Genie und Wahnsinn

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„Jestern hab ick dich jesehn!“
„Wo denn?“
„Im Jarten.“
„Ich dich nicht.“
„Kannste och jar nich.  War ja nur im Traum!“
Sie rollte die Augen.
„Und, was habe ich da gemacht?“
„Jeschaukelt.“
„Aha.“
„Dit  war fast beängstijend – wie in so nem Gruselschocka! “
„Das Schaukeln?“
„Ne, dit:  DU uff der Schaukel! “
„Wieso?“
„Na, du hattest so nen irren Blick! Wie die kleenen Jeistermädchen, die im Horrorfülm unten an de Treppe im weißen Nachthemd stehn!“
„Na vielen Dank!“
„War doch nur n Traum!  Uff jeden Fall hab ick dich dann anjesprochen.“
„Und dann?“
„Dann haste dich umjedreht und so janz komisch jekuckt!“
Er schüttelt bei dem Gedanken daran noch einmal den Kopf.
Sie lacht.
„Ich glaube, du hast zu viele Horrorfilme gesehen! Wir haben doch gar keine Schaukel im Garten!“
„Vielleicht hab ick dit irjendwie asso….assoziiert,  oder wie dit hest.“
Fragend zieht sie die Augenbrauen hoch.
„Manchmal wenn de schreibst, dann wiegste den Kopp so hin und her…von links nach rechts und wieda zurück- huh!“
Er schüttelt sich.
„Ja, vielleicht schaukel ich die Wörter und Sätze so lange hin und her bis sie an die richtige Stelle passen.“
„Siehste-  ick habs doch jewusst!“
Er nimmt einen Bissen vom Brötchen.

„Neulich war n Artikel in de Zeitung, dat viele Schriftstella psychisch uffällig sind!“
„Na siehst du- und da wunderst du dich über mein Schaukeln?“
Sie lacht und er bleibt hartnäckig.
„Na bisher dachte ick du jehörst zu den Unversehrten.“
Er holt Luft.
„Aber wenn ick dann manchmal lese wat du jerade schreibst, bin ick mir da nich mehr sicha…“
„Und das sagst ausgerechnet du, der Geistermädchen im Nachthemd beim Schaukeln trifft?“
„Dit  war ja nur n Traum!“
„Und das sind meine Geschichten auch!“
„Aba du schläfst dabei nich und ziehst dit weiße Nachthemd janz bewusst dafür an!“
„Du hast recht. Sag mal so ne Schaukel im Garten wäre doch gar nicht schlecht.“
„Hör uff- so wat ertrag ick beim Frühstück nich!“
Sie lacht.
„Aber wenn ich das Nachthemd zum Schreiben nicht anziehe, wie könnte ich dann beobachten und darüber schreiben, wie du dir beim Frühstück fast in die Hosen machst?“
„Ick hab keene Angst! Ick wollte lediglich wissen, ob du dir dit Nachthemd manchmal zum Schreiben anziehst, oder ob du s eijentlich imma trägst und nur die Alltagsklamotten manchmal drüba würfst!“
Sie lacht leise, fast verstohlen und lehnt sich zu ihm über den Tisch.
„Das mein Lieber könnte ich dir sagen, doch danach müsste ich dich leider töten.“  😉

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Frohe Ostern …

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Schon als Kind war Ostern mein Lieblingsfest im Reigen der Feiertage unterm Jahr. Ich mochte den Duft der ersten Frühlingsblüher, die bunten Blüten nach dem viel zu langen Winter. Die ersten Sonnenstrahlen, die auf der Nase kitzelten und die Sommersprossen aus dem Winterschlaf erweckten. Die aufgeblasenen Augen und Wangen meiner Mutter, wenn sie die, später für den Osterstrauss anzumalenden Eier ausblies.

Noch heute sehe ich das Tor zu unserem Schrebergarten vor mir. Gusseisern unter dem wohlgeschnittenen Bogen der immergrünen Ligusterhecke.
Den freudestrahlenden Blick meiner Eltern, die wahrscheinlich noch immer innerlich nach Luft japsten, immerhin hatte einer/eine von ihnen den langen Weg mit dem Rad zum Garten in diesen frühen Morgenstunden bereits ein zweites Mal zurückgelegt.
Das geflochtene Körbchen schaukelte leer und aufgeregt in der Hand meiner Mutter. Nein, reinstürmen gab es nicht, gemeinsam schritten wir durch den Heckenbogen. Der Korb wartete gespannt auf den Startschuss wie ich.
„Frohe Ostern“, ein Küsschen, ein Jauchzen und dann endlich die Übergabe des Körbchens an mich. Es war der Startschuss mit der imaginären  Osterpistole. Während des Wartens hatte ich heimlich bereits den Weg und die Beete rechts und links gescannt und lief nun eilig auf die ersten ausgemachten, gefärbten Eier zu.

