Vom Schreiben schreiben – Part 2

„Wat machst´n du da?“                         –         „Schreiben.“
„An wen denn?“                                        –         „An Niemanden.“
Ein fragender Blick.                               –         „Ein Buch.“
„Mit de Hand?“                                         –         „Ja.“
„Warum nich am PC?“                          –         „Mache ich dann für die zweite Fassung.“
„Tippste dann allet nochmal?“         –        „Ich muss doch sowieso nach  dem                      ersten Erguss das ein oder andere noch schieben.“

„Aha.“                                                                            – „Mist, jetzt ist sie alle!“
„Wer denn?“                                                             – „Die Patrone!“
„Vom Drucka?“                                                        – „Nein, vom Füller?“
„Du schreibst noch mit Fülla?“                      – „Ja.“
„Feder und Kiel war wohl grad aus, wa?“– Ein Seufzen.
Ein Lachen.                                                               – „Das tut an den Fingern nicht so weh, wie Kulli mit der Zeit, bei ein paar tausend Wörtern am Tag.“

„Tausend Wörta?!“                                                – Ein Nicken.
„So viel sprech ick manchmal am janzen Tach nich zusammen!“ – „Ich weiß, aber heute hast du deinen Unterhaltungstag, oder?“
„Wie viel Wörter brauchste denn so?“         – „ 80 bis 100…“
„Und dann schreibste 1000 am Tach? Wird dit ne serie?“– „80 bis 100 TAUSEND!“

Ein Gurgeln.                                                                       – Ein Schreiben.
„Ach herje, dit dauert“                                                 – „Ja.“
„Dafür brauch man wohl janz schön Jeduld?“– „Ja“
„Und Ruhe, wa?“                                                              – „Ja.“
„Und wo findest de die?“                                              – „Überall dort, wo du grad nicht bist und mich löcherst.“

Ein Lachen.                                                                                               – „Eigentlich hier.“
„Aber jetz grad nich, wa?“                                                                – „Nein.“
„Soll ick dir helfen? Ick hab och viel Phantasie!“                – „Klar, mach dir doch mal ein paar Gedanken und schreib sie auf.“
„Uffschreiben? Ne, dit is nich so meins. Ick erzähls dir!“ – Sein Seufzen. „Aber ich kann kein Steno!“

Ein Nachdenken.                                              – „Dann sprich es doch hier drauf!“
„Wat n dit?“                                                          – „Ein Diktiergerät!“
„Is da noch ne Kasette drin?“                    – „Ja.“
„Cool!“                                                                    – „Aber nicht aufmachen. Die hängt ein bisschen, sonst gibt’s Bandsalat!“
„Ja, ja schon jut! Nur uff´ n roten Knopp und dann sprechen, wa?“                  – „Ja.“
„Okay! Mach ick“ . Ein Klicken.                         – „Nein, nicht hier! Es muss absolut ruhig sein. Die Uhr da hinten tickt  so laut. Das nervt nachher beim Abspielen!“

„So sensibel is dit?“                                                – „Jaaa!“
„Jut, dann nehm ick s mit ins Zimma!“        – „Super.“
„Wie viel Worte brauchst n noch?“              – „50 etwa?“
„Nur?“                                                                            – „50 – TAUSEND“

Ein Schweigen.                                                         –  Ein Schreiben.

„Okay, da brauch ick ´n bissel für!“                  – „Nimm dir ruhig Zeit!“

„Und nich stören!“                                                         – „Mach ich, versprochen!“
„Also ick komm dann wieda, wenn ick sie zusammen hab!“ – „Super! Und ach, vielen, vielen Dank für deine Hilfe!“

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Humor…ist wenn man trotzdem lacht

…sagte einmal Bierbaum.

