Postkarten-Krimi

Auf dem Schlachtfeld

Es war still, fast totenstill.
Sie lächelte schief bei diesem Gedanken und lenkte den suchenden Blick durch den Kühlschrank. Beinahe alles Essbare darin hatte die Grenze des Genießbaren mit dem Ablauf des MHD längst überschritten. Es gammelte, bot Platz für Mikroorganismen, deren Namen Anna nicht kannte, die sie auch nicht interessierten. Was blieb war die Tatsache, dass ein jedes seine Zeit und alles einmal ein Ende hatte.

Mit dem Schließen der Kühlschranktür löschte sie den einzigen Lichtstrahl in der Küche.
Sie drehte sich um, füllte den Besteckkorb des Geschirrspülers.

Dieser Waschgang war weder energie- noch wassersparend, dachte Anna, als das dumpfe Gluckern einsetzte.

Doch heute würde sie über die Stränge schlagen, sie hatte die Grenze ohnehin bereits passiert. Anna dachte an das einsame Messer in der Maschine, ehe sie den Blick ins Wohnzimmer zu seiner regungslosen Silhouette wandte. In ihrer Erinnerung hörte sie ihn schreien.

Emotionslos zuckte sie die Schultern und achtete nicht auf die rote Spur unter ihren Füßen, die sich mit ihr in der Küche verteilte. Sie würde sich später um diese Sauerei kümmern.

Anna schmeckte den roten Saft in ihrem Mund und schloss für einen Moment die Augen.

Ja, wenn er aufwachte, würde er schreien und schimpfen, über das Schlachtfeld in der Küche.

Sie nahm einen Bissen, und das alles für ihren geliebten Rote-Bete-Salat gern in Kauf.

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