Ich mochte Ostern. Diese tippelnden Schritte und den einmaligen „Ich hab eins!“ Schrei,  der durch die Schrebergartenanlage hallte. Den freudestrahlenden Blick der leise murmelnden Osterprozession hinter mir: Mutter, Vater und die zwei unter Filz gut behüteten Großmütter. 
Wenn wir uns dann am Ende des Gartens langsam der Laube näherten, ergriff auch die Ostermama wieder Geschäftigkeit. Emsig wurde unablässig gezählt: wie viele Nester, wie viele Eier hast du in deinem Korb? 
Was soll ich sagen, es war wie verhext- jedes Jahr blieben ein oder zwei Eier verschwunden. Bereits abgeschrieben tauchten sie gleichzeitig mit einem jubelnden Aufschrei beim Umgraben des Gartens im Herbst wieder auf.

Ostern, es war schon immer mein Lieblingsfest. Brachte es doch neben den versteckten Osternestern auch das Leben nicht nur in den Garten zurück. Wenn wir kurz innehielten und neben einem bunten Ei eine gerade erwachende Blüte entdeckten oder ein Osternest ganz vorsichtig aus der Hecke angelten, um den Vogel zwischen den Zweigen bei seinem Nestbau nicht zu stören.

Wenn wir später beim Osterbrunch am reichlich gedeckten Tisch saßen und reihum Eier kocksten, bis der Sieger ermittelt war, kamen mit den Brötchen auch die Anekdoten längst vergangener Ostertage auf den Tisch. Anekdoten aus dem Leben, das in uns Winterschlaf gehalten hatte und nun mit aller Kraft nach außen drängte. Mit Druck gefüllt ähnlich wie der Sahnesprühbehälter, dessen Ventil regelmäßig bei der ersten Portion erst mahnend pfiff, ehe sich explosionsartig der erste Schwung nicht auf der Erdbeertorte sondern auf der giggelnden Großmutter entlud.

FROHE OSTERN! Ich wünsche euch wunderbare Feiertage im Kreis eurer Lieben.
Eure Nadin

Postkarten-Krimi

Auf dem Schlachtfeld

Es war still, fast totenstill.
Sie lächelte schief bei diesem Gedanken und lenkte den suchenden Blick durch den Kühlschrank. Beinahe alles Essbare darin hatte die Grenze des Genießbaren mit dem Ablauf des MHD längst überschritten. Es gammelte, bot Platz für Mikroorganismen, deren Namen Anna nicht kannte, die sie auch nicht interessierten. Was blieb war die Tatsache, dass ein jedes seine Zeit und alles einmal ein Ende hatte.

Mit dem Schließen der Kühlschranktür löschte sie den einzigen Lichtstrahl in der Küche.
Sie drehte sich um, füllte den Besteckkorb des Geschirrspülers.

Dieser Waschgang war weder energie- noch wassersparend, dachte Anna, als das dumpfe Gluckern einsetzte.

Doch heute würde sie über die Stränge schlagen, sie hatte die Grenze ohnehin bereits passiert. Anna dachte an das einsame Messer in der Maschine, ehe sie den Blick ins Wohnzimmer zu seiner regungslosen Silhouette wandte. In ihrer Erinnerung hörte sie ihn schreien.

Emotionslos zuckte sie die Schultern und achtete nicht auf die rote Spur unter ihren Füßen, die sich mit ihr in der Küche verteilte. Sie würde sich später um diese Sauerei kümmern.

Anna schmeckte den roten Saft in ihrem Mund und schloss für einen Moment die Augen.

Ja, wenn er aufwachte, würde er schreien und schimpfen, über das Schlachtfeld in der Küche.

Sie nahm einen Bissen, und das alles für ihren geliebten Rote-Bete-Salat gern in Kauf.

