Die Fremde in uns

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Die Fremde in uns…
Doch wie fremd kann sie uns tatsächlich sein?
Diese Welt in die wir abtauchen, wenn wir darüber schreiben.
Wenn wir uns in ihr bewegen, sie förmlich in uns spüren und unseren Hauptpersonen begegnen, als würden wir sie schon ein Leben lang kennen?
Wenn wir sie begleiten, sie durch die Geschichten tragen und uns über ihre Erfolge freuen und mit ihnen leiden?
Wenn wir ihnen helfen an Scheidewegen  eine Entscheidung zu treffen,  sie beglückwünschen beim Erfolg und bei einem Scheitern auffangen?

Wie fremd kann uns diese selbst geschaffene Welt dann tatsächlich sein, wenn wir mit Worten so darüber berichten, dass die Leser uns so gerne folgen. Dass sie uns begleiten, mit abtauchen und sich vielleicht sogar darin verlieren? Wenn sie nicht aufhören können zu lesen, um nicht wieder in ihre eigene Welt zurück zu müssen.

Kann man denn ehrlich und wirklich von Herzen über etwas berichten, das man noch nicht einmal im Ansatz oder so gar nicht kennt? Nie erlebt hat, oder  bei anderen so ergriffen beobachtet, dass es uns geprägt oder nachhaltig beeindruckt hat?

Ist es dann nicht vielmehr so, dass das was uns als fremde Welt erscheint, ein Teil der in uns vorhandenen großen Welt darstellt? Vielleicht gerade von der Sonne auf der anderen, der dunklen Seite der Kugel verborgen und dann ein anderes Mal wieder gut sichtbar im gleißend warmen Licht?

Ich wage die These, dass all diese Welten, die wir als Autor erschaffen schon lange in uns schlummern. Dass sich ihre Tore mit unserem Anklopfen langsam vor uns weit öffnen. Sie lassen uns ein: zu gucken und staunen, zu sehen und fühlen was bisher hinter den hohen Mauern verborgen lag.

Mal mag es uns erfreuen, ein anderes Mal erstaunen. Ein weiteres Mal vielleicht richtiggehend entsetzen.

Die vielen Welten in uns, in die wir nach und nach treten und in die wir unsere Leser entführen, wenn wir uns nur trauen.

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Zwischen den Zeilen lesen

20150824_074349Immer dann, wenn die Worte die wir selbst einmal aufgeschrieben haben uns plötzlich wirr und zusammenhanglos erscheinen, fangen wir an zwischen den eigenen Zeilen zu lesen. Ich habe nicht geglaubt, dass es sowas wirklich gibt… aber es passiert tatsächlich, und das nicht mal so selten.

Irgendwo war er doch, der Gedanke, der uns antrieb das Alles aufzuschreiben. Eine Botschaft in uns, die wir versuchten zu bannen.

Vielleicht kam der zu schnelle Gedanke zu schnell für die, den Kugelschreiber haltende Hand?

Vielleicht war er aber auch noch gar nicht zu Ende gedacht und das nun entstandenene Wirrwarr auf dem Blatt, nur der Zeuge von den vielen rastlosen Gedankensprüngen in unserem Kopf?

Wenn wir dann beim Schreiben meinen, etwas gut Gelungenes festgehalten zu haben und uns dann stolz die Leseprobe laut selbst präsentieren, straucheln wir nicht nur über die fehlenden notwendigen Satzglieder im Text. Nichts ist mehr da, von der Idee die uns ursprünglich trieb, obwohl die massenhaften Wörter auf dem weißen Papier etwas anderes suggerieren.

Dann versuchen wir uns vielleicht mit etwas Abstand dem Text erneut zu nähern und blenden das eigene anhaltende Kopfschütteln über dieses Ergebnis mutig aus…

Früher landeten solche Ergüsse regelmäßig im Mülleimer. Wenn gar nichts mehr zu retten ist, tut es der ein oder andere heute auch. Immer dann wenn ich mich auf die Spurensuche begeben habe – auf die Suche, Indianer Jones gleich- nach dem ursprünglichen Gedanken darin.

Ein Gedanke, der sich manchmal zwischen den Zeilen wieder zeigt. Manchmal schwach, nur kurz – den ich dann aber fasse. Ihn krampfhaft halte, versuche ihn nicht mehr zu verlieren und mit neuen Worten ein weiteres Mal zu bannen.

Manchmal gelingt dieses Kunststück – aber manchmal eben auch nicht.

