Die „Rum-Fort-Methode“

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Das Schreiben über das Schreiben  entspannt förmlich meinen Geist. Ich habe das immer wieder zwischendurch bei einem kräfteraubenden Projekt. Immer dann, wenn es mir schwerfällt wieder Bezug zu meinem eigenen Manuskript zu bekommen, schiebe ich ein paar Tage des gedankenlosen Schreibens ein.
Gar nichts zu schreiben ist in solchen Phasen keine Option für mich. Juckt es mich doch in den Fingern, wenn ich einen Block und den Stift nur sehe.
Oft lasse ich dann den Gedanken einfach fließen und schreibe all das lose, manchmal unzusammenhängende und sich häufig wiederholende Wortgetümmel in meinem Kopf einfach auf.
Ein bisschen ist es, wie Luft ablassen aus dem viel zu vollen und überfüllten Kopf.
Manch anderer mag dann Joggen,  Musik hören oder bei der Figur des „Hundes“ im Yoga ganz bewusst atmen.
Mein „Sonnengruß“ ist dieses fließende Schreibritual, dass ich sicher aus Ermangelung an Ausdauer fürs Laufen und Ungelenkigkeit für Yoga viel leichter hinbekomme.
Es ist der Moment, in dem „m“s  wieder zu „m“s werden, weil der Kugelschreiber keinem schnellen, allzuflüchtigen Gedanken folgen muss. Der Moment, wenn ich mit einem kurzen Blick auf die Seiten feststelle, das mein Schriftbild , wie bisher angenommen, doch nicht das Allerschlechte ist.

Diese Aufschriebe, die dann zugegeben  ungelesen in einen dicken roten Ordner wandern, von denen ich nicht weiß, ob ich sie je wieder daraus hervorholen werde.

Es gleicht diesem „Rum-Fort-Topf“ in der Küche, in dem alle Reste die Rumstanden an einem Tag Fortmussten.

So ist es auch mit diesen fliegenden Gedanken, während der gleichmäßige Atem beim Aufschreiben mich zur Ruhe kommen läßt. So wandern die Gedanken,  die vorher unbewusst herumspukten und so viel Platz im Kopf einnahmen auf das geduldig auf sie wartende weiße Papier.
Nach diesen paar Tagen wirkt der Kopf wieder freier und neue kreative Ideen beginnen sich zu bilden. Sie lassen sich bündeln,  bearbeiten und verwirken bis der Speicherplatz irgendwann wieder an seine Grenzen stößt. 
Dann wenn ich weiß,  es ist wieder Zeit für einige dieser „Rum-Fort-Blätter“.

In dem roten, sie beherbergenden Ordner ist noch Platz und vielleicht sind sie einmal sogar die Rettung, wenn sich irgendwann einmal weder ein „Rum-Fort“,  noch ein brauchbarer Gedanke in meinem Kopf zeigen.
Ich weiss es nicht, denn ich habe sie nie wieder gelesen: diese „Rum-Fort-Blätter“, vielleicht aus Angst , sie seien wie ein Boomerang.

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3 Gedanken zu “Die „Rum-Fort-Methode“

  1. Sehr schön geschrieben, danke! Ich hab mich in nicht wenigen Details wiedererkannt.
    Wobei ich entweder an parallel laufenden Projekten schreibe, wenn eines ins Stocken kommt, oder einen Blogbeitrag verfasse. Oder aber mit meinen (Schreib)Freundinnen per Mail „plaudere“ – wobei sich immer wieder neue Inspiration ergibt.
    Frohes Schaffen!

    Gefällt mir

  2. Meine Ordner sind weiß … 3 Stück … seit ich 14 Jahre alt wurde … das Schreiben als Ventil genutzt … allerhand unsinniges Zeugs dabei … bei näherem Hinsehen doch nicht ganz so unsinnig … und auch schon zu oft festgestellt, dass dieser von Dir beschriebene, gepflasterte Weg, der bequeme, von Mitlaufenden gesäumte und gleichsam beschrittene Pfad der Einheitlichkeit nicht derjenige der Mitmenschlichkeit und Kreativität ist … LG (auch hier 🙂 )

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