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Stationen

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„Der Zug ist längst abgefahren!“

Sie sah ihn bei diesen maulenden Worten an. Nein, vielmehr sah sie durch ihn hindurch auf die imaginäre Anzeigetafel hinter ihm. Auf den digitalen Fahrplan der ihr verriet, dass auf jedem der sieben Gleise in der nächsten halben Stunde ein neuer Zug einfahren würde. Sah er sie denn nicht?
Zwischen den Abfahrtszeiten fand sie zurück zu seinen Augen und zu der darin liegenden Trauer , Resignation und dem Wehmut über den verpassten Zug.
Der Lautsprecher auf dem Bahnsteig knackte laut, ehe die montagsmüde Dame die Einfahrt eines neuen Zuges ankündigte und um Vorsicht dabei bat.

Sie sah ihn an.
„Ja, DER Zug ist vielleicht weg. Aber im fünf-Minuten-Takt kommen neue.“

Jetzt sah er es auch:  das Gewimmel auf den Bahnsteigen. Das Ein- , Aus- und Umsteigen der Reisenden mit einem Ziel. Sie schoben sich mal mit leichtem, mal mit schwerem Gepäck an ihm vorbei, während er unschlüssig auf der Rolltreppe lief nur um nirgendwo anzukommen.

„Manchmal habe ich das Gefühl, das Leben ist zu schnell für mich. Es rast regelrecht. Mal schaue ich von meinem Sitz hinter den Scheiben heraus und mal spüre ich seinen Fahrtwind, wenn es an mir vorbeirauscht.“

Sie strich über seine Hand in dem Café zwischen all den Reisenden in der ersten Frühlingssonne.
„Jeder Zug wird irgendwo anhalten und dann kannst du selbst entscheiden, ob du zusteigst oder ihn ohne dich weiterfahren lässt.“

Er schwieg. Griff nach dem Bierglas und nahm einen tiefen Schluck.
Plötzlich hörte er den fremden Jungen am Nachbartisch. Er spielte mit einer Holzeisenbahn und fuhr gerade den Bahnhof unter dem Tisch zwischen den Beinen seiner Eltern an.
„Alles Aussteigen- Endstation!“

Wie zur Bestätigung nickte der Biertrinkende seiner Freundin zu.
‚Siehst du!‘ , schienen seine Augen zu sagen. Er verzog dabei die schmalen Lippen zu einem gequälten Lächeln.

„Umsteigemöglichkeiten an den anderen Gleisen!“ , tönte der Sechsjährige durch die Lautsprecherhände.

Nun hob sie die Brauen.
‚Siehst du‘ , sagte ihr Lächeln als sie das Glas zu ihm hob. Leise prostete sie ihm zu.
„Sogar der Kleine weiss es schon: selbst Endstation bedeutet nicht zwangsläufig das Ende einer Reise!“

FRÜHLINGSAKTION! 🌻

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Reinlesen lohnt sich! 🌻

Und „Vom Schreiben schreiben – wenn Worte Bilder malen “  ebenfalls als ebook bei Amazon für 0.99 Euro

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„Das LEBEN leben- in all seinen Farben“
Bei Amazon als ebook für nur 0.99 Euro

Autor hin…Autor her…

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Irgendwann im Laufe des Schreibprozesses, mit der Erfahrung und der Übung kristallisieren sie sich heraus: die Spektren und Genre, die einem am besten liegen. Fast schleichen sie sich dann von selbst immer wieder ein, egal mit welcher Motivation wir einen Text beginnen.
So mag jeder Plot bei manchen in Reimform enden, während er bei einem anderen fast automatisch zu einem Kriminalfall wird. Wieder andere finden jedes noch so versteckte Türchen, um in die Dystopie, Utopie oder Sciencefiction / Fantasywelt einzutreten. Bei noch anderen wird der komödiantische Beginn regelmäßig zu einem herzzerreißenden Drama, während der nächste den unsichtbaren Schalter zur Zeitreise nutzt und aus dem Hier und Jetzt schwupsdiewups verlässlich einen historischen Roman zaubert.
Manchmal können wir diese Entwicklung während des Schreibens fast wie ein Aussenstehender mit angehaltenem Atem verfolgen und die Wendung die die ursprüngliche Geschichte nimmt unmöglich aufhalten.

Oder wollen wir sie vielmehr gar nicht aufhalten, weil jedes geschriebene Wort uns weiter in das Genre bringt, das wir als unser Steckenpferd erachten? 