Eigentlich bin ich heute Morgen verzweifelt.  Nicht nur, wenn ein wenig auch, mangels einem geeigneten Thema für den heutigen Mittwochsblog.
Vielmehr aber wegen einer fulminanten Schreibblockade, die das Fortschreiten  meines zweiten Projekts radikal verzögert.
Bei dem dritten Kaffee und der vierten Zigarette sind schon mindestens 100 Ideen aus verschiedenen Veto-Gründen über den Jordan gegangen.
Während den unweigerlich einem Karussell gleichenden Gedanken in meinem Kopf, stöbere ich zur Ablenkung in den von mir gefolgten Blogs. Der Retter in der Not, wenn mal wieder so gar nichts geht: „Seppolog“. Ein Blog den ich nicht nur Schwerenötern auf der Suche nach einem Tageslichtblick empfehlen kann.
Gesegnet mit einem Humor wie ich ihn mag, kann ich seine Lebenssituationen so herrlich nachempfinden und als Beobachter herzhaft lachen. (www.seppolog.wordpress.com )

Unsere Freundin Google (meine App Stimme ist weiblich und heißt Bärbel) schaut bei Wikipedia und sagt zum Thema „HUMOR“ :
“ HUMOR ist die Begabung des Menschen, die Unzulänglichkeiten der Welt und der Menschen sowie den alltäglichen Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.“

Für mich tatsächlich eine unabdingbare, nicht wegzudenkende Eigenschaft, die ich in unserem zum Teil hektischen und  nicht immer voller Heiterkeit steckenden Leben nicht missen möchte.

Heute Morgen schon gar nicht.
Ich sitze quasi schon mit einem Bein baumelnd über dem Abgrund der Verzweiflung. Ausgelöst durch eine handfeste Schreibblockade. Was habe ich mir auch nur dabei gedacht, acht Menschen vier Tage lang in einen, wenn auch zugegeben, schönen Innenhof zu ferchen und sie bei ihren zwischenmenschlichen Entgleisungen zu beobachten?
Ich sehe schon die Gischt, gefühlte 20 Meter unter der steilen Felsklippe direkt unter mir. Ihre unzähligen Arme der Hoffnungslosigkeit jäh nach mir greifend.

Also versuche ich es einmal mit dem Humor und lache über das leere Blatt vor mir zu dieser grauen, noch trüben Morgenstunde. Ich schiebe es einfach beiseite. Vielleicht kommt der Gedankenblitz beim Zähneputzen.

Er kommt nicht. Dafür aber mein kritischer Blick, während ich nur wenige Zentimeter vor dem Spiegel kauere.
Trotzdem meine Brille seit Wochen unauffindbar ist und mein Sehvermögen damit dem eines Maulwurfes Konkurrenz macht, entdecke ich die zwei über Nacht im Stillen geborenen Krater im Gesicht.
Sollte man nicht meinen, mit 39 Jahren der Pubertät und damit den Hautunreinheiten (wobei dieses fünfsilbige Wort die Vulkane auf meiner Wange schamlos verharmlost) entkommen zu sein?

Ich lache auch sie weg , entscheide mich, einfach nicht mehr in den Spiegel zu schauen und mich den, noch ganz ansehnlichen Zähnen zu widmen.
Ich fluche mit dem tollwutverdächtigen Schaum vor und im Mund.
Welche Spezialisten haben denn nächtelang an dieser Innovation gebastelt um die Zahnbürste mit einem Zungenputzer zu kombinieren?
Kennt ihr diese feinen kleinen, Schmirgelpapier gleichenden Hartplastiknoppen und Nippelchen auf dem Zahnbürstchenkopfrücken?
Diese Noppen, die der Nachbar immer morgens, dem Erfinder glücklich dankend,  auf seiner belegten Zunge hin und her schiebt? Das dazugehörige Geräusch, das im Kopf sofort ein komisches Bild entstehen lässt. Klingt es doch in etwa so, als hätte ihm jemand diesen roten Gummistupfen, den man bei verstopftem Wc-Interieur  benutzt, in und auf den Mund gepresst? Und als wäre das nicht schon genug, mischt sich dazu schlussendlich ein apartes, gurgelndes Würgen.

Ich höre ihn und es jedesmal bei meiner dritten Tasse Kaffee. Offensichtlich hat der ansonsten Unbekannte auch einen strikten morgendlichen Zeitplan mit unveränderbaren Riten.
Ich putze meine Zunge nie. Ob die mir daher manchmal nachgesagte Scharfzüngigkeit kommt, weiss ich allerdings nicht.
So oder so sind diese kleinen Nöppchen eine absolute No-go-Erfindung für mich. Ich wäre sogar bereit die „Hartplastikzahnbürstchenkopfnoppen„als Unwort des Jahres zu nominieren.
Bereits in der Anfangsphase des morgendlichen Zahnputzprozesses verursachen sie, zumindest bei mir, ein unangenehmes Brennen. Vermischt mit den, in der Zahnpasta enthaltenen ätherischen Ölen entsteht daraus nach kurzer Zeit richtig gehend unter die Haut gehender Schmerz.
Das Resultat: glänzende Zähne,  aber eine unmöglich gereizte Mundhöhle, die sich anfühlt als hätte man sich in diesen vergangenen 2,18 Hygieneminuten mit der Maul und Klauenseuche angesteckt.

