Die Dame … und das Buch

die dame

Schreiben … ein kleines bisschen ist es wie beim Malen:

Zugegeben, ein gewisses Grundtalent erleichtert die Arbeit sehr. Das ständige Üben, die Weiterbildung in den verschiedenen Bereichen, das genaue Betrachten sowie das Lesen anderer Werke hilft uns, einen eigenen Stil zu finden. Unsere Begabung kontinuierlich zu formen und immer weiter zu verbessern.

In Phasen der Schreibblockade, ausgelöst durch ein riesiges Vakuum im Kopf, ziehe ich mich gern hierhin zurück. Hierhin, an die stets bereitstehende Staffelei. Dem Ort, an dem es scheint keine Grenzen zu geben.

Noch vor der Auswahl des Motivs habe ich mich oft spontan, je nach Zustand des Geistes und der Hände für ein Malutensil entschieden. Jedes Mal ein grober Fehler, der mir hin und wieder auch beim Schreiben passiert: Schritt 2 vor Schritt 1  ;-).

Oft, und das nicht zu selten, muss ich dann allerdings, wenn sich die Idee plötzlich in den Kopf schiebt, noch einmal wechseln. Erscheint die ausgewählte Kohle für den filigranen Entwurf nun doch viel zu grob. Den Bleistift sorgfältig gespitzt und jetzt mit scharfer Spitze aufs Papier gesetzt, habe ich mich heute zum üben wieder ein paar Anatomiestudien zugewandt.

Die Dame: Ohne Hilfslinien wäre das Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Füße wären vermutlich größer als der Kopf und säßen mit großer Wahrscheinlichkeit, gleich unterhalb den Knieen.

So geht es uns beim Schreiben doch auch. Ohne ein stabiles Grundgerüst, einem eventuellen Storyboard, verlieren wir uns nur allzugern in der wachsenden Geschichte im Kopf. Der vielversprechende Anfangsgedanke dümpelt dann fruchtlos vor sich hin. Die Spannungskurve gleicht eher der Aufzeichnung eines EKG Gerätes als einem wohlgeformten Berg, der mit dem ein oder anderen kleineren, zum Luft holen geeigneten Plateau, aber dennoch stetig ansteigt.

So ist es nun auch bei meinem Entwurf auf dem Papier. Die Dame liegt in ihrer Gänze, und wie ich finde entspannt und recht gut proportioniert. Die Grundformen sind ersteinmal auf dem Papier gebannt.

Die Dame: Was nun kommt, ist die:  Feinarbeit. Die Frisur muss sitzen, die Haarstruktur sollte idealerweise gut erkennbar sein.

Unsere Buchcharaktere sollten wir an diesem Punkt auch mutig ausarbeiten. Ihnen Eigenheiten, Charakteristiken geben, die sie für den Leser greifbar, erkennbar eben einfach sichtbar machen.

Die Dame: Als nächstes folgt ein großer Teil: der Rumpf. Die Gliederung des Rückens, von dem man gern meint, er wäre aus einem Stück. Der Rücken, der aber erst zum Leben erwacht, wenn wir die zahlreichen Muskeln sorgfältig herausarbeiten. Die Muskeln, die allesamt bei dieser einen Bewegung harmonisch und zeitgleich zusammenspielen. Ohne die, die Dame auf dem Bild keine eigene Dynamik hätte.

Ein lebloses Wesen wäre sie, wie unsere Geschichte auch, wenn wir es an diesem Punkt nicht schaffen, die Charaktere zusammen zu fügen um ihr Spiel, mit und/ oder gegeneinander zu beginnen. Ein sehr wichtiger Moment, der wirkliche Beginn der Geschichte, wenn wir sie nun endlich in AKtion zueinander setzen.

Die Dame: Die Herausforderung der : Gliedmaßen ,  auf meinem Bild fast zerbrechlich und klein. Und dennoch so unheimlich wichtig, bringen sie doch die Dame, wenn sie aufsteht von A nach B.

Treiben wir also in unserer Geschichte vergleichbar mit ihr, die Protagonisten jetzt unaufhaltsam voran. Voran und hin zu einem Ziel, das wir spätestens jetzt genau definiert haben sollten.

Mit ihren Händen ist die Dame in der Lage das Wesentliche zu fassen. Gilt es nun für uns in unserer Geschichte auch das Wichtige herauszuarbeiten, damit die Dame und unsere Leser es greifen können.

Das Grundgerüst steht, der Korpus ist fertig. Die Muskeln sie spielen und halten die Dame in ihrer gewählten, eingenommenen Haltung. Die Charaktere in unserer Geschichte tun es ihr gleich.

Die Dame: Was nun noch fehlt : sind Tiefe und Schatten. Punkte erhellen, die wir für wichtig, im Licht zu stehen, erachten während andere weiter nach hinten ins Dunkel treten. Ein Prozeß, der die Dame, wie auch unser Buch dergleichen, erst wirklich und richtig zum Leben erweckt. Uns den Eindruck vermittelt, wir könnten danach greifen. Das scheint nach all den vielen anderen Schritten mit das Wichtigste bei beidem zu sein. Sonst wirken, die Dame wie auch unsere Geschichte oberflächlich, eindimensional und regelrecht platt

Ich handhabe es bei meinem Buch wie bei den Bildern: von links nach rechts, damit ja nichts verwischt. Mein Bild ist immer an allen Stellen gleich unvollendet. Wirkt es daher für den ein oder anderen, in den verschiedenen Stadien des Malens, beinahe schon fertig und zu Ende gebracht.

Doch wir daran Schaffenden wissen es in dem Moment einfach noch ein bisschen besser und arbeiten uns stetig, immer weiter an das vollkommen Vollendete heran. Glücklich, wenn wir zum Schluss endlich die Hilfslinien löschen und das Storyboard zur Erinnerung in der Schublade verstauen.

in diesem Sinne, viel Erfolg euch Allen weiterhin!

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