Doch was ist, wenn wir damit eine Nische bedienen die so gar nicht dem zur Zeit angesagten Mainstream entspricht? Wenn der Gedanke: „wer soll denn das lesen?“ zeitgleich mit dem, die Geschichte vorantreibenden Stift über das Papier huscht.
Und wie sehr können wir tatsächlich Genre bedienen über die wir bisher schwiegen? Nicht schrieben, weil wir davon ausgingen, dass diese Tür in unserem kreativen Hirn verschlossen ist?
Oder ist es uns als Schreiberling ähnlich einem Maler, der eine Auftragsarbeit erhält, möglich uns an alle Vorgaben anzupassen und sie dann mit unserem Herzblut zu schreiben? 

Ich wage die These, dass ein jeder von uns diese Gedanken schon einmal hatte. Diese oder jene Ausschreibung aus genau diesen Genrefremden-Gründen sofort überblättert.
Doch so schön das Schreiben an sich auch ist, leben wir als „Künstler “ doch von der Anerkennung. Anerkennung die wohl oder übel ersteinmal Leser voraussetzt, die nicht zwangsläufig in einem Separee stundenlang auf uns warten. Deren Rückmeldung, Rezension oder  Weiterempfehlung unser „Beifall“ ist.
Viele werden an diesem Punkt sagen: ihnen geht es nicht um das Geld. Und doch würde sich keiner verstecken, wenn ihm plötzlich ein „Harry Potter“ aus der Feder springt oder zumindest die Kugelschreibermienen, das Druckerpapier oder die Portokosten hereinkämen.

Wie sind eure Erfahrungen?
Tastet ihr euch an „fremde“ Genre heran?
Wo sind eure Wurzeln und wie weit ragen die Äste eures Baumes in diesen scheinbar unendlichen Himmel?

Buch- und Vorstellung im AutorenLike auf fb Teil 2:

Buchvorstellung Teil 2: 

,,Das Leben leben – in all seinen Farben“ von Brunkau Nadin

Vom Leben schreiben

…das  ist so ein Titel, der geradezu dazu einlädt, ein Fortsetzungsband zu werden.

Wie könnte ich sonst in dem schmalen Buch all den Facetten des Lebens auch nur annähernd gerecht werden?
Entstanden ist die Idee, der Gedanke, so trivial das auch erscheint, nach den vielen Rückmeldungen auf meinen Blog.
Da wechseln sich öffentliche Kommentare mit persönlichen Nachrichten ab, von Menschen, die die Worte meiner Beiträge nicht nur gelesen haben, sondern fühlten.

Dieses Buch ist kein „Lebensratgeber“ im klassischen Sinne.
Vielmehr sind es Gedanken, Geschichten und Gedichte zu diesen einzigartigen Momenten, die das Leben selber schreibt: manchmal schwer zu ertragen, ein anderes Mal glücklich machend. Hin und wieder lassen sie uns zweifeln, fast verzweifeln, nur um uns dann ein anderes Mal, zu Könige im Königreich unseres eigenen Lebens zu machen.

Was gibt es noch persönlich zu mir zu sagen? Ich bin mit 15 Jahren von einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt nach Heidelberg umgezogen, wobei dieser Umzug von der einen Staatsform in die andere eher einer „Umsiedlung“ gleichkam. Ich habe das Abitur gemacht und anschließend eine Aus- und Weiterbildung zur Bankfachwirtin.
Wie schon vielfach besungen, habe auch ich „mein Herz in Heidelberg verloren“. Ich lebe seit 1995 mit dem gleichen Mann zusammen und wir haben mittlerweile drei wilde Kerle und eine Hundedame. Zurzeit bin ich hauptberuflich Familienmanagerin mit einem Hang zum Schreiben.
Gern in einer Art, von der andere sagen, sie sei „Nadin“ mit einem Wiedererkennungswert, einem Hang zum episch lyrischen und mit Schachtelsätzen, die ich regelmäßig versuche in den Korrekturen einzudämmen. 😉 Ich mag es, wie das Schreiben meine Sinne wieder schärft. Wie wir als Schreiberlinge uns selbst, unsere Umgebung und das Leben wieder bewusster wahrnehmen und ich freue mich jedes Mal, wenn ich meine Leser auf diese Reisen mit Worten mitnehmen kann. Sie abtauchen und die Worte Bilder malen, die sie dann vor sich sehen, während sie dem Alltag entfliehen.
Zur Zeit arbeite ich an zwei Romanen. Der eine ist in der zweiten Korrekturphase, während der zweite Neue stetig wächst.