Die Bürste und mein Mund , diese Symbiose – keinen Morgen länger. Die neu erworbene Zahnbürste landet in dem blauen Kultureimer.
Kultureimer…noch so eine Frage, der man mal aufs Zahnfleisch fühlen könnte.
Wo kommt denn der Name her? Und warum findet sich ein KULTUReimer in der Regel gleich neben dem Abort?

Kultureimer einmal gegoogelt bringt uns raus aus dem Bad und rein in das Vereinsleben einiger Gemeinden. Da kommen wir also hier auf der Suche nach dem Wortursprung nicht weiter.

Der nächste Versuch: die Worttrennung.
EIMER … , ist ja schnell erklärt, da uns allen seit den ersten Sandkastentagen, als hin und wieder vorkommendes Streitobjekt,  bekannt.
KULTUR … , ist da schon schwieriger.
Daher die Frage an Bärbel, die eifrig bei Wikipedia schaut:

“ KULTUR bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt!“
(Damit haben wir Glück und nicht nur den Wortursprung, sondern auch gleich den Standort des „Kultureimers“ geklärt.)

In diesem Sinne , bleibt humorvoll und zuversichtlich,
Eure Nadin

Die Schafskälte oder diese metereologische Singularität

Es regnet. Seit  drei Tagen von Sommer keine Spur. Eine handfeste Herbstdepression mitten im Sommer vermeidend, google ich an diesem Morgen des Wetterphänomen der letzten Tage.

Die Tage, in denen die graue dicke Strickjacke zum liebgewonnen Dauerbegleiter wird, die halbhohen Sneakers die neu erworbenen Flipflops verdrängen und die kurzen Hosen ganz nach hinten in den Schrank wandern. Die Kinder morgens mit großen Augen fragend schauen, wenn ich sie, zwei Tage nach dem letzten Freibadbesuch, mahnend an ihre Jacke erinnere.

„Es ist doch Sommer!“ – „Nein, es ist die Schafskälte!“

„Was is´n das?“ – „Das Wetter da draußen!“

„Und wann hört das auf ?“ – „Wenn die metereologische Singularität überstanden ist!“

Noch größere Augen und in mir die Hoffnung, dass damit ein weiteres Nachfragen ausbleibt. Irrtum. Ein weiteres „Was is´n das?!“. Ich friere, mehr von innen  nach außen.

Laut Wikipedia ist sie ein Wetterphänomen das zwischen dem 4. und 20. Juni oft in Mitteleuropa für einen Kälteeinbruch sorgt. Durch kühle, feuchte Luft aus Nordwest kommend, die Temperatur um 5 bis 10 Grad Celcius sinkt. Der bezeichnende Name kommt nicht von der dicken Strickjacke, die ich nun weiter frierend, enger um den Körper ziehe. Die meisten Schafe sind zu diesem Zeitpunkt schon geschoren und dieser Kälteeinbruch kann damit wahrlich bedrohlich für sie werden. Daher werden Lämmer und Mutterschafte meist erst nach Mitte Juni geschoren. Nur die alten Böcke müssen in diesen Tagen erbarmungslos frieren.

Genau wie ich, als ich nun barfuß, das Kind verabschiedend, in einer kleinen Lache Regenwasser der Nacht vor der Tür stehe.

„Und das heißt wie?“ – „Schafskälte.“

„Nein, das andere Wort: metereologisches Subjekt?!“ – „Singularität!“

Ich schaue den 12 Jährigen, gefasst auf weitere Nachfragen an.

„Und was ist das?!“ – „Dein Bus kommt, ich erklär´s dir später!“ Ein Kuß, ein liebevolles Lächeln. Ungeachtet der noch verbleibenden Minuten schiebe ich den müden, frierenden Jungen Zeit schindend Richtung Gartentor. In Gedanken schon den Ausdruck googelnd.

Gesagt, getan. Zugegeben, erst nach einem hoffnungsvollen Klick auf die Wetterapp. Nun hoffnungsvoller: ab Mittwoch sollen die Temperaturen wieder steigen.