Dann fühle ich mich in die Deutschstunden meiner Jugendtage zurückversetzt, zurück zu den immer wieder aufgetretenen dringenden Fragen : „Was will uns der Autor denn damit sagen?“

Um die Erkenntnis von heute reicher geworden,bin ich mir fast sicher, dass ich damals nicht immer verkehrt lag, wenn ich manchmal dunkel ahnte : „Das wußte der Schreiberling vielleicht selbst manchmal nicht mehr!“

Back home …

20150824_073929Back home… nach wundervollen Urlaubstagen in Südfrankreich. Neben der Erholung kam auch das Schreiben nicht zu kurz. Ich war fleißig, habe die ersten 180 Seiten des neuen Projektes Korrekturgelesen und mehrere zehntausend neue Worte geschrieben.

Das entstandene Naturschutzgebiet des Gartens ist wieder einer Wohflühloase gewichen und die letzten Taschen werden heute noch ausgepackt.

Zuhause erwartete mich die Kurzgeschichte für die Anthologie per Mail aus dem Lektorat. Johanna Nagl, hat wundervolle Arbeit geleistet und ich danke dir sehr dafür. Bin ich doch nach der Korrektur heute Morgen damit wieder einen großen Schritt weiter.

Die Veröffentlichung der Anthologie des Autorennetzwerkes ist für Ende des Jahres geplant und der Erlös geht nach der Abstimmung an den Verein „BrotundBücher“. Ichh freue mich sehr dabei sein zu dürfen und wünsche euch allen Kreativen heute einen wundervollen Tag!

Liebe Grüße, eure Nadin

Der Körper, die Seele, ich und ES …

Es ist Freitagmorgen. Punkt 4.04 Uhr.

Ich sitze im Garten. Auf dem Foto sieht es gemütlich aus. Wie ein warmer, gemütlicher Abend nach Sonnenuntergang. Dem aufmerksamen Betrachter wird die Kaffeetasse, der Fehler in diesem Suchbild nicht entgangen sein: Richtig, es ist morgens und lange VOR Sonnenaufgang.

Ich bin seit zwei Tagen und Nächten mit Migräne geschlagen. Mit allem was dazu gehört von Augenflimmern bis Übelkeit, die mir das längere Schlafen, oder das Schlafen überhaupt noch mehr erschwert. Da ist er wieder, dieser Dauerkopfschmerz, den ich nun bei der zweiten Tasse Kaffee, versuche mit dem Ausblick auf den letzten Arbeitstag der Woche und dem anstehenden gemeinsamen Urlaub zu verdrängen.

Kommt diese Migräne, von der ich in den letzten Jahren -zumindest in diesem abscheulichen Ausmaß-längere Zeit verschont worden bin, vielleicht von dem letzten Wetterumschwung, dem verspannten Nacken oder anderer „hormoneller Frauendinge“…?! Oder ist es doch eher, wie das Buch, das ich vor einigen Jahren geschenkt bekommen habe, ein Ausdruck meiner Anspannung?

Zugegeben, die Abgabetermine für zwei Kurzgeschichten und das Weiterschreiben an dem Romanprojekt saßen mir „buchstäblich“ im Nacken. Die Vorbereitungen des kommenden Campingurlaubs gemischt mit der hurtig eingeschobenen Badrenovierung, bei der natürlich nichts so klappte wie ich mir das vorstellte und angeschlagene Kinder kamen mal wieder zeitgleich zusammen.

„Schmerz als Ausdruck der Seele.“-

Ich erinnere mich gut an meine erste Reaktion. als ich dieses Buchgeschenk geöffnet und irritiert auf den Titel geschaut hatte.  Hin und hergerissen zwischen einem „Was soll denn das? Nimmt man meine damals vorherrschenden Beschwerden nicht ernst?!“ bis zu „Kann das überhaupt sein?“, blieb es erstmal unberührt.

Das Buch stand lange ungelesen in meiner mehrere hundert Bücher umfassenden Regalwand in unserem Wohnzimmer. Einmal fast vergessen, fiel es mir vor zwei Jahren wieder in die Hände. Erneut kopfschüttelnd ablehnend, wollte ich es gerade wieder zurückstellen, als ich darüber nachdachte, dass der Schenker mir eigentlich wohlgesonnen, ein Freund und noch dazu pädagogisch wie therapeutisch ausgebildet war. Also nahm ich es an, es in die Hand und begann bei den ersten Sonnenstrahlen darin zu lesen.

