Vom Schreiben schreiben II

Ich drücke mich.

Vor der Korrektur des neuen Manuskripts. 308 Seiten gewissenhaft von meinem unerlässlichen  Mainzelmännchen lektoriert und korrigiert, warten geduldig im PC auf die Bearbeitung.

Abgelenkt habe ich mich. Ich gebe es offen und ehrlich zu. Mit den Weihnachtsferien der Kinder, dem ungeplanten Schreiben eines neuen Manuskripts und einiger ebenso zeitintensiver, wie nervenaufreibender Renovierungsarbeiten im Haus.

Doch nun juckt es mich in den Fingern. Der ursprüngliche Gedanke, es bis zu einem Urlaub ruhen zu lassen, gerät nach und nach immer mehr ins Wanken. Ich kenne das Gefühl nur zu gut und weiß daher ganz genau, dass ich mich wohl am Anfang noch sträuben, aber es letztendlich doch nicht ignorieren kann.

So sitze ich heute Morgen bei meinem Kaffee und blicke auf das vergangene, schreibtechnisch arbeitsreichen Jahr 2015 zurück. Auf die Entstehungsgeschichten der Werke, die unterschiedlicher fast nicht sein könnten.  Strukturiert, mit einem Plott für jeden einzelnen Handlungsstrang, habe ich mich durch das „Brüder“ Manuskript gearbeitet. Die beiden Bände „Das Leben leben- in all seinen Farben“, „Vom Schreiben schreiben- wenn Worte Bilder malen“ sowie das Weihnachtsbuch „zauberhaft und weihnachtsweise“, entstanden eher intuitiv, da sie aus einzelnen Kurzgeschichten bestehen und deshalb nicht nach dem Überblick eines Großen ganzen verlangten. Sie unterliefen nach der Fertigstellung eher eine Art der Zensur, dem Entscheidungsprozeß, welche Geschichten hineinkamen und welche eben nicht.

Mein neuestes Projekt war ursprünglich gar keines. Nach der langen, konzentrierten und mit Interviews und Recherchen verbundenen Arbeit an dem letzten Manuskript „Im Glashaus …“, hatte ich das Gefühl, mein Kopf war regelrecht leer. Dennoch fielen mir nach nach wiederkehrende Szenen ein, die ich irgendwann einfach aufschrieb. Es war wie ein Ventil nach der langen, fast sachlichen Arbeit vorher. Die Phantasie, sie flog dabei in bisher unbekannte Gefilde, die mich das eine oder andere Mal selbst staunen ließ- es machte ganz einfach nur Spaß. Es war unkonventionell, vom Schreibstil wie vom Inhalt, gänzlich ohne maßregelnde Vorgaben und ich sah zu, wie die Worte Sätze bildeten, ehe sie Szenen ergaben und regelrecht Kapitel wurden.

Als der Ordner sich nach und nach füllte, kam der Punkt, der uns Autoren immer irgendwann ergreift: „Daraus müsste sich doch etwas machen lassen“ – und ich begann, di einzelnen Szenen zu bündeln, in ihnen vielleicht eine Reihenfolge zu erkennen und die versuche die Zwischenräume zu füllen. Das ist schwer. Ich vermag an diesem Punkt nicht zu sagen, was tatsächlich einfacher ist: Die Arbeit nach einem vorher gut durchdachten Plott oder der Versuch, diesen losen Kapiteln einen, sie in Form haltenden, Rahmen zu geben.

So oder so, einer unbefleckten Empfängnis gleich, kam ich zu dem Manuskript, wie die Jungfrau Maria zum Kinde. Mein „Simon“, er entwickelt sich. Bekommt allmählich Struktur, nach den geschafften „ersten“ knapp 46.000 Wörtern. Ich bin nach wie vor fast selbst fast gespannt, auf das Ergebnis dieses Experiments, dass so ungeplant begann.

Es war, wie damals, wenn wir als Kind versuchten, auf dem Nachhauseweg von der Schule, die Fugen auf dem Boden nicht zu berühren.  Konzentriert auf unsere Schritte, hatten wir alles andere ausgeblendet, ohne dabei vielleicht zu bemerken, welche Entspannung es uns brachte, wenn all die anderen Gedanken ruhten.

So ist es auch jetzt. Nach dem „Glashaus …“, stand „Simon“ in den Startlöchern zur „Entspannung“ und wächst nun Tag um Tag, während ich ihn und es dabei fast als Außenstehender betrachte und selbst so gespannt auf den Ausgang warte.

In diesem Sinne, wünsche ich euch an diesem Freitag auch wieder viel Erfolg bei all euren Projekten.

Wie geht ihr vor? Seid ihr eher der strukturierte oder der intuitive Schreiber?

Alles Liebe, eure Nadin

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2 Gedanken zu “Vom Schreiben schreiben II

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