Ich ziehe unter dem Terrassendach die Wollsocken ein bißchen höher. Mein dem „europäischen Sommermonsum“ angepasster müder Blick fällt auf das verwaiste Planschbecken im Garten. Die Vögel fliegen aufgeregt um das bunte Vogelhaus daneben. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, ihnen ein paar Körner hineinzulegen. Schüttele dann aber selbst den Kopf. Es ist nicht Winter, auch wenn es sich so anfühlt, nur die Schafskälte, diese metereologische Singularität.

Dass es etwas „Besonderes“ sein muß, habe ich mit den beschränkten Mitteln der Namensableitung auf den Wortursprung schon geahnt. Da das Nachschlagen heute online so viel einfacher ist, als das Wühlen in den schweren, mit Goldschnitt verzierten Brockhausbänden und den ellenlosen Querverweisen, wird dem 21. Jahrhundert entsprechend angemessen gegoogelt.

„singularis“ aus dem lateinischen: „einzigartig“.

Mit dem Blick in den grauen Himmel knüpfen sich in meinem Kopf neue Synapsen. Bisher hatte ich „einzigartig“ mit etwas „beeindruckendem“, „positiven“ in Verbindung gebracht. Diese neue Erkenntnis bezogen auf den grauen, tristen fast melancholisch machenden Himmel Mitte Juni belehrt mich nun eines Besseren. Wieder was gelernt heute Morgen. 😉

Metereologisch gesehen, bezeichnet „Singularität“ eigenartige Witterungsregelfälle (das bezeichnet es beim Bemerken meiner fast eingefrorenen Finger an der Tastatur treffender) die zu bestimmten Zeitabschnitten im Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten. So wie auch z.B. die Eisheiligen, die Hundstage, der Altweibersommer oder der Martini-Sommer.

Letzterer spricht mich, frierend, nach einem Tuch für den kalten Hals suchend, spontan an.  Das Bild aus den alten Kinowerbungen kommt mir in den Sinn. Halbnackte, braungebrannte und schöne Menschen, gutgelaunt und entspannt am Strand einer einsamen Insel. Die Sonne scheint, unbedeckt am wolkenlosen, blauen Himmel und spiegelt sich in den vielen Blautönen des Meeres. Die Männer und Frauen vergnügen sich lachend am Strand und in den, zur Entspannung aufgehängten, weißenHängematten. Sorglos, ein Eis in der Hand, den Strohhut tief im Gesicht, die scheinbar stillstehende Zeit an diesem Strand in diesem Sommer genießend.

„What a feeling….summer dreaming….when you´re with me…“ Die eingängige Melodie spielt endlos in meinem Ohr. Das Lied summt noch in meinem Kopf bevor sich das Ende des Kurzfilms vor meinem geistigen Auge in dem alten Bacardi-Werbespot findet.

Ich will heute keine Erbsenzählerin sein und lasse gern den Bacardi-Martini-Sommer eins sein. Vermittet es mir doch hier in diesem Grau die Aussicht auf Sommer. Vorfreude auf die wiederkommenden Tage im Garten, am See. Die Leichtigkeit des Sommers genießend, mit Freunden entspannt in der Sonne, eine kühlende Erfrischung in der Hand…

Ein ernüchternder Blick in die Wikipedia-Annalen: Der Martini-Sommer, diese metereologische Singularität, kommt in der Regel gegen Ende der ersten November-Dekade!

Auf ein Neues…

Vor dem Buch ist nach dem Buch…. auf dem Weg zu einem neuen Projekt. 
Der Schreibtisch ist gerichtet, das Storyboard, es wächst. Im Kopf spukt es quer…
An all die armen Seelen um mich herum: habt Nachsicht – ich bin nicht verpeilt, nur auf die wachsende Geschichte im Kopf konzentriert.  Seid bitte ein bißchen blind für das sortierte Zettelchaos in unserem Haus.  Ich danke euch schon jetzt für eure lieben, unterstützende Worte und freue mich riesig auf die vielen lustigen Stunden in denen wir gemeinsam über die abstrusesten Ideen lachen. ☺😙

40 … na und ?!

Ich habe vor dreißig Jahren, zu Schulzeiten meiner Jugend, einen Nebenjob in einem Altenheim gehabt. Seitdem haben sich die Zeiten ganz schön verändert.

