Zwischen den Zeilen lesen

20150824_074349Immer dann, wenn die Worte die wir selbst einmal aufgeschrieben haben uns plötzlich wirr und zusammenhanglos erscheinen, fangen wir an zwischen den eigenen Zeilen zu lesen. Ich habe nicht geglaubt, dass es sowas wirklich gibt… aber es passiert tatsächlich, und das nicht mal so selten.

Irgendwo war er doch, der Gedanke, der uns antrieb das Alles aufzuschreiben. Eine Botschaft in uns, die wir versuchten zu bannen.

Vielleicht kam der zu schnelle Gedanke zu schnell für die, den Kugelschreiber haltende Hand?

Vielleicht war er aber auch noch gar nicht zu Ende gedacht und das nun entstandenene Wirrwarr auf dem Blatt, nur der Zeuge von den vielen rastlosen Gedankensprüngen in unserem Kopf?

Wenn wir dann beim Schreiben meinen, etwas gut Gelungenes festgehalten zu haben und uns dann stolz die Leseprobe laut selbst präsentieren, straucheln wir nicht nur über die fehlenden notwendigen Satzglieder im Text. Nichts ist mehr da, von der Idee die uns ursprünglich trieb, obwohl die massenhaften Wörter auf dem weißen Papier etwas anderes suggerieren.

Dann versuchen wir uns vielleicht mit etwas Abstand dem Text erneut zu nähern und blenden das eigene anhaltende Kopfschütteln über dieses Ergebnis mutig aus…

Früher landeten solche Ergüsse regelmäßig im Mülleimer. Wenn gar nichts mehr zu retten ist, tut es der ein oder andere heute auch. Immer dann wenn ich mich auf die Spurensuche begeben habe – auf die Suche, Indianer Jones gleich- nach dem ursprünglichen Gedanken darin.

Ein Gedanke, der sich manchmal zwischen den Zeilen wieder zeigt. Manchmal schwach, nur kurz – den ich dann aber fasse. Ihn krampfhaft halte, versuche ihn nicht mehr zu verlieren und mit neuen Worten ein weiteres Mal zu bannen.

Manchmal gelingt dieses Kunststück – aber manchmal eben auch nicht.

Dann fühle ich mich in die Deutschstunden meiner Jugendtage zurückversetzt, zurück zu den immer wieder aufgetretenen dringenden Fragen : „Was will uns der Autor denn damit sagen?“

Um die Erkenntnis von heute reicher geworden,bin ich mir fast sicher, dass ich damals nicht immer verkehrt lag, wenn ich manchmal dunkel ahnte : „Das wußte der Schreiberling vielleicht selbst manchmal nicht mehr!“

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Ein Gedanke zu “Zwischen den Zeilen lesen

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