Vogelfrei

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„Bist du denn tatsächlich der „Herr“ über deinen Tag?“
Dieser Frage folgt ein skeptisch nachfragender Blick.
„Natürlich. Wenn nicht ich, wer sollte es denn sonst sein?“
Ein Kopfschütteln.
„Das glaube ich nicht. Auch du kannst doch nicht schalten und walten wie du willst! Wir sind doch alle gebunden an so viele äußere Umstände!“
„Und an was für Umstände denkst du dabei?“
„An Alles! Wir sind doch nicht vogelfrei! “
„Gut, ich sehe ein unser Körperbau ist ein wenig anders – aber ansonsten sehe ich nicht viel, das uns von einem Spatz oder dem Adler unterscheidet.“
„Jetzt hör aber auf. Wenn ein jeder machen würde, was er wollte und nicht was er wollte… und seine Wünsche auslebt, dann wäre Sodom und Gomorrha doch nicht mehr fern.“
„Oder der Garten Eden – nur so als Alternative…“
„Du spinnst doch…“
„Lieber ein Spinner, als so ein amputierter Vogel wie du!“
„Ich muss nunmal jeden Morgen zur Arbeit aufstehen und mich im Geschäft mit all dem Wahnsinn rumschlagen!“
„Das muss der Spatz auch, wenn er auf Futtersuche  ist. Oder meinst du, die Würmchen recken ihren Kopf und schreien: „hier nimm mich!“ ,  um bei diesem todbringenden Nahrungsflug unbedingt der Erste zu sein?“
„Und dann, wenn ich heimkomme wartet zuhause noch genügend Arbeit auf mich!“
„Die Nestpflege übernimmt er auch – doch auch das ist doch irgendwann geschafft!“
„Und dann…“
„Und dann und dann und dann… das was dich tatsächlich daran hindert, dich so frei wie ein Vogel zu fühlen , ist wahrscheinlich als einziges dein größeres Gehirn!“
Der fragende Blick wartet auf die Fortsetzung.
“ Du machst dir um alles und so vieles Gedanken, dass du die Momente des Fliegens einfach regelrecht verpasst!“

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8 Gedanken zu “Vogelfrei

    1. Da bin ich mir ziemlich sicher 😉 ich habe das ende bewusst offen gelassen, weil ein jeder von uns vielleicht seine eigene Antwort darauf sucht…oder die bisher altbewährte, leichtfertig geäußerte vielleicht auf den Prüfstand gestellt wird .
      Wie würde er bei dir weitergehen? Lg