Die Heime sind keine Heime mehr, sondern „Residenzen“. Den vorpürierten Seniorenteller gibt es, dank neuester Zahntechnik und zubuchbarer Krankenzusatzversicherung, nur noch selten. Und viele Flme für und mit Ü-60ern, einschließlich „Wolke 9“, bringen uns „Mid-Agern“ die Hoffnung näher, dass es -Sex eingeschlossen- ein „Leben“ jenseits der 60 noch gibt.

Was früher das Zeitalter der Feinstrick-Westover, den weißen maßangerfertigten Gesundheitsschuhen und den gefilzten Pilzhut-Kopfbedeckungen bei jedem Wetter war, wird uns heute als der goldene, wohlverdiente, genossene und gelebte Lebensabend gezeigt.

Die Werbeseiten in den Hochglanzmagazinen sind voll mit den Ikonen der „Senior-Best-Ager“, die Anti-Aging Produkte bewerben und dabei attraktiver aussehen als manch Zwanzigjährige in ihrem Spot für ein reinigendes Gesichts-Pickel-Wasser.

Wir sehen die Stars aus Film und Fernsehen, scheinbar zeitlos, fast knitterfrei alternd und bekommen pünktlich zum 40. Geburtstag neue Ideale und Vorbilder geschenkt.

Die vor einigen Jahren noch allseits befürchtete Midlife-Crises läßt sich angesichts dieser positiven Aussichten ganz gut meistern. Werden wir doch mit 40 als „Best-Ager“ und mit 60 dann als „Noch-best-Ager“ gehandelt. Was kann es denn Schlimmeres geben?

Mit einem stolzen Blick auf unsere Eltern und Schwiegereltern, die sich allesamt so round-about 65 bewegen, bekommen wir neben den „Photoshop-Geschönten- Illustrierten- Idealen“ auch noch lebensnahe, lebensbejahende und agile Vorbilder, die wir gern und dankend annehmen.

Mein Vater radelt heute auf seinem neu erstandenen E-bike, das rein optisch Jan Ulrich vor Neid erblassen lassen würde, für einen schnellen Kaffee und einen 17 Minuten Plausch, die 40 Kilometer bis zu uns, und pünktlich zum Mittagessen wieder zurück. Allein beim Anblick der elektronischen, handygesteuerten Auswertung und der Info, dass er bei einfacher Strecke 568 Kcal verbrannt hat, falle ich stellvertretend für ihn fast in Ohnmacht. Meine Mutter, stets modisch in einer gut-sitzenden-weiblich-sportlichen Mischung, gekleidet, verlässt ohne Highheels in schwindelerregender Höhe, nie das Haus und das auf sicherem Gang. Meine Schwiegermutter, der der Beruf auch Berufung ist, hadert mit dem bevorstehenden Erreichen des Rentenalters und verschiebt den Ausstieg so weit es geht nach hinten.

Sie reisen viel, besehen sich die schönsten Plätze der Welt. Die Metropolen, sicher auf 9 cm wandelnd und genießen die endlich freie Zeit. Nach einem arbeitsreichen Leben scheinen sie alle wirklich alle angekommen und sehen dabei noch so gut aus, dass der Frage nach der Seniorenermäßigung an diversen Ticketkassen eine Rückfrage nach dem Ausweis mit einem kritischen Blick folgt.

Meine Großeltern hingegen, mögen sie bei meiner ersten bewußten Begegnung im ähnlichen Alter wie unsere Eltern jetzt gewesen sein, waren in meinem Augen schon immer alt. Gekleidet in gedeckten Farben, die geklöppelte weiße Decke auf dem Tisch. Nicht oder nur spärlich während des Kaffeetrinkens benutzte Servietten wurden danach kontrolliert und bei Möglichkeit noch einmal gefaltet, für das nächste Kränzchen zur Seite gelegt. Die zum Hobby gehörenden Handwerks-Strick-Körbchen standen immer und überall in Reichweite, der größte gleich neben dem Fernsehsessel. Über der Rückenlehne ein aus Resten gehäkeltes Deckchen, für die Schultern und gegen den Zug. Die Fernsehzeitung, immer am aktuellen Tag aufgeschlagen, wurde auf dem Hocker von dem angefangenen Kreuzworträtselheft flankiert. Das lange weiße Cashmere- oder Angora-Unterhemd nach jedem Aufstehen fein säuberlich wieder in den Bund des wadenlangen Feinstrickrockes geschoben. Den Feinstrickrock, aus den einschlägigen Seniorenkatalogen bestellt, gab es wegen „dem bequemen Sitz“, in allen Farbvariationen zwischen beige und braun gab.