An den einzelnen Inhalt erinnere ich mich nicht mehr genau. Wohl aber daran, dass ich es innerhalb kürzester Zeit bis zum Ende las. Mehr als einmal war ich erstaunt über die darin versammelten Erkenntnisse und bin heute, auch dank des Buches, offener denn je für die kleineren und größeren Wehwehchen in mir und um mich herum.

Fast sensibilisiert nimmt man plötzlich wahr, wenn die Freundin vom Stress im Büro erzählt und anschließend über seit Tagen anhaltendes Sodbrennen klagt. „Es schlägt dir ganz schön auf den Magen, was ?“ – „Ja.“

Die Frau, die einmal zum Kaffee eingeladen all die angestauten Emotionen über die Zwistigkeiten in ihrer Ehe herausläßt und dabei das seit Tagen sich beständig haltende Halsweh nicht ignoriert.  „Du hast regelrecht einen Kloß im Hals – sprich es endlich aus!“

Die Bekannte, die mit ihren drei Nebenjobs, sich mit bloßem Auge erkennbar schon viel zu viel aufgeladen hat, ist heute zu hause geblieben, nachdem sie wegen furchtbarer Schmerzen in den Beinen einen Orthopäden aufgesucht hat. „Marie, das ist alles zu viel! Es zwingt dich in die Knie!“ – „Ich weiß!“

Beim Abholen des Kleinsten im Kindergarten höre ich eine Dreifachmutter, mit dem Säugling auf dem Arm, über die schlaflosen Nächte klagen. „Außderdem ist mein Ohr schon seit Tagen zugefallen. Ich habe richtig Schwindel!“ … sie hat ganz eindeutig „zu viel um die Ohren.“

Wenn wir mal lauschen und beobachten dann hören wir sie so oft. Diese Redewendungen, die wir fast tagtäglich und vielleicht unbewusst benutzen. Nach deren Aussprechen wir aber meistens den Prozeß des Beobachtens und Reflektierens schon wieder beenden.  Wir sollten uns darauf einlassen, uns selbst wieder genauer wahrzunehmen, in dieser hektischen und schnelllebigen Welt. Die Gedanken und Gefühle nicht immer so schnell und so gerne in die, in uns allen sicher vorhandenen Eimerchen schieben, bis sich irgendwann ein Deckel wegen Überfüllung nicht mehr schließen lässt.

Das Sodbrennen:  „die Galle kommt uns hoch“ ; das Völlegefühl : „diesen Stein im Magen“ ;  die Rückenschmerzen: „Ich habe mir zuviel aufgeladen“ … und auch alles Andere ernsthaft zum Anlass nehmen, um  mal wieder in uns reinzulauschen.

Dann, ja dann haben wir sicher auch die Chance, vielleicht schon heute wieder unser „Herz vor Freude hüpfen zu spüren“!   😉

In diesem Sinne einen wunderbaren Freitag, eure Nadin

reblogg an sophieleben…die tiefenpsychologische Frage nach dem Glas

Liebe Sophieleben,

Ich stimme dir zu, was du über die Möglichkeiten zur Beantwortung dieser Frage in deinem Blog sagst. Halb voll oder halb leer…die beiden Sichtweisen für ein und dasselbe Glas . Wie du selbst schreibst wird „halb leer“ immer mit pessimistischen Lebenseinstellungen verbunden. Demjenigen, der dagegen mit „halb voll“ antwortet, scheint die Sonne ins Gesicht zu scheinen.

Wenn du schreibst, dass es darauf ankommt, womit das Glas gefüllt ist, bleibt dann neben den zwei bekannten Antworten auf diese Frage und ihren bekannten Deutungen nicht vielleicht auch noch eine Dritte übrig?

Und zwar, die positive Antwort : „halb leer“ verbunden mit der erquickenden Aussicht, das gut gekannte und alltäglich gut schmeckende – da gewohnte – Getränk, bald geleert zu haben. Die Chance in dann leeren Glas Platz zu haben, um es mit etwas Neuem, vielleicht noch nie Probierten zu füllen und so neue Erfahrungen sammeln zu können?

Ich denke dieses Klischee von „halb voll/halb leer“ kennzeichnet dieses typische, zu oft genutzte Denken in Schwarz und Weiß.

Wenn man dem entflieht, sieht und erlebt man doch die vielen dazwischenliegenden Grautöne, die das Leben in all ihren Nuancen so lebenswert machen.

Viele Grüße Nadin