Mindstyle

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Die Dinge des Lebens passieren täglich aufs Neue.
Ein Schelm, der denkt, es wär nicht so. Auch an den Tagen von denen wir meinen, sie seien so  ereignislos wie ein Blick in den leeren Kühlschrank. Ein ernüchternder Blick bei dem sich lediglich kurz das Licht zeigt, ehe es nach dem Tür schließen wieder in der Einsamkeit der tristen Kälte verschwindet. Selbstverständlich ohne unseren knurrenden Magen befriedigt zu haben, da sich außer den imaginären Pinguinen nichts in ihm befand.
Da fällt es uns leicht neben dem weiter vorherrschenden Hungergefühl zu vergessen, dass das Licht dort drin einen Moment lang NUR für uns gebrannt hat …
So oder sich ähnlich kommen sie manchmal daher, die Lebensratgeber dieser Tage. Sie führen uns an der Hand durch unsere Leben und weisen uns auf diese oder ähnliche kleine Lichtblicke im Alltag hin.
Wobei ich zugeben muss, dass ich für diese Art der Literatur durchaus empfänglich, aber auf dem Pfade der Erleuchtung mitunter noch ein Anfänger bin. So freue ich mich ganz realistisch betrachtet vielmehr über den durchlaufenden Kaffee am morgen als über das rote Signallämpchen der Kaffeemaschine, das mir in der dunklen Küche den Weg zum wachmachenden Getränk zeigte.

Wie Pilze sprießen sie aus dem Boden: die Magazine mit den bunten Mandalas auf dem Titel und einem Sinnspruch neben den angerissenen Lebenskapiteln. So herzerwärmend und farbenfroh, dass wir nach dem Tanken in der Männerdomaine neben der Zapfsäule fast unsere Yogamatte auspacken. TIEF EINATMEN , während wir die Zwei- oder Vierzeiler lesen und den Gedanken:“Ja, so ist es!“ genauso wenig aufhalten können wie den Griff in das Regal.
Die Sehnsucht nach Ruhe und dem Besinnen auf sich selbst und den Geist trifft den Zeitgeist einer neuen Generation.
Was hat sich verändert in den letzten Jahrzehnten, wenn wir mit den mind-spirit-life- Magazinen auf die ältere Generation treffen, die unser beseeltes Lächeln irritiert beobachtet?
Vielleicht gelten wir für sie noch für einen Ableger all jener, die einst als Blumenkinder nach Ibiza oder la Gomera ausgewandert sind, um sich in einem Rausch des Lebens fernab der Welt selbst zu finden?

Sind die Zeiten hektischer geworden so das wir dankbar für diese Momente der Langsamkeit beim Lesen sind oder beobachten wir die Welt nur noch mit angehalten Atem und besinnen uns dann darauf, uns in ihr wiederzufinden?

Tatsächlich ist das schwer in einem Satz zu beantworten, doch die Nachfrage gibt diesen Magazinen recht. Waren es am Anfang ein oder zwei, lassen sich mittlerweile ganze Regalreihen mit ihnen füllen .
Das Wort zum Sonntag kennt fast niemand mehr, wird seltener gehört, als diese quartalsweise erscheinenden Magazine gelesen.

Wo sind wir?  Wo sollten wir sein?  Wer sind wir? Und wer könnten wir sein?
Das sind die Grundfragen, die sich durch die einzelnen Artikel ziehen. MINDSTYLE ist der neue Lifestyle.
Es sind die kurzen Aphorismen, Artikel und Gedichte die uns entspannt bei einer Tasse Kaffee  oder Tee nach einem hektischen Tag beruhigen und uns ein Licht  aufzeigen, wenn wir glauben, alles um uns herum liegt im Dunkeln.

In diesem Sinne wünsche ich euch zu diesem Wochenstart den einen oder anderen Lichtblick.
Herzlichst, eure Nadin

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EMPFEHLUNG

“ Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt.“
(Thomas Mann aus „Der Zauberberg“)

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„Es ist ein kleiner Ort. Nennen wir ihn Barn.  Er könnte auch anders heißen oder woanders liegen …“

Ich teile sie gern, diese Mitteilung über die gelungene Veröffentlichung dieses Buches. Besonders geeignet auch für Jugendliche und als Diskussionsgrundlage in Schulen. Gleichermaßen geeignet für Erwachsene und Jugendliche ab 14.

Viel Erfolg wünscht Nadin

Herzblut-Welten

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Es ist nicht nur ein wohlklingender Name sondern auch ein ganz wunderbares Projekt der sechs Gründungsautorinnen. Ich freue mich sehr, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein und bin, genau wie ihr gespannt auf die gemeinsamen Projekte, die sich entwickeln.