Wie haben sich doch diese Zeiten geändert!

Sehen wir die Generation vor uns an, fällt es uns schwer zu glauben, dass sie je sooo alt wie ihre Eltern werden können. Das meine ich nicht alterstechnisch, in Jahresringen gezählt. Sicher ziert das ein oder andere Fältchen, hin und wieder auch den sich schon in frühen Jahren in Selbstbehauptung übenden Enkeln geschuldet, ihr Gesicht von Jahr zu Jahr ein bißchen mehr. Aber sooo alt,  wie die Generation vor ihnen, werden sie sicher nimmer mehr.

Ein Hoffnungsschimmer für uns alle „Mid-Ager“. Merken wir doch die Veränderung an uns selber auch. Die Zeiten, in denen man mit 40 die Mitte des Lebens erreichte, den Zenit der „Grad-noch-jungen-Eltern“ überschritten hatte, sind irgendwie vorbei.

Schauen wir uns doch noch mal aufmerksam um. Ich traf neulich Einen, der steigt aus seinem Beruf mit 40 noch mal aus, auf der Suche nach einer neuen, erfüllenden Berufung. Bei einigen steht jetzt erst der erste oder zweite Nachwuchs an, der andere überlegt sich bereits ein neues Tattoo. Die Feste und Feiern werden auch nicht wirklich weniger, dank explizit „Ü-40“ oder „90er Jahre“, gefühlt eher mehr.

Man läßt uns zum Glück gar nicht wandern in dieses Tal der „40er- Trübseeligkeit“. Fast scheint, als sei die Midlife-Crises ein auslaufendes Projekt.

Gott sei Dank, sagen wir, die die 40 nun erreichen, zuversichtlich und freudig auf die kommenden nächsten 40 schauend! Uns wohl bewusst, dass wir die Hälfte unseres Lebens wahrscheinlich hinter uns haben, reflektierend, beurteilend… für die nächsten 40 Jahre lernend.

Unterwegs ….

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Das Baby geht auf Reisen. Es wiegt 8,1 Kilo bei der Geburt und ist nun pünktlich zum Auftakt des Streiks bei der Post zur Sicherheit per UPS auf dem Weg zum Jugendbuchwettbewerb nach Oldenburg.
Böse Zungen könnten sagen: „auf den letzten Drücker“….wir Optimisten halten es mit den Worten:
„Das Beste kommt zum Schluss! “

Im diesem Sinne drücken wir die Daumen und euch allen einen erfolgreichen Dienstag mit dem ein oder anderen Lichtblick 🙌

Die Dame … und das Buch

die dame

Schreiben … ein kleines bisschen ist es wie beim Malen:

Zugegeben, ein gewisses Grundtalent erleichtert die Arbeit sehr. Das ständige Üben, die Weiterbildung in den verschiedenen Bereichen, das genaue Betrachten sowie das Lesen anderer Werke hilft uns, einen eigenen Stil zu finden. Unsere Begabung kontinuierlich zu formen und immer weiter zu verbessern.

In Phasen der Schreibblockade, ausgelöst durch ein riesiges Vakuum im Kopf, ziehe ich mich gern hierhin zurück. Hierhin, an die stets bereitstehende Staffelei. Dem Ort, an dem es scheint keine Grenzen zu geben.

Noch vor der Auswahl des Motivs habe ich mich oft spontan, je nach Zustand des Geistes und der Hände für ein Malutensil entschieden. Jedes Mal ein grober Fehler, der mir hin und wieder auch beim Schreiben passiert: Schritt 2 vor Schritt 1  ;-).

Oft, und das nicht zu selten, muss ich dann allerdings, wenn sich die Idee plötzlich in den Kopf schiebt, noch einmal wechseln. Erscheint die ausgewählte Kohle für den filigranen Entwurf nun doch viel zu grob. Den Bleistift sorgfältig gespitzt und jetzt mit scharfer Spitze aufs Papier gesetzt, habe ich mich heute zum üben wieder ein paar Anatomiestudien zugewandt.

Die Dame: Ohne Hilfslinien wäre das Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Füße wären vermutlich größer als der Kopf und säßen mit großer Wahrscheinlichkeit, gleich unterhalb den Knieen.