      Gefällt 1 Person

  1. „Vielleicht, und denke mal darüber nach, sind unsere Gedanken die Flügelschläge des Spatzen.“
    „Aber sie halten dich vom Fliegen ab.“
    „Nein, sie bringen mich dazu, eine Idee vom Fliegen zu entwickeln.“
    „Dabei fliegst du nicht.“
    „Es gibt Momente, in denen ich fliege, und es gibt Momente, in denen ich denke.“
    „Nur ganz ausgewogen ist es nicht, das Verhältnis zwischen den beiden, oder?“
    „Das kommt auf den Einzelnen an. Bei mir ist es das nicht. Da hast du recht.“
    „Dann ändere das doch jetzt.“
    „Das geht nicht.“
    „Warum geht das nicht?“
    „Ich bin zu sehr gefangen in einem Käfig, dessen Türen sich nur manchmal öffnen.“
    „Na du bist ein Held, warum kehrst du immer wieder zurück?“
    „Weil ich mein Nest einst in diesen Käfig baute.“
    „Warum tatest du dies?“
    „Weil schon meine Eltern dies taten, und deren Eltern und deren Eltern.“
    „Und du konntest nicht anders“
    „Ich wuchs schließlich in diesem Käfig auf, kannte vorerst nichts anderes, bekam jeden morgen gesagt, dass die Gitterstäbe nur zu unserem eigenen Schutz da sind, zum Schutz vor den bösen Dingen da draußen.“
    „Und wie kamst du hinaus, du sprachst von Türen?“
    „Ich stellte mich irgendwann an die Gitterstäbe, und sah nach draußen, suchte von dort aus nach dem „Bösen“, weil ich es doch mal sehen wollte. Doch so sehr ich auch schaute, ich sah es nicht.“
    Wie kamst du zur Türe?“
    „Ich hörte die alten Geschichten, von denen, die mutig waren, die entlang des Käfigs gingen, bis sie eine Tür fanden, sich fragten, was dahinter käme, und die den Schritt hindurch wagten.“
    „Du bist ihnen gefolgt?“
    „Nur zum Teil.“
    „Warum nur zum Teil, wie meinst Du das? Kann man einem Weg nur zum Teil folgen?“
    „Ja, ich bin nach draußen gegangen, habe geschaut, wie es draußen ist, habe nach dem Bösen gesehen, von dem meine Eltern immer warnten, doch ich fand es nicht. Was ich fand, war die unbegrenzte Freiheit, die mir zuerst Angst machte, weil kein schützender Zaun um sie herum zu existieren schien.“
    „Warum hattest du Angst, und dann noch vor der Freiheit. Der Spatz weiß auch nichts von Angst vor der Freiheit.“
    „Der weiß doch etwas vom Bussard und vom Falken, glaube mir.“
    „Aber nichts vom Denken, oder?“
    „Du schon wieder mit deinen Einwänden.“
    „Ja, weil Du zuviel denkst.“
    „Ich bin noch nicht ganz fertig.“
    „Das habe ich befürchtet. “
    „Willst Du nicht mehr?“
    „Doch, war nicht ganz ernst gemeint, wie war es draußen in der Freiheit, und was noch offen ist, warum kommst du zurück in den Käfig?“
    „Das ist einfach erklärt. Ich habe auch schon hier im Käfig ein Nest gebaut. Das möchte ich nicht aufgeben. Gleichwohl habe ich Nachwuchs. Dem erzähle ich auch etwas vom Leben. Und ich habe mich dabei ertappt, ihm vom Bösen da draußen zu erzählen, vom Schutz der Gitter des Käfigs, von der Sicherheit hier im Käfig. Doch im Moment, wenn mein Nachwuchs sich entscheiden wird, wie und wo er leben möchte, da hoffe ich auf meine Stärke, ihm zu vermitteln, dass da draußen nichts Böses ist, keine Gefahren lauern, die nicht auch hier wären, dass da draußen eine noch viel größere Welt existiert, als hier im Käfig. Nicht ohne ihm aber zu sagen, dass hier im Nest immer Platz für ihn ist.“
    „Du meinst, er kann dann fliegen?“
    „Ich stelle mir immer mal wieder die Frage, ob meine Eltern mich nicht auch zum fliegen ermuntert haben. Aber heute bin ich mir sicher: Nein!“
    „Warum gehst du so hart mit ihnen ins Gericht? Bist Du nicht eigenverantwortlich?“
    „Ja und nein“ Aber davon erzähle ich Dir beim nächsten mal.“
    „Wenn du nicht mehr so viel denkst, dafür aber mehr fliegst?“
    „Du kannst nicht locker lassen, oder?“
    „Niemals!“
    „Na du bist mir ein Freund…!“
    „Ja, bin ich, auch wenn Du die Stirn runzelst. Wie sonst könnte ich anders für Dich da sein, dich zu unterstützen, um dich selbst zu finden.“
    „Ja, ich weiß, ich bin auch eigentlich froh darüber.“
    „Ja?“
    „Ja!“
    „Ich freue mich!“

    So liebe Nadin, es ist jetzt etwas länger geworden, gleich muss ich meinem Kunden erklären, warum ich etwas später komme. 😉 Nichtsdestotrotz, hat mir Spaß gemacht. Ich hoffe, Du kannst ein klein wenig damit anfangen. GLG Mies

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank. Sehr schön zu lesen. Dieser Traum vom Fliegen, der die Menschen schon immer gefesselt hat 😉 ich wünsche dir Flügel nicht nur für den heutigen Tag und den ein oder anderen Lichtblick, der zeigt, dass der Mut zum Ausbreiten der Schwingen richtig war. LG

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