Schaut doch mal rein unter http://www.herzblut-welten.de . Dort findet ihr alle wichtigen Infos und unter dem Menüpunkt „Autoren“ und „Blogger“ ganz wundervolle Kollegen, bei denen sich ein Besuch auf der eigenen Seite lohnt.

Alles Liebe, eure Nadin

„Entschleunigen“

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„Entschleunigen“, ist die neue Art der Fortbewegung. Der Fortbewegung, die uns Menschen wieder zur Ruhe kommen lassen und uns auf das Wesentliches besinnen lassen soll. Einmal heraustreten aus den Mühlen des Alltags, einen Schritt neben das immer schneller drehende Hamsterrädchen, nur um zu sehen, wo wir stehen und wo wir eigentlich sein sollten oder vielmehr wollten.

Mein „Entschleunigungswochenende“ kinderlos, mit meinem Mann, hat an einem Freitagnachmittag mit dem zähfließenden Verkehr auf den Bundesautobahnen begonnen.
Mit einer geteilten Klimaanlage, die den Fahrer auf seiner Seite mit wohligen 24 Grad umarmt, während sie auf meiner Beifahrerseite die gewünschten idealen 21 Grad Celsius ausbläst. Zumindest so lange bis sein Blick Sekunden später auf die digitale Anzeige fällt. Rasch korrigiert er auf 22 Grad, ehe ich wortlos auf 20 Grad reduziere. Er mag keine ungeraden Zahlen. 😉

Nach der ersten unruhigen Nacht, in der mich „Granufink“-like die getrunkenen Kölsch halbstündlich in der Blase schaukelnd, weckten, sitze ich in den frühen Morgenstunden im Halbdunkeln des Hotelzimmers. Ich habe alle möglichen Lichtschalter ausprobiert, um die Lampe mit dem kleinsten Lichtkegel zu finden. Immerhin bin ich mir fast sicher, dass es mit seiner „Entschleunigung“ viel besser klappt, wenn er nicht wie ich um 5.03 Uhr aufwacht.

Und dann nach etwa 10 Minuten kommt ER, der Punkt, der mit „entschleunigen“ so gar nichts mehr zu tun hat: die Sehnsucht nach einer (oder zwei, besser drei) Tasse Kaffee. Der Albtraum, also zumindestens meiner schlechthin, in einem fremden Hotelzimmer ohne das wachmachende Getränk und vor allem die Aussicht, dass sich daran in den nächsten 3 bis 4 Stunden auch nichts ändern wird, ehe der Mann aufgewacht und frühstücksfertig ist …

So, da drohte die „Entschleunigung“ zu scheitern, ehe der Tag richtig begann, als der Herzschlag sprunghaft bei diesem Gedanken ansteigt und sich die Gedanken wahngleich im Kopf wiederholen…
Das Leben ist mein Zeuge,  dass ich mir selten darum Gedanken mache, was die Menschen bei meinem Anblick denken, doch heute Morgen bete ich tatsächlich,  dass mir in diesem 4,5 Sterne Resort niemand begegnet. Sollte doch jemand in meinen Fahrstuhl steigen, würde sein irritierter Blick von meinen nackten Zehen, über die Schlafanzughose, die Strickjacke bis hinauf zu dem zerknautschten Gesicht unter den ungekämmten Haaren wandern. Vielleicht würde er davon ausgehen, noch zu träumen, immerhin wäre bei meinem Anblick „Einer flog übers Kuckucksnest“ nicht weit…

Der übermüdete Kellner unten im Restaurant hat sicher auch nach dem ersten Schreck bei meinem Anblick mehr Mitleid als Service-Etikette im Kopf. Fast wortlos reicht er mir die glänzende Thermoskanne und beobachtet, wie ich die zwei Tassen in der Strickjackentasche verstaue, ehe ich mit nackten Zehen wieder den Rückweg auf dem abgetretenen Teppich antrete.

Die Kanne in der Hand beschleunigt meinen Schritt. Dankbar für den Aufzug ohne Spiegel und die wenigen Mitmenschen, die um 5.17h müde durch die Lobby streifen, entschleunige ich wenig später bei dem ersten Schluck Kaffee im Zimmer. Es gibt wohl keine Tasse Kaffee, die besser schmeckt, als diese erste nach dem Aufstehen.

