Geduld

Das mit der Geduld ist so eine Sache.
Wenn man sie braucht, versteckt sie sich zu oft. Oder sie rennt davon und schreit noch von Weitem „Drei aus!“ , während sie auf ihrem sicheren, nicht einnehmbaren Ort grinst.
Während wir uns die zu Berge stehenden Haare raufen und es nur noch Sekunden dauern kann, ehe der Schaum vor unserem Mund austritt, lächelt sie unnachgiebig aus der Ferne.

So geschehen auch an diesem Morgen, an dem ich „nur schnell“ für eine befreundete Autorin ihren Datensatz zum Buchdruck angleichen und ein neues Cover hochladen wollte.
Mein hp., und ich bin wirklich nett zu ihm, war allerdings heute Morgen im Gegensatz zu mir, nicht so sehr auf „hurtig“ eingestellt.
Vielmehr glich der sich ewig wie elendig langsam drehende „Bitte Warten“-Kreis schon eher einer Arbeitsverweigerung.
Seit zwei Stunden das gleiche Spiel und die Arbeit an meinem Manuskript, das seit halb sechs auf mich wartet, wird immer weiter und weiter nach hinten geschoben. 

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Während der Wartezeit stöbere ich mit dem Handy im Netz. Bin überrascht, wie viele „wiki- … und …-wiki“ – Seiten es gibt. Ich stoppe und  bleibe auf „Yogawiki“ hängen.
Dort heisst es, das Adjektiv „geduldig“ steht für eine Tugend. Für ein Persönlichkeitsmerkmal, das man auch kultivieren kann.
Vielleicht sollte ich mich und ES „kultivieren“ und mich öfter in solche Situationen begeben.

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Den PC einfach mal mit zwei oder drei großen gleichzeitig geöffneten Programmen fordern und mich selbst dabei in beidem üben, was man so gemeinhin mit Geduld verknüpft: „ausdauernd und nachsichtig zu sein“ ebenso wie die Fähigkeit zu haben  „zu warten, und Schwierigkeiten mit Gelassenheit und Standhaftigkeit zu ertragen“.

Während des Lesens des Artikels auf meinem Handy hat sich der Bearbeitungsbalken auf dem PC tatsächlich von 5 auf 8 Prozent geschoben.
Ja, ganz sicher, es ist noch Zeit und Luft, um die Fähigkeiten an diesem Morgen zu trainieren .
(Den zwischenzeitlichen Gesamtabsturz des lieben hp lasse ich dabei einmal unerwähnt.)
Yogawiki gibt sogar einige Tipps zum Training gratis dazu.
Die klassische Autosuggestion betreibe ich bereits seit zwei Stunden. Ich bin froh, dabei allein zu Hause zu sein, um nicht die kritischen Blicke der Fremden zu ertragen, die mich meditationsgleich :“ich bin geduldig“ wiederholend murmeln hören.

Nach den vergangenen zwei eher ereignislosen Stunden, starte ich Phase 2: die entwicklungsbezogene Affirmation : „Ich entwickele Geduld!“

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Noch eine halbe Stunde später seht ihr mich beim Schreiben dieses blogs. Ein Schelm, der dabei denkt, die ersten beiden Trainingseinheiten waren umsonst ; -)

Ganz offensichtlich befinde ich mich mitten in Phase 3: der Wunder – Affirmation. „Angenommen, ich wäre geduldig, wie würde sich das dann anfühlen? Was würde sich ändern und wie würde ich reagieren?“

Auf die von Yogawiki vorgeschlagene Meditation habe ich verzichtet. Fand es doch ein wenig bedenklich, das Frühstück der zwei von drei Kindern vor der Schule ausfallen zu lassen, nur um die Geduld in der Meditation zu kultivieren …

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Der blinkende Cursor auf dem Bildschirm holt mich von diesem Geistestripp zurück. 21 Prozent Fortschritt und ich beginne zu hoffen, dass der hp heute meine fast grenzenlose Nachsicht spürt und sich nicht dafür entscheidet, irgendwo auf dem Weg der nur noch fehlenden 79% gänzlich das Licht auszuschalten.

Die Hochrechnung bei gleichbleibender Hochladegeschwindigkeit deutet unmissverständlich an, dass es „noch etwas“ bis zum Finale  dauern wird.
Getreu dem Motto „wenn nichts mehr hilft, dann ablenken“ greife ich auf meinen Stapel und nach einem Manuskript.
Dankbar dafür, daß es für mich altmodische Ausdruckerin auch noch handschriftliche Arbeiten gibt, schlage ich es auf, und übe ich mich weiter im Kultivieren.

Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Start in diesen Morgen und eine große, große  Portion Geduld. Scheint man doch ohne diese Tugend mitunter schnell an seine Grenzen zu stoßen. Und dann hilft nur noch eines: Humor.

Alles Liebe, eure Nadin

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Ein Gedanke zu “Geduld

  1. Oh Graus, was war es früher schön mit einer Schreibmaschine, die zwar nichts konnte außer Buchstaben tippen… aber Halt! Auch sie konnte Menschen schon ermahnen, sich in Geduld zu üben, wenn das blöde Farbband….. Alles hat seine Zeit. Kannte man damals eigentlich schon Joga in unseren Breitengraden?
    Trotzdem oder gerade deswegen einen schönen Tag lieber Schreiberling Nadin! 🙂

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