Auf den zweiten Blick

Drei Körper, fünf Augen. Gelb, blau, weiß und schwarz. Reduziert auf die wenigen Farben, im Einheitslook, getreu dem Corporate Identity Motto gekleidet, schauen Sie mich von der Rückseite des Nachrichtenblattes an. Die kleine Werbeanzeige für den neuesten Streifen der Minions. Unwissend von deren Existenz noch vor Jahren, nach dem ersten Teil des Erfolgsfilmes, komme auch ich nun, ob im Spielzeugladen, im Bekleidungsgeschäft, im Fastfoodrestaurant oder sonst irgendwo an ihnen nicht mehr vorbei.

Diese kleinen gelben, lustigen am Pc oder Mac eines nachts von kreativen Köpfen erfundenen Kreaturen, über die und mit denen man selbst in den katastrophalsten und ausweglosesten Situationen des Lebens noch lacht.

Diese Menge der unzähligen Gelblinge im Labor zusammengetrommelt, die auf einen Haufen versammelt fast wie eine zappelnde homogene Masse, bald wie ein großes Eins, auf uns wirken. Äußerlich für mich als zur Zeit brillenlose Brillenträgerin unmöglich zu unterscheiden. Aussichtslos auch nur einen von ihnen mit Namen benennen zu können.  So gleichartig wirken sie auf den ersten Blick.

Erst beim genaueren Betrachten, beim Näherkommen, wenn wir bereits sind unsere Sinne darauf zu schärfen, entdecken wir die Einzigartigkeit eines jeden einzelnen von ihnen.

Der eine ist kleiner, größer,  dicker oder dünner.  Mit Haar oder ohne, davon viel oder wenig, nach oben stehend oder glatt nach unten fallend. Es gibt sie einäugig, zweiäugig mit lachendem, staunendem oder fragendem Gesichtsausdruck. Gesegnet mit einer Sprache von der wir kein Wort verstehen, fühlen wir doch so schnell mit ihnen mit. Sie sind uns sympathisch, wenn auch namenlos und wir verstehen sie bald auch wortlos…

Ich wünsche uns allen diesen aufmerksamen die- einheitlichen- Minions – unterscheidenden- geschulten- reifen Blick.

Mit etwas Geduld, Zeit und dem wohlwollenden Augenmerk auf die gleichmäßigen und scheinbar konformen Menschen auch in unserer Umgebung. Der Blick, der es uns erlaubt das Einzigartige, liebevolle Gute in jedem von ihnen zu entdecken.

Einfach das Besondere an jedem Einzelnen in dieser Masse aus blau, grau, schwarz und weiß wahrzunehmen und über die Unzulänglichkeiten des Lebens mit dem nötigen Humor zu lachen. 2015-07-06_07.39.49

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