten Eier zu.

Ich mochte Ostern. Diese tippelnden Schritte und den einmaligen „Ich hab eins!“ Schrei,  der durch die Schrebergartenanlage hallte. Den freudestrahlenden Blick der leise murmelnden Osterprozession hinter mir: Mutter, Vater und die zwei unter Filz gut behüteten Großmütter. 
Wenn wir uns dann am Ende des Gartens langsam der Laube näherten, ergriff auch die Ostermama wieder Geschäftigkeit. Emsig wurde unablässig gezählt: wie viele Nester, wie viele Eier hast du in deinem Korb? 
Was soll ich sagen, es war wie verhext- jedes Jahr blieben ein oder zwei Eier verschwunden. Bereits abgeschrieben tauchten sie gleichzeitig mit einem jubelnden Aufschrei beim Umgraben des Gartens im Herbst wieder auf.

Ostern, es war schon immer mein Lieblingsfest. Brachte es doch neben den versteckten Osternestern auch das Leben nicht nur in den Garten zurück. Wenn wir kurz innehielten und neben einem bunten Ei eine gerade erwachende Blüte entdeckten oder ein Osternest ganz vorsichtig aus der Hecke angelten, um den Vogel zwischen den Zweigen bei seinem Nestbau nicht zu stören.

Wenn wir später beim Osterbrunch am reichlich gedeckten Tisch saßen und reihum Eier kocksten, bis der Sieger ermittelt war, kamen mit den Brötchen auch die Anekdoten längst vergangener Ostertage auf den Tisch. Anekdoten aus dem Leben, das in uns Winterschlaf gehalten hatte und nun mit aller Kraft nach außen drängte. Mit Druck gefüllt ähnlich wie der Sahnesprühbehälter, dessen Ventil regelmäßig bei der ersten Portion erst mahnend pfiff, ehe sich explosionsartig der erste Schwung nicht auf der Erdbeertorte sondern auf der giggelnden Großmutter entlud.

FROHE OSTERN! Ich wünsche euch wunderbare Feiertage im Kreis eurer Lieben.
Eure Nadin

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