Es ist der Inbegriff von „Entschleunigung“:
Der Blick aus  dem offenen Fenster auf das regnerische Köln mit den Lichtern all jener, die wie ich lange vor dem Sonnenaufgang wach sind, ein tiefer Schluck Kaffee, ein Zug der gesundheitsgefährdenden Zigarette gepaart mit dieser unnachahmlichen nassen Rheinluft.
Ich nehme noch einen tiefen Atemzug, ehe das Kreativzentrum im Kopf seine Arbeit aufnimmt.
„Sommer und mehr“ – und ich noch kein Stückchen weiter.
„Entschleunigt“ beschleunigen sich meine Gedanken. Fragmente, unzusammenhängend und wenig brauchbar…handeln sie doch alle bei diesen nassen 7 Grad weniger vom „Sommer“ und dafür viel mehr vom „mehr“ ….

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Ich wünsche euch einen gelungenen Start in diese Woche, Eure Nadin

Sommer und mehr …

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Gestern habe ich es tatsächlich probiert. Und mit „TATSÄCHLICH“ meine ich wirklich und aufrichtig konzentriert.
Bereits am Morgen bei einstelligen Temperaturen und mit Kind drei auf dem Rücksitz auf dem Weg zu einem medizinischen Kontrolltermin.
Ein Kontrolltermin bei dem ich von einem guten, nicht besorgniserregenden Ergebnis ausging.

Also war ich dahingehend keineswegs  angespannt,  und in meinem Mutterhirn blieb Platz, um mich gedanklich mit den auf meinem Schreibtisch wartenden Projekten auseinanderzusetzen.
Ganz oben auf der Agenda leuchtet, quasi rot angestrichen, das Schreiben einer Kurzgeschichte für die kommende Anthologie des Autorennetzwerkes mit dem einladenden Titel „Sommer und mehr“.
Auch wenn mir der Abgabetermin noch einige Wochen Galgenfrist gibt, hätte ich es gern von diesem großen Stapel bereits gestrichen. Also dachte ich nach.
Während wir mit dem Auto unterwegs waren an einem Morgen, der genauso grau begann wie der vorherige geendet hatte. Die Scheibenwischer gaben auf der verschmutzten Windschutzscheibe ihr Bestes, um mir die Sicht freizuhalten. Ich nahm die Abkürzung durch den Wald. Es reihte sich also Baum links neben Baum rechts, kilometerweit.  Dazu triste Dunkelheit, die das Scheinwerferlicht nicht nur aus Solidarität einforderte, um der einzige Lichtblick in dieser Einöde zu sein.
Vom Autodach hallte das Geräusch der aufprallenden Tropfen und innen saß die Mutter mit dem sich wiederholenden Gedanken „Sommer und mehr“.
Zu dem „mehr“ kamen mir rund  einhundert Gedanken, doch keiner von ihnen hat etwas mit „Sommer“ zu tun.

Ich versuchte es gedanklich mit einem Strandspaziergang, der bei der tristen Umgebung draußen,  eher in einem nie wiederkehrenden Gang ins Wasser für den Akteur endet. Als nächstes drängte sich der Gedanke auf, vielleicht einmal etwas Lustiges zu schreiben. Er schiebt sich fast hartnäckig immer wieder vor, bevor auch er im Sande des Strands verläuft.

Ich bin fast sicher, daß mein Seufzen nach dem Öffnen des Fensters und dem ignorieren der hereinfallenden Tropfen, die Waldbewohner weckt.
„Sommer“ im Februar, Sonne und salzige Luft in diesem Grau – es scheint, als seien auch meiner Phantasie hier Grenzen gesetzt.

Am Nachmittag zurück, versuche ich es dann doch. Der Strandspaziergang wird zu einer Weltuntergangsode über die Vergänglichkeit aller Dinge, bei einem Blick auf die kaputten Muscheln.
Nein, es war definitiv kein Tag, um die Nase in die Sonne zu halten und dem Lied der Möwen zuzuhören.

Also griff ich nach dem Stapel der korrigierten Manuskripte und lenkte mich ab. Nicht selten habe ich schon erlebt, das die Eingebung folgt, wenn man nicht mehr krampfhaft nach ihr sucht. Also ran an die acht Freunde, die in ihrem Alter das Leben noch einmal auf den Prüfstand stellen. Ich lese mich ein und prüfe die Anmerkungen aus dem Lektorat.
Ich versuche es wirklich, das Grau ist mein Zeuge, mich ernsthaft darauf zu konzentrieren und das stetige Murmeln in meinem Kopf :  „Sommer und mehr“ einfach zu ignorieren.
Und während der Tag weiter voranschreitet warte ich ungeduldig auf die Eingebung. Auf die Idee mit dem  mehr vom „Sommer“ und dem viel weniger vom großen „mehr“.