Sommer und mehr …

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Gestern habe ich es tatsächlich probiert. Und mit „TATSÄCHLICH“ meine ich wirklich und aufrichtig konzentriert.
Bereits am Morgen bei einstelligen Temperaturen und mit Kind drei auf dem Rücksitz auf dem Weg zu einem medizinischen Kontrolltermin.
Ein Kontrolltermin bei dem ich von einem guten, nicht besorgniserregenden Ergebnis ausging.

Also war ich dahingehend keineswegs  angespannt,  und in meinem Mutterhirn blieb Platz, um mich gedanklich mit den auf meinem Schreibtisch wartenden Projekten auseinanderzusetzen.
Ganz oben auf der Agenda leuchtet, quasi rot angestrichen, das Schreiben einer Kurzgeschichte für die kommende Anthologie des Autorennetzwerkes mit dem einladenden Titel „Sommer und mehr“.
Auch wenn mir der Abgabetermin noch einige Wochen Galgenfrist gibt, hätte ich es gern von diesem großen Stapel bereits gestrichen. Also dachte ich nach.
Während wir mit dem Auto unterwegs waren an einem Morgen, der genauso grau begann wie der vorherige geendet hatte. Die Scheibenwischer gaben auf der verschmutzten Windschutzscheibe ihr Bestes, um mir die Sicht freizuhalten. Ich nahm die Abkürzung durch den Wald. Es reihte sich also Baum links neben Baum rechts, kilometerweit.  Dazu triste Dunkelheit, die das Scheinwerferlicht nicht nur aus Solidarität einforderte, um der einzige Lichtblick in dieser Einöde zu sein.
Vom Autodach hallte das Geräusch der aufprallenden Tropfen und innen saß die Mutter mit dem sich wiederholenden Gedanken „Sommer und mehr“.
Zu dem „mehr“ kamen mir rund  einhundert Gedanken, doch keiner von ihnen hat etwas mit „Sommer“ zu tun.

Ich versuchte es gedanklich mit einem Strandspaziergang, der bei der tristen Umgebung draußen,  eher in einem nie wiederkehrenden Gang ins Wasser für den Akteur endet. Als nächstes drängte sich der Gedanke auf, vielleicht einmal etwas Lustiges zu schreiben. Er schiebt sich fast hartnäckig immer wieder vor, bevor auch er im Sande des Strands verläuft.

Ich bin fast sicher, daß mein Seufzen nach dem Öffnen des Fensters und dem ignorieren der hereinfallenden Tropfen, die Waldbewohner weckt.
„Sommer“ im Februar, Sonne und salzige Luft in diesem Grau – es scheint, als seien auch meiner Phantasie hier Grenzen gesetzt.

Am Nachmittag zurück, versuche ich es dann doch. Der Strandspaziergang wird zu einer Weltuntergangsode über die Vergänglichkeit aller Dinge, bei einem Blick auf die kaputten Muscheln.
Nein, es war definitiv kein Tag, um die Nase in die Sonne zu halten und dem Lied der Möwen zuzuhören.

Also griff ich nach dem Stapel der korrigierten Manuskripte und lenkte mich ab. Nicht selten habe ich schon erlebt, das die Eingebung folgt, wenn man nicht mehr krampfhaft nach ihr sucht. Also ran an die acht Freunde, die in ihrem Alter das Leben noch einmal auf den Prüfstand stellen. Ich lese mich ein und prüfe die Anmerkungen aus dem Lektorat.
Ich versuche es wirklich, das Grau ist mein Zeuge, mich ernsthaft darauf zu konzentrieren und das stetige Murmeln in meinem Kopf :  „Sommer und mehr“ einfach zu ignorieren.
Und während der Tag weiter voranschreitet warte ich ungeduldig auf die Eingebung. Auf die Idee mit dem  mehr vom „Sommer“ und dem viel weniger vom großen „mehr“.

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