So geht es uns beim Schreiben doch auch. Ohne ein stabiles Grundgerüst, einem eventuellen Storyboard, verlieren wir uns nur allzugern in der wachsenden Geschichte im Kopf. Der vielversprechende Anfangsgedanke dümpelt dann fruchtlos vor sich hin. Die Spannungskurve gleicht eher der Aufzeichnung eines EKG Gerätes als einem wohlgeformten Berg, der mit dem ein oder anderen kleineren, zum Luft holen geeigneten Plateau, aber dennoch stetig ansteigt.

So ist es nun auch bei meinem Entwurf auf dem Papier. Die Dame liegt in ihrer Gänze, und wie ich finde entspannt und recht gut proportioniert. Die Grundformen sind ersteinmal auf dem Papier gebannt.

Die Dame: Was nun kommt, ist die:  Feinarbeit. Die Frisur muss sitzen, die Haarstruktur sollte idealerweise gut erkennbar sein.

Unsere Buchcharaktere sollten wir an diesem Punkt auch mutig ausarbeiten. Ihnen Eigenheiten, Charakteristiken geben, die sie für den Leser greifbar, erkennbar eben einfach sichtbar machen.

Die Dame: Als nächstes folgt ein großer Teil: der Rumpf. Die Gliederung des Rückens, von dem man gern meint, er wäre aus einem Stück. Der Rücken, der aber erst zum Leben erwacht, wenn wir die zahlreichen Muskeln sorgfältig herausarbeiten. Die Muskeln, die allesamt bei dieser einen Bewegung harmonisch und zeitgleich zusammenspielen. Ohne die, die Dame auf dem Bild keine eigene Dynamik hätte.

Ein lebloses Wesen wäre sie, wie unsere Geschichte auch, wenn wir es an diesem Punkt nicht schaffen, die Charaktere zusammen zu fügen um ihr Spiel, mit und/ oder gegeneinander zu beginnen. Ein sehr wichtiger Moment, der wirkliche Beginn der Geschichte, wenn wir sie nun endlich in AKtion zueinander setzen.

Die Dame: Die Herausforderung der : Gliedmaßen ,  auf meinem Bild fast zerbrechlich und klein. Und dennoch so unheimlich wichtig, bringen sie doch die Dame, wenn sie aufsteht von A nach B.

Treiben wir also in unserer Geschichte vergleichbar mit ihr, die Protagonisten jetzt unaufhaltsam voran. Voran und hin zu einem Ziel, das wir spätestens jetzt genau definiert haben sollten.

Mit ihren Händen ist die Dame in der Lage das Wesentliche zu fassen. Gilt es nun für uns in unserer Geschichte auch das Wichtige herauszuarbeiten, damit die Dame und unsere Leser es greifen können.

Das Grundgerüst steht, der Korpus ist fertig. Die Muskeln sie spielen und halten die Dame in ihrer gewählten, eingenommenen Haltung. Die Charaktere in unserer Geschichte tun es ihr gleich.

Die Dame: Was nun noch fehlt : sind Tiefe und Schatten. Punkte erhellen, die wir für wichtig, im Licht zu stehen, erachten während andere weiter nach hinten ins Dunkel treten. Ein Prozeß, der die Dame, wie auch unser Buch dergleichen, erst wirklich und richtig zum Leben erweckt. Uns den Eindruck vermittelt, wir könnten danach greifen. Das scheint nach all den vielen anderen Schritten mit das Wichtigste bei beidem zu sein. Sonst wirken, die Dame wie auch unsere Geschichte oberflächlich, eindimensional und regelrecht platt

Ich handhabe es bei meinem Buch wie bei den Bildern: von links nach rechts, damit ja nichts verwischt. Mein Bild ist immer an allen Stellen gleich unvollendet. Wirkt es daher für den ein oder anderen, in den verschiedenen Stadien des Malens, beinahe schon fertig und zu Ende gebracht.

Doch wir daran Schaffenden wissen es in dem Moment einfach noch ein bisschen besser und arbeiten uns stetig, immer weiter an das vollkommen Vollendete heran. Glücklich, wenn wir zum Schluss endlich die Hilfslinien löschen und das Storyboard zur Erinnerung in der Schublade verstauen.

in diesem Sinne, viel Erfolg euch Allen weiterhin!